Bosnien-Herzegowina legalisiert medizinisches Cannabis

Mercedes.Frank
14 Feb 2026

Am 29. Dezember 2025 hat der Ministerrat von Bosnien und Herzegowina (BiH) offiziell einen Antrag zur Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke genehmigt. Mit dieser Entscheidung werden Cannabis sowie dessen Harze, Extrakte und Tinkturen aus der Kategorie der streng verbotenen Substanzen in eine Liste der „streng überwachten“ Substanzen umklassifiziert.


Diese Änderung der Politik, die offiziell am 1. Januar 2026 in Kraft trat, markiert das Ende eines zehnjährigen administrativen Kampfes. Sie zielt darauf ab, Patienten einen standardisierten, sicheren Zugang zu Cannabis zu ermöglichen und gleichzeitig den illegalen Markt in Bosnien und Herzegowina einzudämmen.

Ein streng pharmazeutischer Rahmen

Im Gegensatz zu liberaleren Modellen in Teilen Westeuropas ist die bosnische Regelung streng medizinisch und pharmazeutisch ausgerichtet. Nach den neuen Vorschriften gilt Folgendes:

  • Ärztliche Verschreibung: Der Zugang wird nur Patienten mit einer gültigen Verschreibung eines zugelassenen Arztes gewährt.
  • Pharmazeutische Produkte: Cannabis wird ausschließlich als zugelassene pharmazeutische Produkte (Öle, Tinkturen oder Magistralrezepturen) abgegeben.
  • Strenge Aufsicht: Die Agentur für Arzneimittel und Medizinprodukte von Bosnien und Herzegowina überwacht die gesamte Produktion, den Vertrieb und die Lagerung.

Dieser Schritt folgt der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2020 und der anschließenden Neuklassifizierung von Cannabis durch die Vereinten Nationen, die dessen therapeutisches Potenzial anerkannt hat.

Medizinisches Cannabis auf dem Balkan: Ein regionaler Überblick

Die Nachricht aus Sarajevo ist zwar ein Meilenstein für Bosnien und Herzegowina, bringt das Land jedoch auf eine Linie mit mehreren seiner Nachbarn, die in den letzten zehn Jahren medizinische Rahmenbedingungen geschaffen haben.

Kroatien (legalisiert 2015): Eines der ersten Länder in der Region, obwohl der Markt mit bürokratischer Stagnation und hohen Kosten für Patienten zu kämpfen hat. 

Nordmazedonien (legalisiert 2016): Ein regionaler Pionier im kommerziellen Anbau für den Export. Patienten können in lokalen Apotheken verschiedene Medikamente auf Cannabisbasis erhalten, darunter CBD-Öle, Balsame und topische Präparate.

Albanien (legalisiert 2023): Verabschiedung eines Gesetzes, das den Anbau und die Verarbeitung von Cannabis für medizinische und industrielle Zwecke erlaubt. 

Slowenien (legalisiert 2025): Erlaubt die Verwendung von aus Cannabis gewonnenen Medikamenten und THC-Präparaten. Patienten können nach einer persönlichen Konsultation mit einem Arzt ein Rezept erhalten.

In Bosnien-Herzegowina wurde bereits vergangenen Herbst eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die noch genau definieren muss, bei welchen Erkrankungen Cannabis eingesetzt werden kann. Auch Details wie Qualitätssicherung und Verschreibung müssen noch ausgearbeitet werden. Aber man ist auf dem richtigen Weg.

Siehe auch

Slowenien erwägt Legalisierung von Cannabis

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