Cannabis-Toleranzpause: So macht man den biologischen Reset richtig
Wenn man bemerkt hat, dass die Lieblingssorte nicht mehr die gleiche Wirkung hat wie früher oder man doppelt so viel ausgibt, um die gleiche Wirkung zu erzielen, ist man wahrscheinlich an eine „Toleranzgrenze“ gestoßen. Die bekannte Lösung dafür ist eine T-Pause (Toleranzpause) vom Cannabiskonsum. Obwohl dies oft als einfacher Willenstest beschrieben wird, ist eine T-Pause tatsächlich eine strategische biologische Intervention.
Dank neuester neurobiologischer Forschungen wissen wir heute genau, wie sich das Gehirn erholt, wenn wir unseren Cannabiskonsum unterbrechen. Eine Toleranzpause kann von Vorteil sein, wenn man feststellt, dass man Cannabis häufiger oder in höheren Mengen als gewöhnlich konsumiert, aber dennoch Schwierigkeiten haben, die gleiche Wirkung zu erzielen.
Die Wissenschaft hinter dem „Reset”
Der Hauptgrund für die Toleranz gegenüber Cannabis ist die Herunterregulierung der CB1-Rezeptoren. Diese Rezeptoren sind Teil des Endocannabinoid-Systems (ECS) und für die Verarbeitung von THC verantwortlich.
Wenn man täglich potentes Cannabis konsumiert, versucht das Gehirn, das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, indem es diese Rezeptoren „ausschaltet“ oder ihre Anzahl reduziert. Deshalb benötigt man mehr THC, um die gleiche Wirkung zu erzielen – es stehen einfach weniger „Andockstellen“ für die Moleküle zur Verfügung.
Eine in Biological Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt Folgendes:
Die 48-Stunden-Marke: CB1-Rezeptoren beginnen innerhalb von nur zwei Tagen Abstinenz mit der „Hochregulierung” (Wiederaktivierung).
Die 4-Wochen-Marke: Bei starken Konsumenten dauert es etwa 28 Tage, bis die Rezeptordichte wieder fast das Niveau von Nichtrauchern erreicht hat.
Wie lang sollte die T-Pause sein?
Nicht jede Pause muss einen Monat lang sein. Je nach Ihren Zielen kann man ein bestimmtes „Reset-Level” wählen:
Der Mini-Reset (48 bis 72 Stunden): Ideal für gelegentliche Konsumenten, die den „Gehirnnebel” beseitigt oder die unmittelbare Dosierung senken möchten.
Die Halbwertszeitpause (2 Wochen): Dies ist für viele der ideale Zeitraum. Er ermöglicht eine deutliche Erholung der Rezeptoren und beseitigt die meisten THC-Metaboliten aus dem Körper.
Der vollständige biologische Reset (30 Tage): Empfohlen für tägliche, langjährige Raucher oder Personen, die unter dem Cannabis-Entzugssyndrom (CWS) leiden. Dies ist die einzige Möglichkeit, das ECS wieder auf seinen ursprünglichen Grundzustand zurückzusetzen.
Einige Cannabiskonsumenten empfinden die erste Woche der T-Pause möglicherweise als besonders schwierig. Hier erfahren Sie mehr darüber, warum es sich nach jahrelangem Konsum so schwer anfühlen kann, eine Pause einzulegen oder ganz aufzuhören.
Es ist leichter gesagt als getan, aber es ist zu schaffen
Eine T-Pause sollte keine Zeit des Leidens sein, sondern eine Zeit der Optimierung. Anstatt ständig daran zu denken, dass man heute Abend oder bis zum Ende des Monats kein Gras rauchen wird, sollten man sich darauf konzentrieren, wie man die Tage besser gestalten könnte.
Flüssigkeitszufuhr & Terpene: Viel Wasser trinken und Lebensmittel essen, die reich an Beta-Caryophyllen sind (wie schwarzer Pfeffer oder Nelken), das leicht mit CB2-Rezeptoren interagieren kann, um Ängste zu lindern, ohne ein „High” zu verursachen.
Körperliche Aktivität: Durch Bewegung wird Anandamid (unser „internes THC”) freigesetzt, das dabei hilft, die Lücke zu überbrücken, während die Rezeptoren aktiv werden.
Der Schlaf-Faktor: Man sollte auf lebhafte Träume vorbereitet (REM-Rebound) sein. Anstatt sie zu bekämpfen, sollte man sie als eine Möglichkeit betrachten, Monate oder (in manchen Fällen) Jahre unterdrückter Traumzyklen nachzuholen.
Wenn man den Lieblingsfilm jeden Monat sieht, verliert er irgendwann seinen Reiz. Wenn man eine Weile Abstand nimmt, fühlt sich das Erlebnis wieder frisch an. Bei Cannabis funktioniert es genauso. Bei einer T-Pause geht es nicht um Entzug, sondern um Erhaltung. Indem man die Toleranz kontrolliert, schützt man den langfristigen Genuss und sorgt dafür, dass Cannabis ein funktionaler, bewusster Teil des Lebens bleibt und nicht zu einer immer teurer werdenden Gewohnheit wird.
Siehe auch
Gelegentlicher Konsum oder Abhängigkeit - Wo ist die Grenze?