Kanada exportiert mehr als 60% seines Cannabis nach Deutschland
Der deutsche Cannabismarkt ist der größte und wichtigste in Europa. Seit dem Inkrafttreten des CanG vor zwei Jahren ist der Bedarf an Cannabis für medizinische Zwecke enorm gestiegen. Dieser Bedarf kann aber nicht allein durch das hierzulande produzierte Cannabis gedeckt werden –obwohl es dafür Möglichkeiten genug geben sollte. Deshalb muss ein Großteil des Bedarfs importiert werden. Und diese Importe stammen vor allen Dingen aus Kanada.
Von 3,5 auf 30,4 Millionen: Ein Markt im Rausch
Die Zahlen aus dem Februar 2026 sprechen eine deutliche Sprache: Kanada exportierte Cannabis im Wert von 30,4 Millionen CAD (Kanadische Dollar) nach Deutschland. Im Vergleich zu 3,5 Millionen CAD vor zwei Jahren entspricht dies einer Steigerung von 763 Prozent. Mit einem Anteil von über 62 % an Kanadas gesamten Cannabisexporten ist Deutschland heute kein bloßer Abnehmer mehr, sondern der globale Anker der Branche.
Dieser Aufstieg ist kein Zufall. Das CanG hat klare regulatorische Strukturen geschaffen, die internationalen Produzenten die nötige Planungssicherheit geben. Kanadas Vorsprung durch ausgereifte, EU-GMP-zertifizierte Anlagen ermöglichte es den dortigen Firmen, den deutschen Markt regelrecht zu fluten, während andere Nationen noch mit regulatorischen Hürden kämpfen.
Das Ende des „Umwegs“ über Portugal
Interessant ist die Verschiebung der Lieferketten. Früher war Portugal der zentrale Knotenpunkt: Kanadische Ware wurde dort veredelt, um EU-GMP-Standards zu erfüllen. Doch dieses Modell ist 2026 am Ende. Da immer mehr kanadische Produzenten mittlerweile selbst direkt zertifiziert sind, erübrigt sich der kostspielige Zwischenschritt. Wer heute direkt liefert, verhandelt auch einfacher Rabattverträge mit deutschen Krankenkassen.
Die Achillesferse: Strukturelle Abhängigkeit
Trotz des Booms zeigt die Entwicklung eine gefährliche Schwachstelle auf. Während Deutschland Rekordmengen importiert, hinkt der Aufbau eigener Kapazitäten hinterher. Die Anbauvereinigungen der „Säule 1“ produzieren streng limitiert für ihre Mitglieder und sind für die medizinische Versorgung irrelevant. Ein großskaliger, staatlich geförderter EU-GMP-Anbau in Deutschland ist weiterhin nicht in Sicht.
Dies schafft eine tiefe Abhängigkeit von Kanada. Geopolitische Schwankungen oder Währungskrisen könnten die Versorgungssicherheit deutscher Patienten unmittelbar gefährden. Deutschland feiert zwar seinen Status als größter Markt Europas, bleibt aber vorerst ein „Import-Riese“ auf tönernen Füßen.
Deutschland bleibt bis auf Weiteres ein Markt mit enormem Potenzial, aber einer kritischen Import-Abhängigkeit. Während die Nachfrage nach Medizinalcannabis ungebrochen steigt, verdeutlicht die aktuelle Marktlage, dass die Versorgungssicherheit hierzulande ohne Übersee-Importe vorerst nicht zu gewährleisten ist.
Siehe auch
Kanadas legaler Cannabismarkt wächst stabil
Über 5,4 Mrd. Dollar Steuereinnahmen durch Cannabis-Legalisierung