Neue Studie: Jugendkonsum von Cannabis auf 20-Jahres-Tief

Mercedes.Frank
03 Feb 2026

Der befürchtete „Drogen-Boom“ nach der Teillegalisierung im April 2024 scheint auszubleiben. Eine aktuelle Erhebung des Instituts für Suchtforschung (ISFF) an der Frankfurter University of Applied Sciences liefert Zahlen, die das Gegenteil belegen: Der Cannabiskonsum unter Jugendlichen ist auf dem niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten.


Die Fakten der Studie

Seit dem Jahr 2002 befragt das Monitoring System Drogentrends (MoSyD) jährlich Frankfurter Schüler zu ihrem Konsumverhalten. Die aktuelle Erhebung, die zwischen Oktober 2024 und März 2025 durchgeführt wurde, basiert auf den Angaben von 1.054 Schülern aus 82 Klassen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: 78 % der befragten Jugendlichen gaben an, noch nie Cannabis konsumiert zu haben. Nur noch 1 % der Schüler nutzt Cannabis täglich, während etwa 6 % einen regelmäßigen Konsum aufweisen. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits in den vergangenen Jahren erkennbar war, sich nun aber verfestigt hat.

Legalisierung vs. Jugendschutz: Ein Widerspruch?

Die Zahlen sind ein herber Schlag für die Argumentation der Legalisierungsgegner. Oft wurde gewarnt, dass Cannabis eine „Einstiegsdroge“ sei und der leichtere Zugang durch das CanG die Jugend gefährden würde. Die Realität zeigt: Trotz der medialen Präsenz des Themas und der Entkriminalisierung sinkt das Interesse der Minderjährigen.

Auch die EKOCAN-Evaluierung vom Herbst 2024 stützte diese These bereits auf Bundesebene. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Politik oft mit symbolischen Maßnahmen reagiert, anstatt auf Evidenz zu setzen. Ein Beispiel sind die strengen Abstandsregeln (die „100-Meter-Regel“ zu Schulen und Kitas), die im Alltag oft zu absurden Ordnungswidrigkeiten führen, während die tatsächliche Präventionsarbeit häufig unterfinanziert bleibt.

Alkohol und Nikotin: Der „Genneration Abstinenz“ Trend

Interessanterweise spiegelt der Rückgang beim Cannabis einen allgemeinen Trend wider. Auch die klassischen Genussmittel verlieren bei Jugendlichen massiv an Boden:

Alkoholkonsum: Anfang des Jahrtausends gaben nur 4 % der Jugendlichen an, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Heute sagen 88 %, dass sie noch nie oder nur sehr selten trinken.
Rauchen: Waren zur Jahrtausendwende noch 40 % der Jugendlichen regelmäßige Raucher, ist diese Zahl heute auf etwa 10 % geschrumpft.

Ideologie vs. wissenschaftliche Evidenz

Die Entkriminalisierung im April 2024 hat nachweislich nicht zu einem Anstieg des Konsums bei Jugendlichen geführt. Vielmehr scheint die gesellschaftliche Normalisierung und die damit einhergehende Aufklärung eher zu einem verantwortungsbewussteren Umgang oder gar zu Desinteresse zu führen.

Für die Gesetzgeber in Berlin und Brüssel sollte dies ein Weckruf sein: Die strikte Verbotspolitik der letzten Jahrzehnte war offenbar nicht der entscheidende Faktor für den Jugendschutz. Wenn dieser Trend anhält, müssen Präventionskonzepte grundlegend neu gedacht werden – weg von der Kriminalisierung, hin zu faktenbasierter Aufklärung.

Siehe auch

Cannabis-Konsum bei US-Jugendlichen rückgängig

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