Cannabis bei Gicht: Hilfe gegen Schmerzen oder Risiko?
Gicht gilt als eine der peinigendsten Formen der Arthritis. Wenn sich Harnsäurekristalle in den Gelenken absetzen, fühlen sich betroffene Stellen oft an, als stünden sie in Flammen. Während viele Patienten in der DACH-Region (DE, AT, CH) zur Schmerzlinderung auf Medizinalcannabis setzen, zeigt ein aktueller Fall: Die Kombination mit klassischen Gicht-Medikamenten kann lebensgefährlich sein.
Wie wirkt Cannabis bei Gicht?
Die entzündungshemmenden Eigenschaften von THC und CBD sind gut dokumentiert. Über das Endocannabinoid-System (ECS) können Cannabinoide die Ausschüttung von Entzündungsmarkern reduzieren. Besonders CBD wird oft als "natürliches Antirheumatikum" geschätzt, um akute Schübe abzufedern. Doch Hanfblüten allein reichen bei einem massiven Gichtanfall oft nicht aus – und hier beginnt die Grauzone der Kreuzmedikation.
Die Colchicin-Falle: Eine unterschätzte Wechselwirkung
Wenn herkömmliche Mittel wie Diclofenac oder Kortison nicht wirken, greifen Ärzte oft zu Colchicin, dem hochwirksamen Inhaltsstoff der Herbstzeitlosen. Doch Vorsicht: Für Cannabis-Patienten kann dieser Wirkstoff zur toxischen Falle werden.
Der biochemische Hintergrund
Ein aktueller Patientenbericht beschreibt heftigste Symptome nach der gleichzeitigen Einnahme von Cannabis und Colchicin: Herzrasen, Schwindel, Kribbeln am ganzen Körper und massive Todesangst.
Die Wissenschaft liefert die Erklärung für dieses "Vergiftungsgefühl":
-Enzym-Blockade: CBD und THC hemmen das Enzym CYP3A4 sowie das Transportprotein P-Glykoprotein (P-gp).
-Akkumulation: Colchicin benötigt genau diese Proteine, um im Körper abgebaut und ausgeschieden zu werden.
-Toxizität: Durch die Blockade steigt der Colchicin-Spiegel im Blut unkontrolliert an. Da Colchicin eine extrem geringe therapeutische Breite hat (schon 7 bis 20 mg können tödlich sein), führt dies schnell zu schweren Vergiftungserscheinungen.
Sicherer Umgang für Patienten
Als Gicht-Patient und Cannabiskonsument sollte man folgende Punkte beachten:
Transparenz beim Arzt: Informiere deinen behandelnden Arzt unbedingt über deinen Cannabiskonsum, bevor Colchicin verschrieben wird.
Alternative Medikamente: In der Regel sind NSAR (wie Ibuprofen oder Diclofenac) in Kombination mit Cannabis weniger riskant, sollten aber dennoch ärztlich abgeklärt werden.
Warnsignale ernst nehmen: Treten nach einer Medikationsänderung Schwindel, Übelkeit oder Herzrhythmusstörungen auf, brich die Einnahme ab und suche sofort medizinische Hilfe.
Hanf ist kein Allheilmittel
Cannabis kann bei Gicht eine wertvolle Stütze sein, um die Lebensqualität zu verbessern. Doch die Pharmakologie ist komplex. Ohne fundiertes Wissen über Wechselwirkungen riskieren Patienten ihre Gesundheit. Bleibt informiert und hört auf euren Körper!
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