Cannabis-„Dampfbäder“ bei den Skythen

Mercedes.Frank
21 Feb 2026

Die Geschichte des Cannabis reicht weit zurück in die Antike, wenn nicht gar noch weiter. Dank der der modernen Archäologie verfügen Wissenschaftler heute über stichhaltigere Beweise dafür, wie alte Kulturen Hanf und Cannabis in Rituale, Medizin und Alltag integrierten.


Eines der besten Beispiele stammt von den Skythen, einem Nomadenvolk, das zwischen etwa dem 8. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. riesige Gebiete vom Schwarzen Meer bis nach Zentralasien besiedelte. Der griechische Historiker Herodot hinterließ eine der frühesten schriftlichen Aufzeichnungen über den rituellen Cannabiskonsum dieser Stämme.

Wer waren die Skythen?

Die Skythen waren gefürchtete Reiterkrieger, die für ihre Mobilität, ihre Fähigkeiten im Bogenschießen und ihre aufwendigen Bestattungstraditionen bekannt waren. Griechische Quellen beschrieben sie als wild und unkonventionell im Vergleich zu den Gesellschaften des Mittelmeerraums.

Zu den Gruppen, die mit der skythischen Kultur in Verbindung standen, gehörten Kriegerinnen, die oft mit den legendären Amazonen der griechischen Mythologie in Verbindung gebracht wurden. Archäologische Funde von Frauenbestattungen mit Waffen deuten darauf hin, dass Frauen in skythischen Gesellschaften manchmal neben Männern trainierten und kämpften, was diesen Legenden historisches Gewicht verleiht.

Sie waren nicht nur Kriegerinnen, sondern auch Handwerkerinnen, Liebhaberinnen von Tätowierungen und Teilnehmerinnen an aufwendigen Bestattungsritualen. Gut erhaltene Überreste, die im sibirischen Permafrostboden entdeckt wurden, zeigen komplizierte Tätowierungen im Tierstil, die ihre reichhaltige symbolische Kultur widerspiegeln.

Herodot und das skythische „Dampfbad”

Herodot liefert eine anschauliche Beschreibung dessen, was er als skythisches „Dampfbad” bezeichnete. Seiner Schilderung zufolge errichteten die Skythen kleine zeltartige Konstruktionen aus Filz. Im Inneren platzierten sie erhitzte Steine in einem Becken oder Kohlenbecken. Cannabissamen – wahrscheinlich gemischt mit blühendem Pflanzenmaterial – wurden auf die heißen Steine geworfen, wodurch dichte Rauchwolken entstanden.

„Diese Samen glimmen und rauchen und senden große Rauchwolken aus. Die Skythen heulen vor Freude, voller Ehrfurcht und begeistert von ihrem Dampfbad“, schrieb er. Während er sich speziell auf Samen bezog, weisen moderne Forscher darauf hin, dass psychoaktive Wirkungen eher von blühenden Spitzen ausgehen würden. Es ist möglich, dass Herodot entweder seine Beobachtungen falsch interpretiert hat oder dass die Samen mit harzigen Pflanzenstoffen vermischt waren. Er bemerkte außerdem Folgendes: „Während es brennt, atmen die Menschen den Rauch ein und werden berauscht, so wie die Griechen vom Wein berauscht werden ... Sie schütten immer mehr ins Feuer und werden noch berauschter und tanzen und singen um das Feuer herum.“

Archäologische Funde bestätigen diese Praxis

Jahrhundertelang stand Herodots Bericht weitgehend für sich allein. Aber die moderne Archäologie hat seine Glaubwürdigkeit gestärkt. Ausgrabungen von skythischen Grabhügeln – bekannt als Kurgane – in Regionen von Osteuropa bis Westchina haben Folgendes zutage gefördert: Holzstangen, Bronzekohlenbecken, Erhitzte Steine und Cannabisrückstände und verkohlte Samen.

Die chemische Analyse der in einigen Kohlenbecken gefundenen Rückstände hat das Vorhandensein von Cannabinoiden bestätigt, was stark darauf hindeutet, dass es sich um absichtliches Inhalieren und nicht um zufälligen Konsum handelt. Es wurden etwa 300 Grabstätten ausgegraben, von denen viele Pferde, Waffen, Schmuck und in einigen Fällen auch Geräte zum Verbrennen von Cannabis enthielten. Die Beigabe dieser Geräte in Gräbern deutet darauf hin, dass der Cannabiskonsum gesellschaftlich akzeptiert und möglicherweise ritualisiert war.

Cannabis in der eurasischen Steppe

Artefakte im Zusammenhang mit Cannabis, die mit skythischen und verwandten Steppenkulturen in Verbindung stehen, wurden in einem riesigen geografischen Gebiet entdeckt – von Rumänien und der Ukraine bis zum Altai-Gebirge in Sibirien und Teilen Westchinas. Diese Verbreitung deutet darauf hin, dass der Cannabiskonsum kein isoliertes Phänomen war, sondern Teil einer breiteren Steppentradition.

Mehr als nur Dampfbäder

Cannabis war nicht das einzige Rauschmittel im Leben der Skythen. Antike griechische Schriftsteller beschrieben auch ihren hohen Konsum von unverdünntem Wein – ungewöhnlich für griechische Verhältnisse, da die Griechen Wein normalerweise mit Wasser mischten.

In Verbindung mit Hinweisen auf Körperkunst, Kriegerkultur und gemeinschaftliche Rauschrituale scheinen die Skythen veränderte Bewusstseinszustände als Teil ihres sozialen und zeremoniellen Lebens angenommen zu haben.

Eine Gesellschaft, die rituelle Rauschzustände normalisierte

Was die Geschichte der Skythen besonders faszinierend macht, ist, dass ihre Cannabis-„Dampfbäder” offenbar gemeinschaftlich und gesellschaftlich akzeptiert waren. Es handelte sich dabei nicht um Randaktivitäten, die vor der Gesellschaft verborgen wurden – sie wurden als Gruppenerlebnisse beschrieben, begleitet von Rufen, Gesängen und Feiern.

Die Tatsache, dass Cannabis-Räucher-Sets mit den Toten begraben wurden, lässt vermuten, dass diese Praktiken Teil der kulturellen Identität waren und möglicherweise mit Reinigungsriten, Begräbniszeremonien oder spirituellen Erfahrungen in Verbindung standen.

 

Auch wenn moderne Leser versucht sein mögen, spielerische Parallelen zwischen den alten Skythen und heutigen Stereotypen zu ziehen, ist es doch zutreffender, ihren Cannabiskonsum im kulturellen und rituellen Kontext zu betrachten. Für die Skythen war das Inhalieren von Cannabisdämpfen keine Rebellion, sondern Tradition. Dank der Schriften von Herodot und der modernen Archäologie wissen wir heute, dass die Geschichte des Cannabiskonsums mindestens 2.500 Jahre zurückreicht und einen Ursprung in den Steppen Eurasiens hat.

Siehe auch

Ikonische Momente in der Geschichte des Cannabis

Cannabis und Religion

M
Mercedes.Frank