Von der grünen Hoffnung zum Licht…

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Die meisten kennen den US-amerikanischen Bestseller-Autor T.C. Boyle wahrscheinlich vor allem wegen seines literarischen Klassikers "Grün ist die Hoffnung". In dem bereits 1984 veröffentlichten Roman geht es um illegale Outdoor-Grower in Kalifornien, die beim Cannabis-Anbau in den Bergen eine krasse Überraschung nach der anderen erleben. Und T.C. Boyle schreibt auch heute noch Bücher über bzw. rund um populäre Drogen - sein aktuelle Werk heisst nun "Das Licht" und dreht sich um die Anfänge von LSD-Konsum in den USA. Doch wir wollten mit ihm eigentlich viel lieber über Cannabis zu sprechen. Und das taten wir schließlich auch...

Zuvor aber – für all diejenigen, denen der Name T.C. Boyle vielleicht gar nichts sagt – ein paar Informationen über den 1948 in Peekskill (New York) als Thomas John Boyle geborenen Schriftsteller, der sich in Anspielung auf einen Vorfahren mütterlicherseits schon im Alter von 17 Jahren den irischen Zweit(künstler)namen Coraghessan gab. So wurde aus Tom Coraghessan Boyle Mitte der 60er Jahre T.C. Boyle.

Boyles Weg war kein einfacher, er wuchs in schwierigen Verhältnissen auf, da seine Eltern beide Alkoholiker waren. Seinen High-School-Abschluss schaffte er dann auch nur knapp und in den letzten Jahren auf der High School handelte er sich einen zweifelhaften Ruf als Herumtreiber und Versager ein. Doch der “Versager” studierte Englisch und Geschichte und entdeckte dabei auch die Literatur und seine Vorliebe für Autoren wie Ibsen, Sartre oder Updike. Er begann erste Texte zu verfassen und nahm an Kursen für kreatives Schreiben teil. Nebenbei spielt(e) er verschiedene Instrumente (von Jazz bis Pop), worüber er auch in seinem autobiografischen Text „The Eleventh Draft“ (1999) schrieb. Nach dem Abschluss seines Studium arbeitete er vier Jahre lang als Lehrer an einer kalifornischen High School und schrieb parallel dazu seine ersten Erzählungen. Die Veröffentlichung seiner allerersten Erzählung „The OD and Hepatitis Railroad or Bust“ brachte ihm 1972 die Aufnahme in einen Schreib-Workshop der University of Iowa ein. Dort begann er erneut ein Studium und erwarb 1977 einen Doktortitel (Ph.D.) in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts. Neben seiner sich immer weiter entwickelnden schriftstellerischen Tätigkeit lehrt Boyle seit 1978 auch Englisch an der University of Southern California – seit 1986 sogar als ordentlicher Professor. Seine mittlerweile über hundert Erzählungen und Kurzgeschichten erscheinen regelmäßig in wichtigen amerikanischen Zeitschriften, seine 16 bisherigen Romane wurden und werden in viele Sprachen übersetzt und erscheinen (fast) weltweit.

„Literatur kann in jeder Hinsicht großartig sein – und doch ist sie nur Unterhaltung…“ erklärte T.C. Boyle einmal sein schriftstellerisches Credo. Über die komischen Elemente in seinen Werken erklärte er: „Comedy ist meine Art, mit Tragik und Verzweiflung umzugehen.“

Auch sein aktueller Roman ist wieder unterhaltsam und witzig. Und „Das Licht“ war dann auch der Anlass für das folgende Interview mit dem weltweit bekannten Schriftsteller. Natürlich mussten wir erstmal etwas über sein neues Werk abfragen, bevor wir schließlich zu unseren Fragen in Sachen Cannabis kommen konnten.

Warum haben Sie LSD und Dr. Timothy Leary als Hauptthemen Ihres neuen Romans gewählt?

Da muss ich kurz etwa ausholen: 2003 veröffentlichte ich mit “Drop City” meinen in den späten 60er Jahren angesiedelten Roman, der sich mit den Hippies und der “Back-To-The-Earth”-Bewegung jener Zeit beschäftigt. Das Buch beginnt damit, dass ein Typ namens Star – einer der Protagonisten der Handlung – einen LSD-Trip einwirft. Das war fast so was wie ein Tatsachenbericht aus meiner eigenen Jugend, denn die zeitliche Epoche, die ich in “Drop City” rückblickend beschreibe, habe ich ja selbst aktiv miterlebt. Mit “Das Licht” bin ich nun noch ein paar Jahre weiter in der Zeit zurückgegangen – also etwas vor meine Zeit – in den relativ engen Zeitabschnitt zwischen 1962 und 1963, um die Ursprünge der Acid-Revolution und die Eigenschaften von LSD, Meskalin und Peyote als Entheogene literarisch zu erforschen und damit auch so wesentliche Fragen zu beantworten wie: Können diese Stoffe einen dazu bringen, Gott zu erkennen? Und gibt es überhaupt einen Gott oder sind das doch alles nur chemische Prozesse, die in unseren Gehirnen ablaufen?

Dabei bleibt die radikale politische Dimension von Timothy Leary in Ihrem Roman ja weitgehend verborgen – war das eigentlich Ihre bewusste Entscheidung?

Natürlich war Timothy Learys Leben faszinierend und endlos dramatisch, aber in “Das Licht” habe ich mich tatsächlich ganz bewusst nur für seine frühen Entdeckungen psychedelischer Erfahrungen interessiert und dafür, wie er diese dann gegenüber seinen Mitmenschen missionarisch propagierte. Leary ist ja auch gar nicht der zentrale Charakter meines Romans, sondern eher derjenige, der die Dinge – und damit die Handlung – in Bewegung versetzt.

In Ihrem Roman flippt Timothy Leary ja mehrmals regelrecht aus, wenn seine Studenten Cannabis rauchen, da dieses – im Gegensatz zu LSD – zu jener Zeit bereits verboten war. Haben Sie das so mit eingearbeitet, um auf die absolute Willkür von menschengemachten Drogenverboten hinzuweisen?

Ich fand jedenfalls die Ironie dieser geschichtlichen Tatsache besonders delikat und damit unbedingt erwähnenswert. Und mein Roman basiert dabei ja auf unbestrittenen Tatsachen – tatsächlich versuchte Leary in den Anfangsjahren seinen Studenten das Rauchen von Cannabis auf dem Campus der Universität auszureden, um die Gefahr zu reduzieren, dass die Polizei deshalb auf das Uni-Gelände kommt und Studenten verhaftet. Anfang der 60er Jahre war LSD ja noch relativ unbekannt und so war es den nationalen Drogen-Verfolgungs-Behörden der USA bis dato noch gar nicht aufgefallen. Und Leary wollte natürlich, dass das auch so bleibt. Also ja – dieses Detail soll die von Menschen entwickelte Willkür unserer Drogengesetzgebung verdeutlichen.

In einer Passage Ihres Romans lassen Sie Timothy Leary sagen, dass Cannabis im Prinzip fast das Gleiche wie das “Sakrament” (LSD) ist. Denken Sie selbst auch, dass Cannabis eine Art “kleiner Bruder” von LSD ist?

Offen gesagt weiß ich das gar nicht. Aber beide Substanzen können Visionen hervorbringen und beide bringen uns ein mehr oder weniger erweitertes Bewusstsein. Ob nun kleiner Bruder oder großer Bruder: Cannabis und LSD können uns beide entspannen und trösten. Das gilt aber für so ziemlich jede Droge – einschließlich Alkohol.

Ihr neuer Roman konzentriert sich ja auf LSD als spirituelles Medikament, das zur persönlichen Selbstverwirklichung beitragen soll. Heutzutage sind dagegen viele Menschen für eine Legalisierung von Drogen, um damit einfach nur die menschliche Leistungsfähigkeit weiter verbessern zu können. Ist das vielleicht der Hauptunterschied zwischen den 60ern und heute?

Ich setze mich nun schon seit vielen Jahren für eine Legalisierung von allen illegalen Drogen ein, denn in einer echten Demokratie muss die Regierung nicht unsere Mama oder unseren Papa spielen. Außerdem wäre eine Legalisierung aller Drogen auch ein guter Weg, um die wirklich bösen Jungs nachhaltig aus diesem Geschäft zu verdrängen – so zum Beispiel die sogenannten „Narco-Traficantes”, die das heutige Mexiko destabilisieren.

Wann hast du deine ersten persönlichen Erfahrungen mit Cannabis und LSD gesammelt und hast du auch andere Drogen ausprobiert?

Mit siebzehn habe ich das erste Mal Cannabis konsumiert, mit einundzwanzig zum ersten Mal LSD genommen. Ende der 60er Jahre lebte ich in New York – wo ich nun mal aufwuchs – ganz zwangsläufig ein kleiner Teil der dort vorherrschenden Drogen- und Musikkultur. Auch ich habe damals gerne jede mir zur Verfügung gestellte Droge ausprobiert, weil wir das damals eben so gemacht haben. Und warum auch nicht? Wir waren unsterblich und wir wussten bzw. verstanden alles – die Narren waren ganz klar diejenigen, die uns regierten und ungerechte Gesetze machten. Meine allererste veröffentlichte Geschichte, “The OD and Hepatitis Railroad or Bust”, drehte sich folglich um die Droge Heroin. Meine spätere Geschichte, “Back in the Eocene”, ist dagegen eine Reflexion über meine ganz verschiedenen Drogenkonsum-Erfahrungen und ihre jeweilige Bedeutung für mich. Diese Geschichte sagt übrigens mehr über all diese Themen aus, als wir hier in diesem Rahmen besprechen könnten. Denn dazu würden wahrscheinlich keine 20 Interviews ausreichen…

Was halten Sie von der Cannabis-Legalisierung in einigen Bundesstaaten der USA?

Ich lebe ja selbst in einem Bundesstaat – im schönen Kalifornien – in dem Cannabis für den persönlichen Freizeitgebrauch inzwischen weitgehend legal ist. Das ist auch gut so und schon mal ein Anfang. Aber wie gesagt: Ich bin auch schon lange für eine Legalisierung von allen bislang verbotenen Drogen, nicht nur von Cannabis, da der Staat mündigen Bürgern einfach keine Vorschriften machen sollte und auch nicht zu entscheiden hat, welche Drogen seine Bürger konsumieren dürfen und welche nicht. Letztendlich unterstützt diese staatliche Verbotspolitik nur die kriminelle Drogenmafia.

Also sollte es am besten gleich eine weltweite Legalisierung von Cannabis und allen anderen Drogen geben?

Ja – und ein paar gute Gründe dafür habe ich ja bereits genannt.

Okay, dann noch ein kurzer Themenwechsel: Rauchen Sie persönlich auch heute noch gerne Cannabis?

Ja, ich rauche immer noch ganz gerne etwas Weed – am liebsten Sorten, die einen verträumt und sexy machen und die Musik so viel besser klingen lassen.

Letzte Frage: Was raten Sie eigentlich jungen Menschen? Sollten sie ruhig Drogen ausprobieren und ihre Grenzen austesten oder besser sehr vorsichtig bei derartigen Experimenten sein?

Ich habe eigentlich gar keinen Rat für irgendjemanden – ganz egal, ob nun jung oder alt. Schließlich leben wir alle unser Leben auf die von uns bevorzugte Weise. Und unser aller Leben endet – ganz egal, was wir auch tun – letztendlich auf die gleiche Weise. Der Tod ist uns ja leider allen sicher – aber bis dahin haben wir noch etwas Urlaub vom Tod und da sollte uns wirklich keiner reinreden.

Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen und ihrer Familie alles Gute für die Zukunft!

BRAUCHEN SIE HILFE BEI EINEM DROGENBEZOGENEN PROBLEM? WENDEN SIE SICH SO SCHNELL WIE MÖGLICH AN IHRE ÖRTLICHE UNTERSTÜTZUNGSSTELLE. BEI UNMITTELBAR LEBENSBEDROHLICHEN UMSTÄNDEN SOFORT DEN NOTRUF WÄHLEN!

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