Krankenkassen und Cannabis

Mercedes.Frank
11 Sep 2022

Einige Krankenkassen wollen ihren Patienten den Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtern. Bleibt abzuwarten, ob jetzt wirklich alles besser wird. Oder ob es nur Symbolpolitik ist.


Seit einigen Jahren ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Aber das heißt noch lange nicht, dass es ausreichend zum Einsatz kommt. Denn erstens muss man erst mal einen Arzt finden, der Cannabis verschreibt. Und dann müssen ja auch noch die Krankenkassen alles genehmigen, was in sehr vielen Fällen eben nicht passiert.

Da in den letzten Monaten Cannabis ein immer größeres Thema wurde, auch aufgrund der geplanten Legalisierung für den Freizeitkonsum, beginnen auch die Krankenkassen ihren bisherigen Kurs gegenüber Cannabis zu ändern.

Zudem verklagen immer mehr Patienten ihre Versicherer, die ihre Krankheit oder Schmerzen mit Cannabis besser behandeln und lindern können als mit den verschriebenen Medikamenten. Die aber große Schwierigkeiten haben, Cannabis legal zu bekommen. Und auch unter den Ärzten gibt es immer mehr, die Cannabis in vielen Fällen für eine sinnvolle Medikation halten.

Zwei der größten Krankenkassen des Landes, die AOK und die Barmer, haben endlich Maßnahmen ergriffen, den Zugang zu medizinischem Cannabis zu erleichtern.

Nun ändert sich natürlich nicht alles über Nacht. Aber die AOK hat eine Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin vereinbart. Die DGS fördert die fachlich fundierte schmerztherapeutische Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärzten. In der vergangenen Woche hat die Gruppe in einer Online-Pressekonferenz angekündigt, dass sie eine Vereinfachung des Zulassungsverfahrens für medizinisches Cannabis fordert.

Zu diesem Zweck haben sie einen Vertrag mit der AOK Rheinland/Hamburg geschlossen, um ein neuartiges Genehmigungsverfahren einzuführen, bei dem die Ärzte und nicht die Krankenkasse oder der regionale Genehmigungsinhaber darüber entscheiden, ob ein Patient medizinisches Cannabis erhalten kann. Eine durchaus sinnvolle Maßnahme, die den Patienten schnellere Hilfe bieten soll.

Eine andere Versicherung, die Barmer, hat einige neue Websites zur Aufklärung über Cannabis veröffentlicht.

Interessanterweise werden auch Daten zitiert, die von der Association of Cannabis Supplying Pharmacies (oder VCA) gesammelt wurden, um zu zeigen, für welche Arten von Patienten und Erkrankungen Cannabis erfolgreich verschrieben wurde.

Daneben wird erklärt, wie Patienten das Medikament erhalten können; es wird auch davor gewarnt, Cannabis auf dem Schwarzmarkt zu beziehen. Und es geht um den Entzug von Cannabis.

Ob sich aber bei der Bewilligung von Anträgen etwas ändern wird, so wie es die AOK vorhat, bleibt abzuwarten.

Denn natürlich bemerken auch die Krankenkassen die wachsende Nachfrage der Patienten nach Cannabis. Diese Maßnahmen sind Reaktionen darauf. Und auch auf den sich drehenden Wind in Sachen Cannabis ganz allgemein.

Mal abgesehen von der Legalisierung des Freizeitkonsums, die auch nicht morgen kommen wird, stehen die Krankenkassen in der Pflicht ihren Mitgliedern gegenüber. Und die nicht weniger werdenden Studien und Berichte zur Wirksamkeit von Cannabis sprechen eine deutliche Sprache… die auch von den Kassen verstanden werden sollte. 

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Mercedes.Frank