Russisch Roulette mit synthetischen Cannabinoiden

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Gefährliche Substanzen auf Nutzhanf

„Das in Deutschland verkaufte Gras, meistens als Haze bezeichnet, ist meiner Erfahrung nach zu 90 Prozent mit synthetischen Cannabinoiden gestreckt“, so ein anonymisierter Dealer im Interview mit Vice im Artikel „Chemisch gestrecktes Cannabis: So groß ist das Problem in Deutschland“ vom 13. Januar 2021.

Inwieweit diese Schätzung der Realität nahekommt, lässt sich hier nicht klären. Fakt bleibt, dass immer wieder Medienberichte über diese Neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) berichten. Viele erinnern sich noch an Spice, welches plötzlich aufkam und im Januar 2009 verboten wurde – eine Kräutermischung, die ähnlich wie Cannabis wirkt. Damals waren die aufgesprühten synthetischen Cannabinoide höchstens nach Apothekergesetz strafbar, aber nicht nach BtMG. Konsumenten waren juristisch auf der sicheren Seite, bis das sogenannte Stoffgruppenverbot (Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz – NpSG) im November 2016 in Kraft trat.

Vorher musste jede Substanz erst analysiert und dann ins BtMG eingetragen werden. Nun sind alle synthetischen Cannabinoide verboten, solange sie nicht als Einzelsubstanz aus dem Stoffgruppenverbot ausgenommen werden. Weswegen sprühen Geschäftemacher immer noch synthetische Cannabinoide auf ihre Kräutermischungen, auf Nutzhanfblüten oder mittelmäßige Marijuanablüten?

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Die Polizei prüft routinemäßig auf den THC-Gehalt, nicht aber auf synthetische Cannabinoide. Selbst wenn diese als Stoffgruppe verboten sind, gibt es ständig neue chemische Verbindungen und die alten Tests schlagen nicht immer an. Genauso prüft die Verkehrskontrolle auf THC und andere gängige Drogen, kann aber nicht alle synthetischen Cannabinoide feststellen.

Der nächste „Vorteil“ synthetischer Cannabinoide liegt im unauffälligen Transport. Die chemischen Verbindungen sind bis zu 300 Mal stärker als THC – so die Medienberichte. Es sind zumindest sehr potente und unauffällige Chemikalien. Vor Ort werden die legalen Kräuter oder Nutzhanfblüten besprüht, schon ist die Kräutermischung oder das „Marijuana“ fertig für den Verkauf.

Synthetische Cannabinoide sind zigmal oder hundertfach „stärker“ als THC. Werden diese in irgendwelchen Garagen auf Kräuter oder Nutzhanfblüten gesprüht, wird die Dosierung zum Russisch Roulette. Bei granulierten Kräutern wäre es noch möglich, die Lösung gut verteilt aufzutragen. Bei dicken Blüten haftet der Sprühnebel außen an. Auch ansonsten kann es passieren, dass irgendwo ein dicker Tropfen entsteht oder sich NPS-Staub am Boden sammelt und der letzte die volle Ladung erhält.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass der betroffene Konsument erst einmal Pause hat – es gibt eine tödliche Überdosis, außerdem können diese Substanzen stark auf die Psyche gehen. Wenn Politiker und Psychiater von dieser „Kiffer-Psychose“ oder ähnlichem berichten – wie häufig geht diese in Wirklichkeit auf chemische Substanzen aus dem Chemie-Labor zurück? Vermutlich fast immer und wer erst einmal krank ist, verträgt auch echtes THC nicht mehr.

Psychoaktive Wirkstoffe docken an den Rezeptoren zwischen zwei Nervenzellen im synaptischen Spalt an. Hier aktivieren oder blockieren sie die Rezeptoren, die ansonsten auf Botenstoffe reagieren.

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Schmerzmittel blockieren Rezeptoren und hemmen dadurch den Transport die Schmerzinformation. Diese und weitere Wirkstoffe stimulieren häufig das Glücksempfinden. Sie geben den Impuls zur Freisetzung von Dopamin, Serotonin, Endorphin oder anderen „Glückshormonen“. Genau dadurch können diese Substanzen den Menschen psychisch abhängig machen. Die physische Sucht entsteht durch den Dauerkonsum, der die Körperzellen an den Stoff gewöhnt. Bleibt dieser aus, setzen biochemische Prozesse und damit der körperliche Entzug ein. 

Einige Wirkstoffe binden nur ganz schwach oder kurz an den Rezeptoren, andere blockieren diese viel länger. Der Wirkstoff wirkt also länger und stärker – synthetische Cannabinoide besetzen die Rezeptoren, richtiges THC oder Botenstoffe können nicht ansetzen. Es entstehen ganz andere Reaktionen im Organismus, im Bewusstsein und auch im Unterbewusstsein.

Empfindliche oder überdosierte Konsumenten stehen regelmäßig in der Zeitung, da sie nach dem NPS-Konsum auf eine medizinische oder psychiatrische Behandlung angewiesen sind. Gerade mit einer zu hoch gegriffenen Dosis NPS sind erst recht bleibende Schäden zu befürchten. Demnach berichtete ein Häftling davon, dass sie nur „Spice“ hätten. Die Dauerkonsumenten werden alle sehr merkwürdig. Auch andere berichten davon, wie sich NPS-Dauerkonsumenten mit der Zeit zu ihrem Nachteil verändern.

Keiner sieht seinem Marijuana an, ob es synthetische Cannabinoide enthält. Diese sind als Wirkstoff auch kein Streckstoff. Ein Drogentest für synthetische Cannabinoide würde auch nur den bereits bekannten Teil der Verbindungen anzeigen. Der Schwarzmarkt wird zum Russisch Roulette. Dealer wissen häufig selber nicht, welche Qualität ihr Marijuana in Wirklichkeit hat, und auch Haschisch kann kontaminiert sein. Demnach gab es sogar den Streckstoff und das synthetische Cannabinoid mit Anleitung im Handel, jeder konnte sich sein eigenes „Haschisch“ backen.

Fehlen einem die seriösen Kontakte, bleibt einem noch Homegrowing. Das belastet leider auch die Psyche, wenn es an der Türe klingelt. Besser wäre, wenn keiner vom Hobby weiß und es sich wirklich nur um den Eigenanbau mit einer Lampe handelt.

Text: Robert Brungert

 

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