„100.000 Euro im Monat sind normal"

Soft Secrets
19 Oct 2013

Längst kommt gutes Gras nicht mehr nur aus Holland - auch in Deutschland wird immer mehr hochqualitative Ware produziert und unter die Rauchwilligen gebracht. Wir trafen einen überaus ambitionierten Grower, der nun schon seit vielen Jahren allein von seinem grünen Daumen lebt - und das wahrlich nicht schlecht.


Längst kommt gutes Gras nicht mehr nur aus Holland - auch in Deutschland wird immer mehr hochqualitative Ware produziert und unter die Rauchwilligen gebracht. Wir trafen einen überaus ambitionierten Grower, der nun schon seit vielen Jahren allein von seinem grünen Daumen lebt - und das wahrlich nicht schlecht.

Längst kommt gutes Gras nicht mehr nur aus Holland – auch in Deutschland wird immer mehr hochqualitative Ware produziert und unter die Rauchwilligen gebracht. Wir trafen einen überaus ambitionierten Grower, der nun schon seit vielen Jahren allein von seinem grünen Daumen lebt – und das wahrlich nicht schlecht.

SSDE: Wie und wann hast du begonnen mit Hanf zu handeln und ihn selbst anzubauen?

Angefangen hatte es damit, dass alle was zu kiffen wollten aber nichts da war - also bin ich selbst nach Holland gefahren und habe zunächst ein halbes Kilo besorgt. Beim nächsten Mal waren es dann zwei und so steigerte es sich immer weiter. Schließlich dachte ich darüber nach, es selber hier in Berlin wachsen zu lassen.

Hast du dann erst Erfahrungen mit kleineren Grow-Anlagen gesammelt oder gleich im großen Stil begonnen?

Das ging tatsächlich gleich im großen Stil los - anders hätte das ökonomisch keinen Sinn für mich gemacht. Es mag ja möglich sein, den Anbau einer Pflanze problemlos auf zehn Pflanzen zu erweitern, aber von einer kleinen Grow-Anlage auf etliche Meter Fließtische zu wechseln wäre schon ein gewaltiger Unterschied. Was bei kleinen Anlagen noch ein PC-Lüfter schafft, mussten bei uns mehrere Industrielüfter übernehmen. Ich habe mir eine ganze Menge Fachwissen aneignen müssen, bevor nach einem guten halben Jahr die erste Anlage fertig war. Doch dann ging es richtig los und schließlich war ich fast Marktführer in Berlin – und da begann dann auch der Rubel zu rollen. 

Was bringen denn deine verschiedenen Grow-Räume an Ertrag?

Wenn alles glatt läuft kommen dabei gute 30 Kilo im Monat heraus. Das bedeutet natürlich auch eine ganze Menge Arbeit, denn jedes geerntete Kilo Grass verlangt nach etwa einer Arbeitskraft. Alleine würde ich das alles gar nicht schaffen.

Wie findet man denn so viele Helfer für so was?

Da gehört natürlich sehr viel menschliches Gespür und Vertrauen dazu, denn wenn ich neue Leute in das Allerheiligste - meine Grow-Räume - lasse, dann zeige ich ihnen damit ja auch, wo mein Geld wächst. 

Leider ist der Neid noch immer eine große Triebfeder für viele Menschen - so erklärte ich mir auch den Einbruch in einem meiner Räume zur Erntezeit. Das kam zum Glück nur ein einziges Mal vor und es gab auch keinerlei Stress mit Bullen - doch das ganze Grass war weg. Danach habe ich diesen Raum sofort aufgegeben.  

Wie findest du neue geeigneten Grow-Räumlichkeiten?

Indem ich stets danach Ausschau halte. Wenn ich mit dem Auto im Berliner Umland unterwegs bin, sehe ich mir z. B. jedes Objekt an, dass einen Schornstein hat und nicht mehr genutzt wird - was meistens daran zu erkennen ist, dass die Fenster komplett zugenagelt sind. Wenn ich so ein Objekt entdecke, dass auch noch schön abseits gelegen ist und idealerweise noch eine Umspannstation auf dem Gelände hat, dann weiß ich, dass ich zuschlagen muss. Ein blickdichtes, abgelegenes Gebäude mit Strom- und Wasseranschluss ist genau das Richtige und zum Glück gibt es wirklich genug brachliegendes Industriegelände im Berliner Umland. Das wird dann angemietet, eingezäunt und schon kann man loslegen. Natürlich muss man dem Vermieter plausibel erklären, was man dort macht. Ich bin dann meist der ehemalige Hacker, der sich inzwischen zum Betreiber eines Server-Parks gemausert hat und nun einen preiswerten und sicheren Raum für all seine tollen Computerserver sucht. Außerdem habe ich noch eine Transportfirma, die das Gelände dann ganz offiziell als Warenumschlagplatz nutzt. Nur für den Fall, dass sich der Vermieter über den ganzen Verkehr wundern sollte. Doch meistens wollen die Vermieter sowieso gar nichts weiter wissen, sondern nur eins: pünktlich ihre Miete kassieren. 

Das klingt nach einem florierenden mittelständischen Unternehmen – wie viele Leute beschäftigst du denn mittlerweile?

Das schwankt natürlich, ist aber schon eine ganze Menge. In den Bereichen Stecklingszucht und Mutterpflanzenpflege habe ich sogar ein paar „Festangestellte“, der Rest sind „Saisonkräfte“, die ich dann koordiniere und kontrolliere. Manchmal müssen beim Anbau an einem Tag über 1000 Stecklinge gesetzt werden, damit die nächste Generation planmäßig und zeitgleich an den Start gehen kann. Immerhin wachsen die Pflanzen ganz alleine, wenn man für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgt. Bei einem Ertrag von durchschnittlich 25 Gramm pro Pflanze kannst du dir sicher vorstellen, wie viel Hilfe bei der Ernte gebraucht wird, denn die muss innerhalb eines Tages erfolgen, damit gleich die nächste Generation in Blüte geschickt werden kann. Nach meinen Erfahrungen kann eine Person pro Tag maximal 4 Kilo Grass ernten. Das ist dann aber noch feucht und reduziert sich nach dem Trocknen auf etwa ein Kilo. Wenn man dann noch meine Abnehmer und Zulieferer mitrechnet, kommt man locker auf über fünfzig Leute, die da irgendwie jeden Monat mal mitarbeiten.

Hast du da nicht auch mal Angst vor Spitzeln, wenn du z. B. für die Ernte auch einige dir unbekannte Leute als Erntehelfer in deinen Grow-Raum bringst?

Anfangs war ich da wirklich extrem vorsichtig. Da habe ich die Erntehelfer hinten in meinen Kleintransporter geladen, so dass sie nicht sehen konnten, wohin wir fahren. Außerdem mussten alle ihre Handys und sonstigen elektronischen Geräte abgeben, die durften zur Ernte gar nicht erst mitgenommen werden. Inzwischen habe ich aber sechs Leute, die sich um Erntehelfer und auch um die Sicherheit kümmern. Natürlich ist das nach wie vor eine heikle Sache, denn ganz auszuschließen ist es ja nicht, dass da auch mal ein Zivi-Cop irgendetwas mitkriegt. Daher wissen die meisten Erntehelfer inzwischen auch gar nicht mehr, wer eigentlich der Mann im Hintergrund ist. 

Welche Sorten hast du angebaut und gibt es da eine, die du besonders empfehlen würdest?

Ich habe so ziemlich alles ausprobiert und mittlerweile auch mit eigenen Kreuzungen herumexperimentiert. Für den Anfang lohnt es sich in jedem Fall auf holländische Stecklinge zu setzen. Meine bevorzugten Sorten sind K2 und Skunk11, denn die eignen sich gut für die Massenproduktion. Ich selbst habe mit Skunk11 angefangen, das ist eine recht anspruchslose Pflanze mit gutem Ertrag. Einziger Nachteil: die Sorte wird ganz schön groß, weshalb man dafür recht hohe Räume braucht. Das darf man nicht unterschätzen. Bei einer Pflanzenhöhe von ca. 1,20 Meter muss die Raumhöhe schon mindesten drei Meter betragen, damit alles genug Platz und den optimalen Abstand hat. Meine persönliche Lieblingssorte ist jedoch K2 - kein anderes Grass hat mich so überzeugend umgehauen. 

Wie viel Kohle machst du damit im Monat?

Monatlich verticke ich derzeit etwa 30 Kilo pro Kilo nehme ich so um die 3.500 Euro von meinem Großhändler. Halbe Kilos verticke ich nur in Ausnahmefällen und dann für 2500 Euro, um meinem Großhändler nicht die Preise zu versauen. Aber so 100.000 Euro Umsatz pro Monat sind eigentlich normal - davon müssen aber auch noch all die Helfer bezahlt werden und auch die Investitionen in die Grow-Anlage mussten ja irgendwie abgezahlt werden. Aber ich will mich gar nicht beschweren - ich verdiene schon sehr gut damit.  

Was machst du mit dem ganzen Geld? Du kannst es ja nicht einfach zur Bank bringen und behaupten, du hättest im Lotto gewonnen, oder?

Richtig, denn hohe Lottogewinne werden ja leider nicht bar ausgezahlt. Aber wenn man ein paar Scheinfirmen betreibt, kann man darüber auch offizielles Geld verdienen. Zumindest mache ich das so. Und von dem großen Schwarzgeldbatzen, der trotzdem übrig bleibt, habe ich unter der Hand auch schon mehrere Tausend Euro an Berliner Vereine gespendet, die sich für eine vollständige Legalisierung von Hanf einsetzen.

Du unterstützt also den Kampf für die Legalisierung obwohl eine Legalisierung deinem Geschäft wohl eher schaden würde. Wie kommt das? 

Ich sehe mich in erster Linie als einen zu unrecht Kriminalisierten, der wirklich gerne zwei Euro pro Gramm weniger verdienen und davon ganz legal Steuern zahlen würde. Insofern bin ich für eine Legalisierung von rauchbarem Hanf, auch wenn viele denken, dass ich dann arbeitslos wäre, weil z. B. die internationalen Tabakfirmen den großen Reibach mit der neuen Rauchkräutermischung machen würden. Das kann man so sehen, ich sehe es aber anders. 10 Jahre lang habe ich bisher schon Erfahrungen gesammelt, also wäre ich nach der Legalisierung sofort in der Lage, hochqualitatives Rauchmaterial zu liefern, was „Cannabis-Gourmets“ sicherlich ansprechen würde. Schließlich wächst der Markt für einheimische Bio-Produkte nach wie vor - außerdem habe ich einfach kein Bock darauf, ständig mit einem Bein im Knast zu stehen, weil ich gerne Hanf anpflanze.

Hast du denn schon mal für Hanf eingesessen oder deshalb Stress mit der Polizei gehabt?

Ja, allerdings nur kurz, da man mir nie was nachweisen konnte. Einmal war ich mit meinem Auto in eine Kontrolle geraten und wurde gleich mitgenommen. Denn in meinem Auto wurden 37 Gramm Grass, 7 Gramm Koks, 21 Handys, 19 Autoschlüssel, eine Geldzählmaschine und fast 20.000 Euro Bargeld in kleinen Scheinen gefunden. Das muss man der Polizei dann erklären können. Konnte ich nicht, also hielt ich die Klappe. Mein Anwalt konnte das dann irgendwie erklären und so war ich nach ein paar Tagen wieder frei. Hätten sie die Autos zu den Schlüsseln alle gefunden, wäre ich heute noch drin, denn fünf der Autos waren randvoll mit Gras. Da wir jedoch immer die Nummernschilder sämtlicher genutzter Mietwagen austauschen und auch die Kennzeichen von den Schlüsseln entfernen, konnten die Autos so schnell gar nicht zugeordnet werden. Hier half also auch die Vorsicht. 

Wie hast du versucht, dich und deine Leute vor der Strafverfolgung zu schützen?

Indem wir zum Beispiel für den Gras-Transport nur Mietwagen benutzen, deren Nummernschilder ausgetauscht sind. Außerdem verfallen wir nicht in Routine, was Grow-Räume, Transportwege, Übergabeformen und Kommunikation betrifft. Immer wieder Orte und Ablauf zu ändern trägt viel zur allgemeinen Sicherheit bei. Wir haben uns da einiges ausgedacht, wie z. B. die  Taxi-Übergabe. Die Lieferung erfolgt in einer Tasche, die ein fast ebenso großes Päckchen enthält, welches im Taxi hinter dem Fahrer deponiert wird, ohne dass dieser es mitkriegt. Man hält an einem vereinbarten Platz und steigt aus. Dort steigt vermeintlich zufällig der Kunde ins Taxi, auch mit einer Tasche, groß genug für die Lieferung. Sein Handy klingelt und der Anruf zwingt ihn scheinbar, im Rücken des Fahrers in seiner Tasche zu kramen, wobei er das Päckchen einsackt. Hat bisher immer geklappt. Händler und Käufer können so nicht direkt in Verbindung gebracht werden und haben vor und nach dem Taxi-Trip die gleich Tasche. Das ist jetzt natürlich nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, dass wir uns immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um nicht in ein bestimmtes Routine-Schema zu verfallen und dann möglicherweise erwischt zu werden. Auch aus Sicherheitsgründen haben z. B. alle Großkunden von mir ein Handy erhalten, dass nur ich anrufen kann und dass für alle anderen Anrufe gesperrt ist. Die wissen genau, wann sie es anmachen müssen, dann kriegen sie per SMS lediglich eine Zeitangabe. Der Ort ist dann schon bekannt, das wird auf einer anderen Ebene kommuniziert. Da kannst du dir schon sicher sein - an Sicherheitsvorkehrungen für meine Leute und mich habe ich nie gespart - wahrscheinlich bin ich nur deshalb noch draußen.

 Wie siehst du deine Zukunft als Hanfgärtner?

Ich mache das Ganze vielleicht noch zwei oder drei Jahre, dann will ich raus aus der kriminellen Ecke und ein möglichst normales Familienleben führen. Doch das ist bei dem Job derzeit leider völlig unmöglich. Am glücklichsten bin ich daher immer, wenn eine Ernte durch und das Grass verkauft ist, denn dann gibt’s so gut wie keine Beweise gegen mich, was mich dann immer besonders ruhig schlafen lässt. Dann habe ich genug Geld, um meiner Familie etwas zu bieten und keinerlei Risiko, durch irgendeinen dummen Zufall aufzufliegen. Dabei empfinde ich aber nach wie vor den illegalen Markt als einzige Chance für „den kleinen Mann“ etwas Kohle zu machen. Auf allen legalen Märkten wird heute bereits viel zu viel verdrängt. Und wie heißt es doch so schön: Hinter jedem großen Vermögen steckt ein Verbrechen. Ob sich das in Zukunft ändern wird? Ich fürchte nicht. Mein Verbrechen ist ja nur, ein sinnloses Gesetz nicht zu befolgen. Für die ferne Zukunft hoffe ich, dass mir neue politische Ansätze bei der Zulassung von Medizinalhanf ermöglichen werden, ganz offiziell für Kranke anzubauen. Die werden dann mein K2 z. B. in Keksform gegen Schlafstörungen oder Muskelkrämpfe nehmen und die Bullen können mir gar nichts. Das ist mein ganz großer Traum, den ich hoffentlich noch erleben werde.
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