Cannabis-Schwarzmarkt nicht weniger geworden
Eines der großen Ziele des Cannabis-Gesetzes, das am 1.4.2024 in Kraft trat, war die Zurückdrängung des Schwarzmarktes. Davon ist zwei Jahre später nichts zu merken.
Laut dem Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch existiert der Schwarzmarkt so wie bisher. Oder zumindest fast so. Er ist jedenfalls nicht weniger oder kleiner geworden.Denn, so Münch, „Was in deutschen Anbauvereinen sowie auf Balkonen und Fensterbänken wächst, kann den Bedarf der Konsumenten bei weitem nicht decken.“ Aber das war ja von vornherein klar.
Das strukturelle Problem
Das CanG hat den Konsum und Besitz zwar legalisiert beziehungsweise straffrei gemacht. Aber es gibt nach wie vor keine legalen Bezugsmöglichkeiten. Mal abgesehen von der viel zu geringen Anzahl der Cannabis Social Clubs.
Derzeit gibt es in Deutschland 293 Lizenzen für solche Clubs, tausende von Anträgen liegen aber noch unbearbeitet auf den Schreibtischen der Behörden.
Eine andere legale Möglichkeit ist, sich medizinisches Cannabis verschreiben zu lassen. Diese Variante nutzen seit zwei Jahren auch verstärkt Konsumenten, für die es einfach nur eine legale Möglichkeit ist, an Cannabis zu kommen. Der medizinische Bedarf ist nicht unbedingt vorhanden, aber auch gar nicht vonnöten. Denn man kann es ja online bestellen, ohne ärztliche Konsultation. Genau das möchte Gesundheitsministerin Nina Warken wieder rückgängig machen: „Wir müssen die Fehlentwicklungen und den Missbrauch beim Medizinalcannabis abstellen. Es kann nicht sein, dass Freizeitkonsum unter dem Deckmantel der Medizin ohne echte ärztliche Konsultation stattfindet. Unser Ziel ist eine Rückkehr zur persönlichen Beratung in der Apotheke, um den sprunghaften Anstieg nicht-medizinisch notwendiger Verschreibungen zu korrigieren.“
Und auch der Legale Heimanbau von drei Pflanzen kann den Bedarf in den seltensten Fällen decken. Wenn man überhaupt die Möglichkeit für den Anbau hat. Eine Garten oder Balkon haben nicht alle, vermutlich nur eine Minderheit aller Konsumenten. Ein großer Großteil der User hat also für die Versorgung ausschließlich die Möglichkeit, Cannabis auf dem Schwarzmarkt zu beziehen. So wie man es schon all die Jahre zuvor gemacht hat. Daher wird der kaum kleiner werden.
Veränderung des Schwarzmarktes
Es wird für die Polizei laut Münch auch immer schwieriger, gegen den Schwarzmarkt und deren Akteure vorzugehen. Denn seit dem 1.4.24 ist der Besitz von 25 Gramm Cannabis legal, zu Hause dürfen es 50 sein. Das macht es schwer, Strassenhändlern eine Straftat nachzuweisen.
Zudem kommt das Cannabis nicht mehr nur wie bisher aus Holland, Spanien oder Marokko nach Deutschland. Das BKA beobachtet vermehrt größere Mengen Cannabis aus den USA und Kanada – Länder, in denen Teile der Cannabis-Industrie bereits legalisiert und kommerziell organisiert sind.
Das CanG kann so wie es jetzt ist nicht bleiben. Oder eines der Ziele, nämlich der Verdrängung des Schwarzmarktes, kann und wird es nicht geben.
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