Gibt es eine Cannabis-Allergie?
Die Legalisierung von Cannabis in Deutschland im April 2024 hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen – ob als Konsumenten, Patienten oder Beschäftigte in Anbauvereinigungen – mit der Pflanze in Kontakt kommen. Damit rückt ein lange unterschätztes Thema in den Fokus von Medizin und Forschung: die Cannabis-Allergie. Die Wissenschaft liefert mittlerweile klare Belege dafür, dass Hanfpflanzen ernstzunehmende Allergene enthalten.
Wie äußert sich die Allergie?
Die biologischen Bestandteile der Cannabis-Pflanze können das Immunsystem triggern. Die Symptome ähneln klassischen Atemwegs- oder Kontaktallergien:
Atemwege & Augen: Häufiges Niesen, Fließschnupfen, juckende Augen, Husten und in schweren Fällen Kurzatmigkeit beim Inhalieren von Rauch oder Pflanzenstaub.
Hautreaktionen: Direkter Hautkontakt mit Blättern, Blüten oder Harzen kann zu Rötungen, starkem Juckreiz und Quaddelbildung (Nesselsucht) führen.
Systemische Reaktionen: Beim Verzehr von Edibles kann es in seltenen Fällen zu Magen-Darm-Beschwerden oder Schwellungen im Mundraum kommen.
Ursachen: Pollen und Kreuzallergien
Die Forschung identifiziert primär zwei Hauptquellen für allergische Reaktionen:
Pollen: Männliche und zwitternde Cannabis-Pflanzen produzieren feine, windbestäubte Pollen. Diese sind allergen und stellen insbesondere in Regionen mit Outdoor-Anbau ein wachsendes Risiko dar.
Spezifische Proteine: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bestimmte pflanzliche Eiweiße, wie das Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Protein (nsLTP), für Kreuzallergien verantwortlich sein können. Dieses Protein kommt auch in Obstsorten (z. B. Pfirsichen, Äpfeln) oder Nüssen vor. Wer bereits unter Lebensmittelallergien leidet, weist statistisch ein höheres Risiko auf.
Diagnose durch den Prick-Test
Um den Verdacht klinisch zu untermauern, nutzt die Allergologie etablierte Verfahren. Beim Prick-Test werden speziell aufbereitete Extrakte der Cannabis-Pflanze in Tropfenform auf die Haut aufgetragen und minimal angeritzt. Reagiert das Immunsystem mit einer Immunglobulin-E (IgE)-vermittelten Antwort, bildet sich innerhalb von 15 bis 20 Minuten eine klar abgrenzbare Quaddel.
Warum das Thema an Bedeutung gewinnt
Historisch wurden Symptome wie Husten oft fälschlicherweise auf die reine Rauchreizung geschoben. Durch die Legalisierung arbeiten heute jedoch viele Menschen in deutschen Social Clubs oder Treibhäusern. Da sie täglich hohen Konzentrationen von Pflanzenstaub und Trichomen ausgesetzt sind, treten Allergien intensiver zutage.
Weiterführende klinische Forschung wird uns demnächst sicher noch mehr zu diesem Thema sagen können.
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