Rockmusik und Drogen
Musik und Rausch sind seit jeher untrennbar miteinander verwoben. Ganze Genres wurden durch veränderte Bewusstseinszustände geprägt. Nachdem wir uns zuletzt der Verbindung von Reggae und Cannabis widmeten, blicken wir nun auf die Ära der Rockmusik, in der neben Weed auch synthetische Substanzen die Bühne betraten.
Schon beim „King“ Elvis Presley begann die gefährliche Liaison mit der Chemie. Fernab des sauberen Images konsumierte Presley massiv Amphetamine und starke Schmerzmittel wie Demerol. Sein Tod 1977 markierte das tragische Ende einer Ära des Medikamentenmissbrauchs.
In den 60er Jahren wurde Drogenkonsum schließlich zum Symbol der Gegenkultur. Den Wendepunkt für die erfolgreichste Band aller Zeiten markierte das Jahr 1964: Bob Dylan machte die Beatles mit Cannabis bekannt. „Wir hörten mit dem Trinken auf, einfach so“, erinnerte sich John Lennon später. Cannabis und LSD wirkten als Katalysatoren, die die „Pilzköpfe“ zu gesellschaftskritischen Rebellen transformierten und ihre musikalischen Schranken einrissen.
Während Bands wie Pink Floyd oder Velvet Underground den Konsum oft als Werkzeug der Selbsterfahrung oder Freiheit besangen, zeigte das „Woodstock“-Jahrzehnt auch die Schattenseiten. Ikonen wie Janis Joplin, Jimi Hendrix und Jim Morrison suchten in Drogen Zuflucht vor dem immensen Erfolgsdruck. Alle drei verstarben im Alter von nur 27 Jahren – ein tragisches Klischee des exzessiven Rock-Lifestyles war geboren.
Doch nicht jeder Exzess endete tödlich. Die Rolling Stones bewiesen erstaunliche Resilienz: Während Keith Richards jahrzehntelang als Synonym für den harten Lifestyle galt, sind die „Stones“ heute noch aktiv. Richards’ legendäre Nasenoperationen gehören dabei ebenso zur Rock-Lore wie Mick Jaggers Experimente mit LSD und Aufputschmitteln.
In den 90ern kehrte die dunkle Seite durch den Grunge zurück. Kurt Cobain wählte bewusst den „absoluten Exzess“ und wurde zum tragischen Gesicht einer Generation, die zwischen Heroinabhängigkeit und Weltschmerz schwankte.
Heute bemüht sich die Musikindustrie um ein „sauberes“ Image. Wenn moderne Rockbands wie Måneskin beim ESC unter Verdacht geraten, sorgt dies sofort für globale Schlagzeilen. Doch die Geschichte zeigt: Der Rausch war oft der Treibstoff, der die radikalsten kreativen Durchbrüche der Musikgeschichte erst ermöglichte.
Siehe auch
Reggae und Rastafari: Die Allianz von Sound und Spiritualität