Klinische Studien zu medizinischem Cannabis gegen Schmerzen angekündigt

Mercedes.Frank
18 Jun 2026

Laut Gesundheitsforschern leiden 25 % und 45 % der deutschen Bevölkerung unter chronischen Schmerzen, und diese sind einer der häufigsten Gründe für Konsultationen von Ärzten. Die European Pain Federation schätzt, dass 150 Millionen Menschen in ganz Europa unter chronischen Schmerzen leiden.


Medizinisches Cannabis wird in Deutschland und Europa zunehmend in die Schmerzbehandlungsstrategien von Patienten mit chronischen Schmerzen integriert, und viele Patienten berichten von positiven Ergebnissen mit medizinischem Cannabis. 

Kürzlich kündigte die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) neue klinische Studien an, die sich auf den Einsatz von medizinischem Cannabis zur Schmerzbehandlung konzentrieren. Medizinisches Cannabis habe sich laut DGS zu einem wirksamen Analgetikum mit einem vergleichsweise geringen Nebenwirkungsprofil entwickelt. 

Folgende klinische Studien sind geplant:

Fibromyalgie (N=225, Beginn: September 2026, Dauer: 22–26 Wochen)

Chronische Wirbelsäulen-, Rücken- und Arthrose-Schmerzen (N=1.500+, Beginn: Juni 2026)

Chronische Schmerzen (standardisiertes Inhalationssystem für Extrakte (THC: 82 %, CBD: <1 %), Studie in der Planungsphase)

„Parallel dazu arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) an der Weiterentwicklung ihrer Praxisleitlinie ‚Cannabis in der Schmerzmedizin‘, die am 20. November 2026 auf dem DGS-Innovationsforum in Kassel vorgestellt wird. Die Leitlinie ist Teil des Programms zur beruflichen Fortbildung der DGS und soll Ärzten eine Grundlage für die Verschreibung, Diagnose und Dosierung von Cannabis in der Schmerz- und Palliativmedizin bieten“, schrieb die DGS in ihrer Pressemitteilung.

Die DGS will zuverlässige Daten schaffen, damit medizinisches Cannabis in der Schmerzmedizin besser eingestuft werden kann. Mit 4.035 Mitgliedern, 16 Landesverbänden und 123 Schmerzzentren hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin ein bundesweites Netzwerk geschaffen, das die Gesundheitsforschung vorantreiben und die Qualität der Schmerzversorgung in ganz Deutschland verbessern will.

Cannabis vs Opioide

Forscher, die dem Bundesverband der pharmazeutischen Cannabinoid-Unternehmen (BPC) angehören, hatten zuvor eine Studie durchgeführt, in der die Sicherheit und Erschwinglichkeit von medizinischem Cannabis mit der von Opioiden verglichen wurde.

„Chronische Schmerzen gehören zu den größten medizinischen Herausforderungen: Für viele Betroffene ist der Weg zu einer verträglichen, wirksamen Therapie noch lang. Insbesondere bei der Behandlung mit Opioiden leiden viele Menschen mit chronischen Schmerzen unter schwerwiegenden Nebenwirkungen oder haben Angst vor einer Abhängigkeit. Neue Forschungsergebnisse des Bundesverbands der pharmazeutischen Cannabinoid-Unternehmen (BPC) zeigen nun eindeutig, dass medizinisches Cannabis eine sichere, verträgliche, wirksame und zudem wirtschaftlich tragfähige Alternative zu Opioiden darstellen kann“, heißt es in einer Pressemitteilung des BPC. 

Auch der Unterschied hinsichtlich der Sicherheit ist entscheidend: Bei Cannabis besteht kein Risiko schwerer oder tödlicher Überdosierungen, wie sie bei Opioiden auftreten können.

„Die Daten zeigen, dass Patienten, die medizinisches Cannabis anwenden, eine ebenso hohe Lebensqualität haben wie diejenigen, die Opioide einnehmen, dabei aber deutlich weniger unter Nebenwirkungen leiden“, erklärte Antonia Menzel, Vorstandsvorsitzende des BPC.

„Neben der höheren Sicherheit spricht auch die Kostenentwicklung eindeutig für Behandlungen mit medizinischem Cannabis: Eine niedrig dosierte Therapie kostet rund 37 Euro pro Monat und ist damit deutlich günstiger als eine vergleichbare niedrige Opioid-Dosis, die bereits rund 73 Euro kostet. Der gleiche Trend zeigt sich auch im mittleren Dosierungsbereich, sodass Cannabis in den Dosierungen, die zur Behandlung der meisten Patienten eingesetzt werden, die kostengünstigere Option bleibt“, fügte das BPC hinzu.

Siehe auch

Cannabis lindert chronische Schmerzen

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