Feine Fasern für Textilgewebe

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Zweitfrucht Winterhanf

Hanf ist die wohl vielfältigste Nutzpflanze überhaupt: Futtermittel, Nahrung, Baustoffe, Energiepflanze, Zellulose, Textilfasern, Biomasse für Kunst- und Verbundstoffe, Medizin oder das Genussmittel für den entspannten Abend. Damit war und ist der Hanf ein Konkurrent für viele andere Produkte, die sich patentieren lassen. Hanf als Pflanze lässt sich nicht patentieren, jeder könnte in das Geschäft einsteigen – und ab 1996 ist der Anbau von THC-armen Hanfsorten aus dem EU-Sortenkatalog in Deutschland wieder erlaubt.

Auch Landwirt Joachim Klack aus Versmold gehört zu den Pionieren, die seit 1996 Hanf anbauen. Er erklärt im Telefongespräch, dass der Hanf leider noch immer nicht gewollt ist und sich bislang nicht richtig durchsetzen kann. Es kommt auf die Weiterverarbeitung an und an dieser sind bereits viele Hanfpioniere gescheitert. In der Umgebung von Bielefeld sollte eine Aufbereitungsanlage für Nutzhanf entstehen. Leider gelang die Finanzierung nicht, weswegen die Hauptfrucht Hanf kein Geld einbrachte.

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Grobe Fasern, grobes Hanfgarn

 

Ab 2005 baut Joachim Klack seinen Hanf als Zweitfrucht an. Geplant war, diesen Hanf als Ersatz für Holz in die Produktion von Spanplatten einzubringen. Doch leider folgte der Orkan „Kyrill“ im Januar 2007. Damit war das knappe Holz im Übermaß vorhanden, wieder brachte der Nutzhanf kein Geld ein.

Es war vielleicht der Zufall, mit dem Joachim Klack feststellte, dass sein Winterhanf sehr feine Fasern bildet, die sich leicht aus dem Stängel heraustrennen lassen. In den Jahren 2016 bis 2019 folgte mit 14 weiteren Landwirten ein Feldversuch, begleitet durch die Landwirtschaftskammer NRW. Susanne Richter verfasste 2018 ihre Doktorarbeit an der Bergischen Universität Wuppertal zu diesem Thema und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis: Winterhanf ist als Faserlieferant vielversprechend.

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Hanfstängel

 

Gerste wird früh geerntet. Es ist üblich, im Juli eine Zweitfrucht anzubauen, die zugleich vor Bodenerosion schützt. Bauer Klack sät Mitte Juli Nutzhanf. Dieser hat nur drei vegetative Monate, bis es zu kühl wird und die Sonne kaum noch Kraft hat. Die Zweitfrucht Hanf wächst deshalb mit dünneren Stielen und erreicht nur eine Höhe von rund 1,2 Meter. Der eigentliche Trick ist, erst im zeitigen Frühjahr zu ernten.

Hanfstängel bilden einen Hohlstiel, der sich aus sehr leichten Schäben und reißfesten Fasern zusammensetzt. Wer schon einmal ein Hanfseil in den Händen hatte, weiß um die groben Fasern, die sich nicht für feine Textilien eignen. Es gibt allerdings unterschiedliche Faserhanfsorten und Verarbeitungstechniken. Doch der Schlüssel zum Erfolg ist immer das Trennen der Fasern von den Schäben. Dies gelingt erst nach der Röste.

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Feinere Hanffasern – im Winter stehen lassen

 

Mit Feuchtigkeit und etwas Zeit verrotten die Hanfstiele minimal. Nach dem Trocknen lassen sich die Schäben herausbrechen, die Fasern bleiben über. Es gibt mehrere Techniken:

Feldröste – die Hanfpflanzen werden geschnitten und bleiben auf dem Feld liegen. Es soll etwas darüber regnen, aber nicht zu viel. Der Landwirt muss mit dem Wetter Glück haben und den gerösteten Hanf schnell genug einholen.

Wasserröste – die geernteten Hanfpflanzen werden in Wasserlöcher geworfen. Die Wasserröste lässt sich punktgenauer anwenden, begünstigt jedoch eine sehr hohe Wasserbelastung.

Standröste – die Zweitfrucht Hanf bleibt im Winter stehen. Im zeitigen Frühjahr sind nur noch weiße Stängel über, die geschnitten, gepresst und nach dem Transport verarbeitet werden. Die Fasern sind sehr fein. Wie bei der Feldröste verteilen sich die freigesetzten Nährstoffe auf der ganzen Fläche und werden nicht das Grundwasser belasten.

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Hanffasern aus Sommerhanf

 

Auch Winterhanf muss für die Wertschöpfung weiterverarbeitet werden. Deswegen hat sich als Hanfverarbeiter die Nettle Fibre Company am Versuch beteiligt. Dieses Unternehmen gewinnt bereits Fasern aus Brennnesseln und hat sich an der Verarbeitung des Winterhanfes versucht.

Der Feldversuch zog sich über drei Jahre, die Ergebnisse sprechen für sich: Landwirte können durch den Anbau des Winterhanfs ihr Einkommen aufbessern. Hanf verbessert die Böden, braucht keine Pestizide und eignet sich als gesunder nachwachsender Rohstoff. Baumwolle ist hingegen eine Katastrophe: Die empfindliche Pflanze benötigt sehr viel Dünger und Wasser, und ohne Pestizide sind die Ernteeinbußen enorm. Winterhanf liefert feine Textilfasern und kann die Baumwolle zurückdrängen. Die kaum noch vorhandene heimische Textilindustrie wäre unabhängiger von Importen. In anderen Ländern blieben Flächen für andere Kulturpflanzen frei, die unsere Umwelt weniger belasten.

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Heimischer Winterhanf ist auch für Allergiker die bessere Textilpflanze. Die Aufbereitung muss im großen Stil stattfinden, damit die Erzeugnisse zu anderen Produkten konkurrenzfähig werden.

Bislang scheitert Nutzhanf fast immer an der fehlenden oder teuren Weiterverarbeitung. Selbst in Zeiten der internationalen Legalisierung erklärt Landwirt Klack, dass unsere Wirtschaft und damit unsere Politik den Hanf nicht will. Hanf ist für zu viele andere Produkte ein unliebsamer Konkurrent. Zumindest wir wünschen ihm und dem Nutzhanf den entscheidenden Durchbruch.

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