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“Cannabis ist ein Geschenk, das mich gefunden hat”

Text: M-Dog / Fotos: Tyler Maddox

Als Jim Belushi vor ca. 12 Jahren zum ersten Mal in das "Rogue Valley" im US-Bundesstaat Oregon kam, ahnte er noch nicht, dass er dort bald im großen Stil hoch potentes Cannabis anbauen würde. Inzwischen hat der bekannte Hollywood-Schauspieler aber das medizinische und spirituelle Potenzial von Cannabis so richtig schätzen gelernt. Soft Secrets sprach mit Belushi. 
SS: Stimmst du der These zu, dass Alkohol – im Vergleich zu Cannabis – schädlicher für eine Gesellschaft und den einzelnen Konsumenten ist?

 Ich glaube tatsächlich, dass Alkohol eine sehr gefährliche Substanz ist. Übermäßiger Alkoholkonsum trägt zu einer Suchtbildung bei, welche zu einem Zusammenbruch von Familien führen kann. Abhängigkeit ist dabei wie eine Schlange, die sich langsam um eine Familie wickelt und sich dann immer weiter zusammenzieht, bis schließlich irgendjemand stirbt. Ob es nun einen Todesfall innerhalb einer Familie gibt oder jemand von einem besoffenen Autofahrer überfahren wird – Abhängigkeit kann auf ganz verschiedene Weise sehr gefährlich sein. Nachdem das nun gesagt ist, bekenne ich auch freimütig, dass ich zu meinen Mahlzeiten eine exzellente Flasche Bier und manchmal auch einen wunderbaren Wein genieße. Und ich glaube, dass Menschen, die verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen, lebensbejahende und großartige Menschen sind.

Wie gefährlich ist Cannabis-Konsum deiner Meinung nach?

Auch übermäßiger Cannabis-Konsum kann gefährlich sein – er hat schließlich schon zu so manchem tragischen Unfalltod auf der Autobahn beigetragen. Manchmal reicht es ja schon aus, wenn man nur einen Schritt falsch setzt – und schon liegt man auf der Nase oder fliegt irgendwo runter. Unter Cannabiseinfluss werden Entscheidungen unter kritischen Umständen oft etwas langsamer getroffen. Das sind dann vielleicht nur Sekunden – aber manchmal geht es ja genau um die. Bei einer angemessenen Verwendung von Cannabis sollte also auch auf die Sicherheit stets großen Wert gelegt werden. Doch davon einmal abgesehen sind die Heilungsfaktoren dieser Medizin natürlich enorm. Es gibt keine tödliche Überdosis von Cannabis – man schläft im Regelfall einfach irgendwann ein. Ich persönlich glaube ja vor allem an die Mikrodosierung – egal, ob es sich nun um 2,5 mg in einem Edible oder um einen einzigen Zug von einem Vaporizer oder Joint handelt.

Wann und warum hast du dich entschieden, Teil der neuen Cannabisindustrie in den USA zu werden?

 Cannabis ist ein Geschenk, das mich gefunden hat. Vor ungefähr 12 Jahren bin ich zum ersten Mal in das Rogue River Valley im Süden Oregons gekommen. Mein guter Freund John lud uns ein paarmal im Jahr auf seine Ranch am Fluss ein – und dort ist es einfach wunderschön. Ich sprang in den Fluss, in dieses eiskalte Wasser, und als ich wieder herauskam, war es fast so, als wäre ich aufgewacht: Ich musste hier draußen auch einen Platz für mich finden. Ich habe mich dann in die Gegend verliebt und 13 Morgen Land am Fluss gekauft. So habe ich mit der Zeit auch meine dortige Nachbarin sehr gut kennengelernt: Becca, eine bodenständige und überaus liebenswerte Person. Bevor sie starb, erklärte sie mir, dass sie wolle, dass ich ihre Farm nach ihrem Ableben übernehme. Also kaufte ich das Grundstück neben meinem und gewährte Beccas Witwer Charlie dort so etwas wie lebenslanges Wohnrecht. Damals wollte ich aber noch kein Cannabis-Farmer werden – eigentlich hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich da überhaupt anbauen sollte. Schnittblumen? Heu? Im selben Jahr legalisierte Oregon dann aber Cannabis für den Freizeitgebrauch Erwachsener und so beschloss ich, es einfach mal mit dem Hanfanbau zu probieren.

Wie hat sich das Cannabis-Farmerleben dann mit der Zeit entwickelt?

Wir begannen mit einem relativ kleinen Grow – gerade mal 48 Medizinalhanfpflanzen – und erweiterten uns mit der Zeit zu einem vollständig lizenzierten Betrieb mit einer Fläche von über 2.000 Quadratmetern. Letztendlich habe ich einfach nur etwas Weed angebaut – doch das brachte mich schließlich auch auf diese bemerkenswerte Reise der Freude, der Heilung und der Gemeinschaft. Auf eine Reise, auf der ich schon viele großartige Menschen kennenlernen durfte.

Also bist du inzwischen ganz und gar von Cannabis überzeugt?

Wie könnte ich nicht? Sieh dir doch die Veteranen an, die an Posttraumatischen Belastungsstörungen leiden – und wie Cannabis ihnen wieder etwas Frieden bringt, bei Schmerzen hilft und sie wieder in die Lage versetzt, sich erneut mit ihren Familien zu verbinden. Oder wie gutes Weed auch beim belanglosen Herumsitzen mit Freunden Lachen, Albernheiten und Endorphine freisetzen kann. Ich glaube aber vor allem an die Heilkraft, die uns Cannabis als Medizin bietet, um unsere Familien, Gemeinschaften und letztendlich die ganze Welt zu heilen. Auch deshalb habe ich mich dazu entschlossen, dieses schönen Stückchen Land in Oregon mit dem klaren Wasser des Rogue River zu bewässern, um hier diese kraftvolle Medizin nachhaltig anzubauen.

Deine Heimatstadt ist Chicago und von Hollywood-Stars wird oft angenommen, dass sie in Los Angeles leben – warum baust du ausgerechnet in Oregon Hanf an und nicht irgendwo im sonnigen Kalifornien?

Oregon ist nunmal der “Great State of Cannabis” – schließlich liegen Nordkalifornien und Südoregon auf den Breitengraden von Burgund und Bordeaux: Im Sommer hat es hier etwa 16 Stunden Sonne, 292 Tage im Jahr gibt es Sonnenschein und das Wasser kommt direkt aus den Bergen. Ich denke, wir können hier das biologischste, natürlichste und beste Cannabis des ganzen Landes anbauen. Ich habe es schließlich selbst erlebt – hier passt einfach alles.

Welche Cannabissorten hast du bisher auf deiner Farm kreiert und was ist das Besondere daran?

Ich habe bisher vier Markensorten entwickelt, von denen jede eine einzigartige Qualität und auch einen einzigartigen Kontext aufweist: Blues Brothers, Belushi’s Secret Stash, Captain Jack und Good Ugly Weed. Diese vier Sorten repräsentieren alle etwas anderes – aber sie alle führen zu einem befriedigenden Endergebnis. So löst die Blues Brothers zum Beispiel Musik in der Seele aus und bringt das schelmische Wesen in uns hervor – und dann kommt noch eine Mission von Gott dazu, die Heilung und die Versöhnung unserer gespaltenen Gesellschaften. Dafür ist Blues Brothers die perfekte Sorte, denn sie liefert das alles. Belushis Secret Stash wiederum entstammt sehr hochwertigen Züchtungen, die erstaunliche THC- und Terpenwerte beisteuerten. Diese Sorte wird ausschließlich auf meiner Farm angebaut und wurde von mir persönlich ausgewählt, um Entourage-Effekte höchster Qualität zu erzielen. Belushis Secret Stash stellt eine ausgewogene Kombination aus THC, CBD und aromatischen Terpenen dar. Zur dritten Sorte muss ich eine kurze Geschichte erzählen: Captain Jack hatte 1971 bis 1972 in den Kush Mountains eine einzigartige Landrassensorte entdeckt und diese in Folge über 40 Jahre lang weiterentwickelt. Ich lernte Captain Jack über Dan Aykroyd kennen – und Dan kannte ihn, weil er schon Mitte der 70er Jahre der Weed-Dealer für (die TV Show) “Saturday Night Live” war. Viele Schauspieler und Schriftsteller waren während dieser bahnbrechenden Zeit für die Comedy-Branche ein Teil von “Saturday Night Live” und verwendeten hier fast ausschließlich Captain Jacks Sorte, die schließlich nach ihm benannt wurde. Und last, but not least ist Good Ugly Weed genau das: es ist richtig gut und macht dich ordentlich high – aber es sieht einfach nicht besonders hübsch aus. Es ist einfach nur gutes Gras.

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Wir haben von einer Überproduktion von Cannabis in Nordamerika aufgrund des großen Angebots auf den mittlerweile ​​legalen Märkten gehört, was die Preise für Cannabis immer weiter sinken lässt. Trifft das zu und wirkt sich das auch auf deine Hanf-Farm aus?

 Ja, das hat unser Geschäft im letzten Jahr stark beeinflusst. Im ersten Jahr, in dem ich Cannabis angebaut habe, gab es für den Hanf-Farmer noch 1.700 Dollar pro Pfund. Mit der Flut der Anbieter sanken die Preise in Oregon dann im letzten Jahr auf 500 Dollar pro Pfund. Die Überproduktion hat letztendlich allen legalen Erzeugern sehr geschadet und wir haben eine Menge von ihnen an den nicht regulierten Schwarzmarkt verloren. Klar, die sagen sich dann “Vergiss diese Scheiße!” So hat der Schwarzmarkt in Oregon und mittlerweile auch der in Kalifornien eine erstaunliche Wiederauferstehung hingelegt. Und das, obwohl sich der Preis pro Pfund in Oregon inzwischen auch schon wieder auf 1.000 bis 1.400 Dollar pro Pfund eingependelt hat.

Wieso gibt es diese recht große Preisspanne?

Cannabis kostet nunmal nicht immer und überall das Gleiche. Es gibt hier einfach diese unterschiedlichen Preisvorstellungen – je nachdem, ob man es im Freien mit Hilfe der Sonne oder in Innenräumen unter Kunstlicht angebaut hat. Für Indoor-Gras wird aus irgendeinem Grund einen höherer Preis verlangt und gezahlt. Vermutlich, weil es nun einmal mehr kostet, drinnen zu growen. Ich persönlich bevorzuge jedoch den Outdoor-Anbau, denn hier arbeiten der Farmer, die Sonne und Mutter Erde ganz klassisch zusammen. Und der Himmel ist das Limit.

Welche Politik hast du als Vater bei deinen eigenen Kindern in Bezug auf Drogen und Cannabis praktiziert? Welche Sicherheitsregeln hast dur sie aufgestellt?

Zunächst einmal bin ich ja ein sehr nachsichtiger Mensch. Aber ich glaube auch daran, dass man das Gesetz unterstützen muss – und Alkohol- und Cannabiskonsum ist Minderjährigen aus gutem Grund nicht gestattet. Meine Kinder wissen, dass ich einer entsprechenden Verwendung erst ab einem Alter von 21 Jahren zustimme. Es gibt allerdings auch medizinische Situationen, in denen es meiner Meinung nach auch schon in jüngeren Jahren vertretbar wäre, Cannabis zu konsumieren – bei Krampfanfällen oder auch anderen ernsthaften gesundheitlichen Problemen könnte Cannabis einen großen Fortschritt bringen.

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Was sind deine Zukunftspläne als Schauspieler, Musiker und Cannabis-Farmer? Gibt es neue Projekte, von denen du uns schon etwas erzählen kannst?

 Es sind derzeit einige Kinofilme in Arbeit, über die ich noch nicht im Detail sprechen kann, da sie sich noch in einem frühen Stadium befinden, genauso wie einige Fernsehserien. Aktuell arbeite ich gerade am Schnitt meiner Reality-Show “Growing Belushi”, die sich weitgehend auf das Leben hier auf der Farm konzentriert. Derzeit prüfen wir weltweite Distributions-Optionen und ich hoffe, dass die Serie bald veröffentlicht wird und man sie dann auch in Deutschland genießen kann.

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