Cannabis-Patienten fühlen sich hierzulande stigmatisiert

Mercedes.Frank
01 Oct 2026

In Deutschland nutzen viele Menschen legales medizinisches Cannabis zur Behandlung ihrer Erkrankungen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) gibt es in Deutschland rund 65.000 Patienten. Einem aktuellen Umfrageergebnis zufolge fühlt sich jedoch ein überwältigender Anteil von ihnen deswegen in ihrem Alltag stigmatisiert.


Umfrage zeigt deutliche Verbesserungen durch medizinisches Cannabis

MedCanOneStop (MCOS), eine in Düsseldorf ansässige digitale Infrastrukturplattform für medizinisches Cannabis, befragte 7.033 deutsche Patienten, die medizinisches Cannabis nutzen, unter anderem zur Wirksamkeit ihres therapeutischen Cannabiskonsums.

In einer Pressemitteilung schrieb MCOS, dass „70 Prozent der Patienten von einer massiven Verbesserung ihres Schlafes berichten, und fast die Hälfte ist bei der Arbeit produktiver und schmerzfrei. Über zwei Drittel der Befragten konnten dank Cannabis verschreibungspflichtige Schmerzmittel, Opiate oder Schlafmittel vollständig absetzen.“

Drei Viertel der Patienten fühlen sich stigmatisiert

„Obwohl 75 Prozent der Deutschen medizinisches Cannabis als normales verschreibungspflichtiges Medikament akzeptieren, fühlen sich fast drei Viertel der Betroffenen im Alltag immer noch stigmatisiert“, heisst es weiter. „Jeder dritte Patient verschweigt seine legale Therapie aus purer Angst vor Vorurteilen vor seinem eigenen Hausarzt; über 70 Prozent trauen sich nicht, am Arbeitsplatz offen darüber zu sprechen.“

MCOS zitierte zudem die Ergebnisse einer repräsentativen YouGov-Umfrage unter 2.084 erwachsenen Deutschen, aus der hervorging, dass 75,1 % der Befragten sich wünschen, dass medizinisches Cannabis in der deutschen Gesellschaft ähnlich wie andere verschreibungspflichtige Medikamente behandelt wird. „Rund zwei Drittel der Befragten halten den Konsum innerhalb der Familie (65 %), im Freundeskreis (69 %) oder unter Kollegen (67 %) für harmlos“, schrieb MCOS.

Stigmatisierung erhöht die Gefahren

„Unsere Daten zeigen eine eklatante Kluft zwischen der gesellschaftlichen Akzeptanz und den im Alltag vorherrschenden Vorurteilen. Die Tatsache, dass ein Drittel der Betroffenen ihre Medikation aus Angst vor dem Hausarzt verheimlicht, ist nicht nur eine Frage des Images, sondern stellt ein gefährliches Risiko für die Gesundheitsversorgung dar: Wenn der Hausarzt nichts von der Therapie weiß, sind unerkannte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eine reale Gefahr“, erklärte Cedric Lehmann, CEO und Gründer von MedCanOneStop.

„Cannabis hilft Hunderttausenden von Menschen, auf starke Schmerzmittel zu verzichten und schmerzfrei wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Es ist an der Zeit, dass diese Realität in Arztpraxen und am Arbeitsplatz anerkannt wird, ohne dass dies mit Scham oder negativen Folgen für die Patienten verbunden ist“, fügte er hinzu.

Aber solange in diesem Land über Zuzahlungen der Krankenkassen, oder eben auch nicht, hin- und her diskutiert wird, kann man davon ausgehen, dass sich die Situation nicht ändert. Angekommen ist Cannabis in der Gesellschaft erst, wenn es kein Thema mehr ist.

Siehe auch

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