Deutschlands Cannabisindustrie in Zahlen

Mercedes.Frank
16 Jan 2026

Die legale Cannabisindustrie in Deutschland ist in vielerlei Hinsicht einer der weltweit interessantesten. Der legale Verkauf von medizinischem Cannabis in Apotheken wurde 2017 eingeführt, und der Gesetzgeber verabschiedete 2024 eine nationale Maßnahme zur Legalisierung von Cannabis für Erwachsene. Mittlerweile gibt es zahlreiche Marktdaten, die Investoren, Unternehmern und politischen Entscheidungsträgern wichtige Informationen liefern.


In den letzten Jahren hat sich der medizinische Cannabissektor in Deutschland weiterentwickelt, sodass nun klarer wird, wie viele Patienten dieser Sektor versorgt. Im Gegensatz zu den medizinischen Cannabisprogrammen auf Bundesstaatenebene in den Vereinigten Staaten, wo es in der Regel ein zentrales Register gibt, das es einfacher macht, die Anzahl der registrierten Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt zu ermitteln, ist die Patientenzahl in Deutschland schwieriger zu ermitteln. Einige medizinische Cannabispatienten erhalten Erstattungen durch das öffentliche Gesundheitssystem, während andere „Selbstzahler” sind und ihre Medikamente aus privaten Mitteln erwerben.

Zahl der medizinischen Cannabispatienten in Deutschland

Laut dem führenden internationalen Cannabis-Ökonomen Beau Whitney, Gründer von Whitney Economics, gibt es in Deutschland schätzungsweise 200.000 bis 300.000 medizinische Cannabispatienten, die nicht selbst bezahlen, und schätzungsweise 500.000 bis 600.000, die selbst bezahlen. Der Anstieg der Nutzung von Telemedizin in Deutschland in den letzten Jahren hat direkt zu einem stetigen Anstieg der Zahl der medizinischen Cannabispatienten beigetragen, die ihre Einkäufe über legale Quellen tätigen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für den verbesserten legalen Zugang zu medizinischem Cannabis in Deutschland ist die Anzahl der medizinischen Cannabis-Apotheken, die in diesem Land tätig sind. Wie in einem Newsletter des Bundesverbands Cannabiswirtschaft (BvCW) zitiert, bieten mittlerweile rund 2.500 der 17.000 registrierten Apotheken in Deutschland medizinisches Cannabis an.

Import von medizinischem Cannabis

Eine der aufschlussreichsten Datenquellen, die verdeutlicht, wie stark die medizinische Cannabisindustrie in Deutschland in den letzten Jahren gewachsen ist, betrifft den Import von medizinischem Cannabis. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht vierteljährliche Importdaten, und allein im dritten Quartal 2025 importierte Deutschland fast 57 Tonnen medizinische Cannabisprodukte.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 importierte Deutschland über 142 Tonnen medizinische Cannabisprodukte. Das ist eine sehr große Menge und ein Nachweis für das Wachstum der legalen medizinischen Cannabisindustrie in Deutschland.

Forscher des IPE-Instituts für Politikbewertung führten eine Marktanalyse durch und stellten fest, dass der Markt für medizinisches Cannabis in Deutschland, das von den Patienten selbst bezahlt wird, einen Wert von bis zu 2,9 Milliarden Euro pro Jahr haben könnte. Das ist eine massive Kostenersparnis für das öffentliche Gesundheitssystem in Deutschland.

Weitreichende Vorteile

Der Aufstieg der legalen medizinischen Cannabisindustrie in Deutschland kommt nicht nur Patienten und Branchenangehörigen zugute. Die gesamte deutsche Gesellschaft profitiert in gewissem Maße davon, unter anderem durch die höhere Produktivität der Arbeitnehmer, die sich aus weniger Krankheitstagen ergibt. Der Bundesverband der pharmazeutischen Cannabinoid-Unternehmen (BPC) schätzt den wirtschaftlichen Nutzen durch weniger Krankheitstage von Cannabispatienten in Deutschland auf mehr als 3,7 Milliarden Euro.

Wie in jedem großen Cannabismarkt ist das Potenzial des deutschen Cannabissektors für Erwachsene aus Sicht der Gesamtbevölkerung viel größer als das des medizinischen Sektors. Nach den jährlichen Schätzungen der Europäischen Arzneimittelagentur geben 17,2 % der Erwachsenen in Deutschland an, im letzten Jahr mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Darüber hinaus geben 8,4 % der deutschen Erwachsenen an, innerhalb des letzten Monats Cannabis konsumiert zu haben. Das ergibt einen Gesamtmarkt für den Konsum durch Erwachsene von mehreren Millionen Menschen.

Allerdings ist der Großteil des deutschen Marktes für Cannabis für den Freizeit-Gebrauch nach wie vor unreguliert. Das deutsche Modell für legales Freizeit-Cannabis basiert auf einer Handvoll Komponenten, die alle das Potenzial haben, dem legalen Markt des Landes zu helfen. Aber so gut wie keine dieser Komponenten ist derzeit für die Versorgung relevant, mal abgesehen vom Eigenanbau.

Deutschlands Markt für Eigenanbau

Der Eigenanbau ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Modells der legalen Beschaffung und erfreut sich bei erwachsenen Konsumenten großer Beliebtheit. Umfragedaten der Abteilung für Gartenbauökonomie der Hochschule Geisenheim ergaben, dass jeder zehnte erwachsene Cannabiskonsument in Deutschland seit der Legalisierung im April 2024 Cannabis angebaut hat. Weitere elf Prozent „könnten sich vorstellen”, dies in Zukunft zu tun.

Anbauvereine sollten ein weiterer wichtiger Bestandteil des deutschen Legalisierungsmodells sein. Nach den neuesten Daten des Bundesverbandes der Cannabis-Anbauvereine (BCAv) wurden bisher bundesweit 368 Anträge auf Gründung von Anbauvereinen genehmigt. Insgesamt wurden 806 Anträge gestellt. Es müssen noch deutlich mehr Anbauvereine genehmigt werden, damit die legale Industrie in Deutschland ausreichend mit dem unregulierten Markt konkurrieren kann.

Pilotversuche erforderlich

Ein großes Problem für die Cannabis-Industrie besteht derzeit darin, dass es noch keine genehmigten regionalen Pilotversuche für den Handel mit Cannabis für Erwachsene gibt. Dutzende von Gerichtsbarkeiten haben Anträge auf die Durchführung von Versuchen gestellt, aber bisher liegt die Zahl der Genehmigungen bei null, was sich nachteilig auf den legalen Zugang zu Cannabis und auf die erklärten Ziele der Cannabispolitik und -industrie des Landes auswirkt. In mehreren Gerichtsbarkeiten in den Niederlanden und der Schweiz laufen bereits Pilotversuche, ohne dass größere Probleme gemeldet wurden, und es bleibt zu hoffen, dass die deutsche Regierung die Genehmigungen eher früher als später zulässt. Davon ist aber derzeit leider nicht auszugehen.

Siehe auch

Europa im Fokus der Cannabisindustrie

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