EKOCAN-Studie zeigt gemischte Bilanz

Mercedes.Frank
03 Apr 2026

Für die Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN) ist kürzlich der zweite Zwischenbericht erschienen. Er schließt an den ersten im September 2025 veröffentlichten Bericht an.


Der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) hat in einer Pressemitteilung zu verstehen gegeben, „dass verantwortungsvolle Regulierung und wirksamer Jugendschutz Hand in Hand gehen“.

Denn auch im zweiten Bericht von EKOCAN finden sich keine Hinweise drauf, dass der Cannabis-Konsum hierzulande angestiegen sei und die Jugend durch das Cannabis-Gesetz, das am 1.4.2024 in Kraft trat, verstärkt Gefahren ausgesetzt sei.

Stabilität mit Risiken

Allerdings geben die Daten ein differenziertes Bild: Der Cannabiskonsum bei Erwachsenen hat sich nach einem langfristigen Anstieg stabilisiert. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Tendenz sogar leicht rückläufig. Dennoch gibt es einen alarmierenden Trend: Die Prävalenz von schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit nimmt in bestimmten Gruppen zu. Experten vermuten, dass die höhere Verfügbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz den Übergang vom Gelegenheitskonsum zur Sucht bei vulnerablen Personen begünstigen könnten.

Die Krise der Suchtberatung

Ein paradoxes Ergebnis der Entkriminalisierung ist der Rückgang bei der Inanspruchnahme von Beratungsstellen. Da polizeiliche Zuweisungen an solche Stelen durch die neue Rechtslage weggefallen sind, werden viele junge Betroffene nicht mehr automatisch erreicht. Da sich viele Konsumenten zudem nicht als „süchtig“ identifizieren, bleibt der Hilfebedarf oft ungenannt.

Chaos  beim Medizinalcannabis

Besonderen Fokus legt die Studie auf die Entwicklung seit der Streichung von Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz. Die Erleichterung der ärztlichen Verordnung hat zu einem Boom geführt, der jedoch Schattenseiten hat. Über Telemedizin-Plattformen gelangen Patienten oft ohne persönlichen Arztkontakt an Rezepte. Dies schürt die Sorge vor einem „grauen Markt“ und einer Verharmlosung von Cannabis als Lifestyle-Produkt.

Nachbessern statt Rückabwicklung

Die EKOCAN-Experten raten davon ab, das Gesetz vollständig zurückzunehmen. Stattdessen fordern sie ein konsequentes „Nachadjustieren“, beispielsweise die stärkere Regulierung von Online-Angeboten für Medizinalcannabis. Aber auch den Cannabis-Anbauvereinigungen erlauben, neutral über sich zu informieren sowie das Weitergabe- und Konsumverbot in den Clubs einschließlich der restriktiven Rahmenbedingungen auf den Prüfstand zu stellen. 

Auch die Eindämmung des Schwarzmarktes lässt sich nicht feststellen. Aber um das zu erreichen, müssen die legalen Bezugsmöglichkeiten deutlich verbessert werden.

Wer den ganzen Bericht liest, wird aber auch feststellen, dass nicht wenige der Daten und Zahlen aus Umfragen stammen, die überhaupt nicht nachgeprüft werden können und von denen viele „Selbstauskünfte“ sind.  

Siehe auch

Zwischenstand der CanG-Evaluation

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