Cannabis-Wurzeln: Das unterschätzte medizinische Potenzial

Mercedes.Frank
21 Jun 2026

Obwohl es fast immer nur um die Blüten und Blätter der Cannabispflanze geht, bleibt ein wesentlicher Teil meist unbeachtet: die Wurzel. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass die Cannabis-Wurzel über Jahrtausende hinweg ein geschätztes Heilmittel in der traditionellen Medizin war. Mit der fortschreitenden Legalisierung und modernen Forschung rückt das therapeutische Potenzial dieses Pflanzenteils wieder in den Fokus der Wissenschaft.


Die medizinische Verwendung von Cannabis

Wurzeln lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Im berühmten chinesischen Kräuterbuch Shennong Ben Cao Jing (ca. 2700 v. Chr.) wurde die Wurzel in getrockneter oder frisch gepresster Form zur Linderung von Schmerzen, bei Knochenbrüchen und zur Blutstillung empfohlen.

Auch im antiken Rom beschrieb der Arzt Dioskurides in seiner De Materia Medica die Anwendung von gekochten Cannabis-Wurzeln zur Behandlung von Entzündungen, Gicht und Gelenkschmerzen. Im 17. Jahrhundert empfahlen europäische Kräuterkundler wie Nicholas Culpeper Umschläge aus der Wurzel bei Verbrennungen und lokalen Entzündungen.

Chemische Zusammensetzung: Was steckt in der Wurzel?

Im Gegensatz zu den Blüten enthält die Wurzel der Cannabispflanze fast keine Cannabinoide wie THC oder CBD (meist nur in minimalen Spuren im einstelligen ppm-Bereich). Ihr medizinisches Potenzial basiert stattdessen auf einer einzigartigen Kombination anderer bioaktiver Verbindungen:

Triterpenoide: Besonders hervorzuheben sind Friedelin (oft fälschlicherweise als Fridelin bezeichnet) und Epifriedelanol. Friedelin ist in der modernen Medizin für seine stark entzündungshemmenden, fiebersenkenden und antioxidativen Eigenschaften bekannt.

Alkaloide: Die Wurzel enthält stickstoffhaltige Verbindungen wie Cannabisativin und Anhydrocannabisativin. Diesen wird eine potenzielle zytotoxische (zellhemmende) Wirkung zugeschrieben.

Phytosterole: Verbindungen wie Sitosterin und Campesterin tragen zur Gesundheit der Zellmembranen bei und weisen entzündungshemmende Eigenschaften auf.

Cholin: Ein essenzieller Nährstoff, der eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der Zellmembranstruktur und der Synthese von Neurotransmittern spielt.

Medizinisches Potenzial und aktuelle Forschung

Die moderne pharmakologische Forschung beginnt erst jetzt, die historischen Anwendungen der Cannabis-Wurzel wissenschaftlich zu validieren. Die enthaltenen Wirkstoffe zeigen in präklinischen Studien vielversprechende Ansätze in folgenden Bereichen:

1. Entzündungen und Schmerztherapie

Das Triterpenoid Friedelin hat in Laboruntersuchungen gezeigt, dass es Entzündungsprozesse im Körper signifikant hemmen kann. Topische Anwendungen (wie Salben oder Umschläge) könnten daher bei entzündlichen Hauterkrankungen, Arthritis und Gelenkschmerzen eine natürliche Alternative darstellen.

2. Onkologische Forschung (Zytotoxizität)

In ersten In-vitro-Studien (Zellkulturen) zeigten bestimmte Extrakte und Alkaloide aus der Cannabis-Wurzel eine Aktivität gegenüber bestimmten Krebszelllinien. Dies bedeutet, dass sie das Wachstum von Tumorzellen hemmen könnten. Wichtig: Diese Forschung befindet sich in einem sehr frühen Stadium und ist nicht mit einer funktionierenden Krebstherapie am Menschen gleichzusetzen.

3. Diabetes und Stoffwechsel

Einige der in der Wurzel enthaltenen Phytosterole und Antioxidantien werden im Rahmen der allgemeinen Pflanzenheilkunde auf ihre positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und den Lipidstoffwechsel untersucht. Spezifische, klinische Studien zu Cannabis-Wurzeln und Diabetes beim Menschen stehen jedoch noch aus.

Praktische Anwendung: Wie wird die Wurzel genutzt?

Da die Wurzeln nicht geraucht oder verdampft werden können, erfolgt die Nutzung primär über traditionelle Zubereitungsformen:

Topische Präparate (Salben und Balsame): Die getrocknete und pulverisierte Wurzel wird in Öle (z. B. Kokosöl) oder Fette eingekocht, um Cremes für die Hautanwendung bei Verbrennungen, Schürfwunden oder Gelenkschmerzen herzustellen.

Abkochungen (Dekokte): Die Wurzel wird über längere Zeit in Wasser gesiedet, um einen starken Tee oder Sud zu gewinnen, der für Umschläge genutzt werden kann.

Das medizinische Potential ist also vorhanden.

Sicherheitshinweis für den Eigenanbau (nach CanG): Wer im Rahmen des deutschen Konsumcannabisgesetzes (CanG) legal bis zu drei Pflanzen anbaut, sollte beachten, dass die Wurzeln Schadstoffe und Schwermetalle extrem effizient aus dem Boden filtern und speichern. Man sollte für medizinische oder topische Anwendungen der Wurzel daher ausschließlich organische Substrate und nutzen und auf synthetische Dünger oder Pestizide verzichten.

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