Züchten von Mutterpflanzen

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Die Arbeit mit hochwertiger Genetik ist ein wesentlicher Faktor bei der Produktion jeglicher Art von Pflanzen. Dies ist doppelt wahr was den Cannabisanbau für die Produktion von Blüten angeht. Ohne einen erstklassigen Genpool ist der nach dem optischen Eindruck und dem Ernteertrag bemessene Wert der Kulturpflanzen geringer - und demnach der ganze Anbau nicht so effektiv. Einer der bewährten Wege zu stabiler Qualität und Effizienz führt über das Pflanzen von Stecklingen, die Grower von Mutterpflanzen geschnitten haben. In diesem Artikel wird alles besprochen, was man über den Anbau von Mutterpflanzen wissen muss. Tauchen wir in das Thema ein...

Vorteile von Mutterpflanzen

Mutterpflanzen können eine großartige Quelle für Klone sein. Klone (oder Stecklinge, Stecklingspflanzen) sind Setzlinge mit völlig identischen genetischen Informationen. Mit Sicherheit lässt sich sagen: Alle diese Pflanzen auf Feldern, im Gewächshaus oder im Anbauraum haben völlig identische Veranlagungen hinsichtlich Höhe, Reifungszeit, Blüten- und Harzproduktion und nicht zuletzt der Terpen- und Cannabinoidprofile. Unterschiedliche Chemotypen und Phänotypen treten beim Anbau von Stecklingen aus ein und derselben Mutterpflanze niemals auf. Deshalb ist es möglich, nicht nur den Anbau nach den eigenen Wünschen zu planen, sondern den gesamten Ablauf, einschließlich der Prognose des Gewichts und der Qualität der Ernte. Beim Anbau mit Saatgut hingegen treten relativ häufig verschiedene Phänotypen auf, vor allem bei weniger stabilisierten Cannabissorten. Und es gibt nun mal viele nicht so stabile auf dem Markt aufgrund der starken Zunahme neuer Sorten in den letzten Jahren.

Die erste Mutterpflanze

Der Weg zu einer Qualitätsmutterpflanze ist lang und kurvenreich. Im Grunde gibt es drei Ausgangsszenarien. Erstens, einen Steckling von einer anderen Mutterpflanze zu besorgen, die bereits getestet worden ist und von der man weiß, dass sie hochwertige Gene trägt. Dieser Weg ist offensichtlich der schnellste und einfachste. Aber man müsste jemanden kennen, der eine solche Genetik anbieten kann. Der zweite Weg wäre, die Mutterpflanze aus Klonen heranzuziehen, die in einem normalen Geschäft gekauft werden. Nachteil: Man kann nicht sicher sein, ob eine solche Mutterpflanze tatsächlich die ideale Grundlage für eine langfristige und effektive Produktion werden kann. Firmen, die Klone kultivieren und verkaufen, versuchen so viele Cannabissorten wie möglich anzubieten, haben aber oft nicht das Potenzial, um zuverlässig und langfristig Tests mit allen durchzuführen. Der dritte Weg: Die Selektion selber durchführen (Selbstselektion), d.h mit dem Heranziehen von Pflanzen aus Samen beginnen, nach und nach Klone von ihnen testen, um schließlich die für die Anforderungen des Züchters/Growers am besten geeignete Mutterpflanze auswählen zu können. Dieses Vorgehen hat den Nachteil, dass es mühselig und langwierig ist. Wer keinen großen Anbauraum hat und dem für die Selektionen nur eine kleinen Anzahl von Pflanzen zur Verfügung steht, könnte sogar in die Situation geraten, dass er selbst nach mehreren Monaten des Anbaus und Testens immer noch keine geeignete Pflanze für die Produktion von Stecklingen gefunden hat. Hier dürfen keine Kompromisse eingegangen werden, etwa irgendeine gewöhnliche Mutterpflanze mit durchschnittlichem Ertrag und Aussehen wählen. Wir wollen die bestmöglichen Genetiken kultivieren. Trotzdem ist die Selbstselektion der zuverlässigste Weg, um unbrauchbare Individuen zu eliminieren und die Genetik zu erhalten, nach der man gesucht hat.

Selektion

Selektion bedeutet das Auswahlverfahren für eine Mutterpflanze aus einer größeren Gruppe von Pflanzen einer bestimmten Sorte. Hierbei ist darauf zu achten, dass von jeder Cannabissorte, die geklont werden soll, tatsächlich nur eine einzige Mutterpflanze ausgewählt wird. Später kann man so viele (neue) Mutterpflanzen mit deren Klonen ziehen wie für die Produktion benötigt. Wenn sämtliche Pflanzen jeder angebauten Sorte die gleichen Erbinformationen tragen, ist es immer einfacher zu erfassen, was auf einen während des Anbaus zukommt und welche Ergebnisse zu erwarten sind. Die Selektion lässt sich mit einer größeren Anzahl von Klonen durchführen, die man von anderen Züchtern/Growern erhalten oder in einem Geschäft gekauft hat. Samen können ebenfalls als Ausgangsmaterial dienen. Für den Anbau mit Saatgut empfehle ich die Verwendung von regulären (nicht-feminisierten) Samen – aber wahr ist, dass man heutzutage auch aus feminisierten Samen hochwertige Mutterpflanzen bekommen kann. Zudem ist es heute bei vielen Cannabissorten oft praktisch unmöglich, reguläre Samen aufzutreiben, so dass bei solchen die einzige Möglichkeit darin besteht, den Selektionsprozess mit feminisierten Samen zu beginnen. Während der gesamten Selektion sind alle wichtigen Vorgänge zu beobachten und zu vermerken. Jede Mutterpflanze, die am Selektionsprozess beteiligt ist, muss mit einem eindeutigen Code versehen und regelmäßig bewertet werden. Vor dem Beginn sollte man sich darüber im Klaren sein, welche Parameter die neue Mutterpflanze haben soll. Sortieren Sie die Parameter nach Priorität. Suchen Sie nach einer Sorte, die sich für ein mehrstöckiges vertikales System eignet? Dann wird die Höhe der Pflanzen oberste Priorität haben. Haben Sie vor, Cannabispflanzen draußen anzubauen, in größerem Abstand zueinander? Dann wird man nach Pflanzen suchen, die schnell wachsen und mehr Seitenzweige haben und so viel Raum wie möglich ausfüllen können. Beim Outdoor-Anbau sind die Eignung der Pflanze für die jeweiligen klimatischen Bedingungen, die Resistenz gegen verschiedene Krankheiten sowie eine höhere Toleranz gegenüber Nährstoffmangel die wichtigen Faktoren und Eigenschaften, die es zu beachten gilt.

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Versuchsklone zeigen, wie gut deren Mutterpflanze ist

 

Ich empfehle, ein einfaches Punktesystem anzuwenden und die Pflanzen demgemäß zu beurteilen. Beispielsweise kann man die zu kontrollierenden Parameter auf einer Skala von eins bis fünf bewerten, wobei fünf die beste Note ist. Die zuerst keimenden Samen erhalten fünf Punkte, der zuletzt keimende hingegen nur einen Punkt. Welche Pflanzen sich am schnellsten entwickeln, erhalten wieder die beste Bewertung, die langsameren den entsprechenden Punkteverlust. Des Weiteren wird die höchste Punktzahl auf eine Art und Weise an Pflanzen vergeben, welche sich für das jeweilige Anbausystem am besten eignen. Eine besondere Bedeutung bei der Punktevergabe kommt dem Moment zu, wenn Versuchsstecklinge aus einer Gruppe von Mutterpflanzen geschnitten werden und diese von Anfang an um den Sieg konkurrieren – geben Sie fünf Punkte an die einzelnen Pflanzen, deren Stecklinge sich zuerst bewurzeln. Für die Erzeugung der ersten Versuchsklone gibt es zwei Selektionsoptionen: Entweder man lässt die Pflanzen, von denen Stecklinge entnommen wurden, blühen – oder man kann versuchen, die Klone anzubauen und zu ernten. Ich empfehle die zweite Methode. Im Idealfall erhalten wir fünf bis zehn Qualitätsklone von jeder potentiellen Mutterpflanze, teilen sie dann in Gruppen auf und lassen alle unter den gleichen Bedingungen wachsen, bis sie voll ausgereift sind. Jede Gruppe ganzheitlich beobachten ist alles, was zu tun ist, aber um detailliertere Informationen zu erhalten, kann man auch jede Pflanze in jeder Gruppe einzeln observieren. Nochmals – werten Sie die zu kontrollierenden Parameter bis zur Ernte aus. Es steht außer Frage, dass Ertrag, Aussehen und chemische Struktur für jeden einzelnen Selektionsvorgang eine wichtige Rolle spielen – und wem es beliebt, der kann an einige oder alle der oben genannten Parameter auch die doppelte Punktzahl vergeben.

Die Ergebnisse des Anbaus einer Gruppe von fünf bis zehn Cannabispflanzen würden viel genauere Informationen über die Gesamtqualität der potentiellen Mutterpflanze liefern, von welcher die Klone der gegebenen Gruppe stammen. Beim Anbau mit regulären Samen sollte man darauf bedacht sein, eine kleinere Anzahl von Pflanzen in jeder Gruppe zu wählen, z.B. fünf Stück. Falls dann Gruppen, die von männlichen Pflanzen stammen, erkannt werden, lässt sich die Anbaufläche immer noch effizient nutzen, da man nicht eine so große Anzahl von Pflanzen beseitigen muss. Wir können Mutterpflanzen auch wegwerfen, deren Klone sich als männlichen Pflanzen erwiesen haben. Wer jedoch sein eigenes Saatgut produzieren oder eigene Sorten züchten will, wählt auch aus den männlichen Gruppen die besten Pflanzen aus. Ich brauche nicht daran zu erinnern, dass die Verhütung von Bestäubung während der Selektion ein absolutes Muss ist. Bestäubte weibliche Pflanzen erzeugen Samen in den Blüten und die Ausbeute an hochwertigem getrocknetem Material wird geringer – und das Gleiche gilt insgesamt für die Produktion von Cannabinoiden und Terpenen.

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Mittels korrekt durchgeführter Selektion gewinnt man ausgezeichnete Sorten

 

Was man auch tun kann: Die ersten Versuchsklone im Wachstumsstadium belassen und bei den Mutterpflanzen die Blühphase auslösen. Auf diese Weise erhalten wir bald die notwendigen Informationen über Ertrag, Aussehen oder das mögliche Auftreten von männlichen Pflanzen. Informationen über nur eine Pflanze reichen jedoch nicht aus. Jede Schwankung bei der Düngung, der Bewässerung oder sogar beim Lichtzyklus kann sich negativ auf eine Pflanze auswirken. Wird hingegen eine ganze Gruppe getestet, erhalten wir in der Tat reelle und nützliche Daten. Auch noch nach der Ernte werden die Daten sorgfältig ausgewertet. Wir wählen die Pflanze der Sorte aus, deren Klone im Verlauf der Selektion die meisten Punkte erhalten hat. Wenn mehrere Pflanzen die gleiche Punktzahl erhalten haben, wählen wir einfach diejenige aus, welche am besten gefällt. Wir entnehmen Stecklinge von ihr und lassen diese zu Mutterpflanzen für die Stecklingsproduktion werden. Es ist ratsam, mehrere Mutterpflanzen zu kultivieren, um für den Fall abgesichert zu sein, dass eine Mutterpflanze aus irgendeinem Grund eingehen sollte. Nur eine einzige Mutterpflanze zu halten ist ziemlich riskant – und zumal man sich so viel Mühe bei der Selektion gemacht hat.

Anbau und Lebensdauer

Die Mutterpflanzen sind immer in der Vegetativen Phase zu halten. Werden sie hydroponisch angebaut, gibt man ihnen eine Nährlösung mit einem EC-Wert um 1,7 und einem pH-Wert zwischen 6,2 und 6,5. Der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur sollte bei 2-4 °C gehalten werden, wobei die Tagestemperatur 28 °C nicht übersteigen darf (jedenfalls nicht viel mehr). Die relative Luftfeuchtigkeit ist zwischen 60 und 70% zu halten. Sowohl beim Anbau in Erde als auch in anderen Substraten werden in der Vegetativen Phase die gleichen Nährstoffe verabreicht. Nicht vergessen, dass größere Pflanzen öfter gedüngt werden müssen. Bei Mutterpflanzen macht sich ein Nährstoffmangel in der Regel zunächst durch Aufhellung der Blätter bemerkbar, die sich dann gelb verfärben. Wenn dieses Problem nach längerer Wuchsphase und Produktion von Stecklingen auftritt, muss man diese Mutterpflanzen neu beleben. Entweder sie werden in größere Töpfe umgesetzt oder die optisch vollkommensten und kräftigsten ihrer Klone ausgewählt und die alten Mutterpflanzen durch sie ersetzt. Obwohl die Mutterpflanze mehrere Jahre leben kann, empfehle ich, sie alle sechs bis zwölf Monate zu erneuern, je nachdem, wie oft Stecklinge von ihr geschnitten werden. Die optimale Frequenz für das Schneiden von Stecklingen aus der Mutterpflanze ist – jedenfalls meiner Meinung nach – alle zwei bis vier Wochen. In zwei Wochen werden genügend taugliche Triebe gebildet, die für eine weitere Kollektion bereit sind. Werden keine Stecklinge geschnitten, sollte man diese Zweige zumindest alle vier Wochen trimmen und deren Form anpassen. Wird die passende Form beibehalten, ist das Abschneiden von Stecklingen einfacher, und es trägt auch dazu bei, dass sie etwa gleich groß werden.

Mr. José    info@mrjose.eu



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