EU hat Sicherheitswert für Novel Food festgelegt
Nach einer jahrelangen Hängepartie, die die europäische Hanfbranche seit 2022 beschäftigte, gibt es nun endlich eine erste wissenschaftliche Richtschnur. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen vorläufigen Sicherheitswert für die tägliche Aufnahme von CBD (Cannabidiol) als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) publiziert.
Dieser Schritt beendet die Phase der absoluten Ungewissheit, sorgt jedoch aufgrund der strengen Limitierung für Diskussionsstoff unter Produzenten und Händlern.
Die Grenze: 2 mg für Erwachsene
In ihrer aktuellen Bewertung beziffert die EFSA den vorläufigen Sicherheitswert auf 0,0275 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Umgelegt auf das Standardmaß eines durchschnittlichen Erwachsenen mit 70 kg Körpergewicht, ergibt sich daraus eine tägliche Verzehrmenge von lediglich etwa 2 mg CBD.
Dieser extrem niedrige Wert resultiert laut EFSA aus einem vorsichtigen Sicherheitsansatz. Die Behörde begründet dies mit verbleibenden Datenlücken hinsichtlich möglicher kumulativer Effekte auf die menschliche Physiologie. Während CBD-Isolate damit formal verkehrsfähig werden könnten, stellt dieser Wert für viele bestehende Produkte eine Herausforderung dar.
Wirtschaftliche Perspektive: EIHA fordert Anpassung
Die European Industrial Hemp Association (EIHA) reagierte prompt auf die Veröffentlichung. Zwar wird die Entscheidung als Bestätigung gewertet, dass CBD grundsätzlich ein sicheres Konsumniveau besitzt, doch die festgelegte Obergrenze wird als „unverhältnismäßig konservativ“ eingestuft.
Der Verband weist darauf hin, dass die EFSA hiermit deutlich unter den Standards anderer westlicher Industrienationen bleibt:
Großbritannien (FSA): Hier gilt bereits seit längerem ein Rat von bis zu 10 mg pro Tag.
Wissenschaftliche Evidenz: Die EIHA selbst hat im Rahmen ihres Novel-Food-Konsortiums umfangreiche toxikologische Studien finanziert. Diese stützen laut Verband eine tägliche Dosis von 17,5 mg als absolut sicher für den allgemeinen Verbraucher.
Der Weg zur finalen Zulassung bis Ende 2026
Trotz der aktuellen Reibungspunkte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft markiert die Ankündigung den Beginn der finalen Zulassungsphase. Die Branche sieht nun ein Licht am Ende des Tunnels. Die EIHA-Partner arbeiten bereits daran, die von der EFSA geforderten Zusatzinformationen nachzureichen, um den Sicherheitswert in einem zweiten Schritt auf ein marktgerechtes Niveau zu heben.
Das große Ziel bleibt unverändert: Eine rechtskräftige Zulassung von CBD als Novel Food in der gesamten Europäischen Union – im Idealfall bis zum Jahresende 2026. Dies würde nicht nur den Verbraucherschutz durch geprüfte Standards erhöhen, sondern europäischen Unternehmen endlich die nötige Planungssicherheit für Investitionen im Milliardenmarkt Hanf bieten.