CBG Das Mutter-Cannabinoid

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Von Rich Hamilton

Cannabis ist eine äußerst komplexe Pflanze, die über 400 Verbindungen enthält, von denen über hundert als Cannabinoide klassifiziert werden. Die beiden häufigsten sind natürlich CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol).

Es gibt jedoch einige weniger bedeutende, dabei wirklich interessante Cannabinoide, die für sich genommen ein einzigartiges Potenzial besitzen, und CBG ist eines der vielversprechendsten. Obwohl CBG in vielen Sorten mit nur geringen Anteilen (weniger als 1%) vorkommt, spielt es für die Cannabispflanzen eine wichtige Rolle und bietet zahlreiche für das Wohlbefinden wichtige Eigenschaften – aus sich selbst heraus.

CBG steht für Cannabigerol und wird tatsächlich als das “Mutter-Cannabinoid”, “Elternteil” oder die “Stammzelle” sowohl von CBD als auch von THC eingestuft, die ohne CBG einfach nicht existieren würden. Es ist die Basis, von der mehrere Cannabinoide abhängen, was daran liegt, dass alle Cannabinoide zuerst als CBGA (die saure, inaktive Form von CBG) vorliegen. 

Wenn die Cannabispflanze reift, wird CBGA in CBDA und THCA aufgespalten, in die inaktiven oder “Rohformen” von CBD und THC umgewandelt. Sobald diese erhitzt oder “decarboxyliert” werden, erwachen die aktiven Inhaltsstoffe zum Leben und werden zu CBD, THC (und CBG), wie wir sie am besten kennen. 

THC ist natürlich für die psychoaktive und berauschende Wirkung verantwortlich, die Cannabis haben kann, während CBD und CBG förderlich für die Gesundheit sein können – ohne ein “High”. 

CBGA wird jedoch in den meisten Fällen sogleich entweder in THCA oder CBDA umgewandelt, d.h. je mehr THC oder CBD im Endprodukt enthalten sind, desto weniger CBG haben wir aufgrund des Prozesses, in dessen Verlauf diese Verbindungen synthetisiert werden.

Trotz der minimalen Menge an CBG, die in den meisten verbreiteten Cannabis-Sorten verfügbar ist, beginnt CBG sehr an Popularität zu gewinnen. Es ist dank der wachsenden Zahl von Cannabiskonsumenten, die sein Potenzial erkennen, bei Extraktionen eines der begehrtesten Cannabinoide. Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass CBG auf spezifische physiologische Probleme und Krankheiten Einfluss nehmen kann und sein Potenzial für medizinische Anwendungen vielversprechend ist.

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CBG gilt als besonders wirksam bei der Behandlung von Sehstörungen, wie beispielsweise dem Glaukom, da es den Flüssigkeitsdruck im Auge senken kann. Es wird angenommen, dass CBG ein starker Vasodilator ist, d.h. es kann als ein Medikament zur Erweiterung der Blutgefäße wirken und das Blut viel freier und leichter fließen lassen. 

CBG wird auch eine neuroprotektive Wirkung zugeschrieben. In einer Studie aus dem Jahr 2015 wurde nachgewiesen, dass es Neuronen von Mäusen schützt, die unter Chorea Huntington (Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn) leiden. Weitere Tierversuche mit Mäusen, die an entzündlichen Darmerkrankungen litten, ergaben, dass CBG zudem entzündungshemmend wirkt.

Auch bei der Bekämpfung von Krebs sieht es danach aus, als könnte CBG eine vielversprechende Waffe sein; in Studien erwies sich: Es blockiert Rezeptoren, die das Wachstum von Krebszellen verursachen. In einer speziellen Studie, die an Mäusen durchgeführt wurde, konnte nachgewiesen werden, dass es das Wachstum von Krebszellen hemmt, die mit Dickdarmkrebs in Zusammenhang stehen.

Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass topische Cannabisrezepturen bei Hautinfektionen wirksam sind, aber die Forscher wussten seinerzeit nichts über die chemische Zusammensetzung der Pflanze. Die europäische Forschung hat nun jedoch Beweise dafür erbracht, dass CBG gut antibakteriell wirkt, insbesondere gegen MRSA, einem Mikrobenstamm, der bekanntermaßen gegen verschiedene Arten moderner Medikamente resistent ist.

Im Jahr 2017 konnten Forscher demonstrieren, dass eine Form von CBG, die purifiziert wurde (Abtrennung von Delta-9 THC), bei Ratten als hervorragender Appetitanreger wirkt, was sich möglicherweise als heilsam gegenüber den Symptomen von Muskelschwund und starkem Gewichtsverlust erweisen könnte, was häufig bei Krebs im Spätstadium und anderen Krankheiten auftritt.

Eine andere Studie, die sich mit den Wirkungen von Cannabinoiden auf Blasenkontraktionen befasste, fand heraus, dass CBG von den 5 Cannabinoiden, die für den Test ausgewählt wurden, hinsichtlich der Hemmung von Muskelkontraktionen am besten abschneidet, was bedeutet, dass es sich als ein Mittel zur Verhinderung oder Linderung von Störungen der Blasenfunktion eignen könnte.

Ähnlich wie bei CBD wird davon ausgegangen, dass die nicht psychoaktiven Eigenschaften des CGB womöglich sogar von noch größerem Nutzen sind als die bereits erwähnten – einschließlich jener, die für Behandlungen zur Schmerzlinderung (allgemein), häufiger Hautprobleme wie Psoriasis und für Antidepressiva genutzt werden.

Wenn schon das breite Spektrum an möglichen gesundheitsförderlichen Wirkungen (wie die oben aufgeführten) hervorgehoben wird, ist es schwer zu verstehen, warum man CBG noch nicht in so großem Umfang kommerziell verwertet wie sein viel bekannteres “Kind” CBD. Ein wichtiger Grund: Die Gewinnung von CBG-Extrakt aus der Cannabispflanze ist ein sehr kostspieliges Verfahren. So teuer, dass es sich den Ruf erworben hat, der “Rolls Royce der Cannabinoide” zu sein.

Der CBG-Preis ist fünfmal höher (oder mehr) als der von CBD, vor allem wegen der Tausende Kilogramm Pflanzenmaterial, die für die Extraktion nur kleiner isolierter Mengen von CBG benötigt werden. Wenn der CBD-Gehalt einer bestimmten Cannabis-Charge beispielsweise 1% beträgt, müsste man, um die gleiche CBG-Konzentration zu erhalten, die 20-fache Menge an Biomasse extrahieren.

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Die CBG-Extraktion ist relativ neu, so dass die Verfahren sich noch in der Entwicklung befinden und derzeit hochspezialisierte, teure Anlagen erforderlich sind. Vor diesem Hintergrund besteht die einzige andere Möglichkeit, CBG zugänglicher und erschwinglicher zu machen, darin, das Erbgut der Pflanze so zu manipulieren, dass Sorten mit einem überwiegenden Anteil CBG gegenüber THC oder CBD erzeugt werden.

Erfreulicherweise kann ich über Projekte berichten, die derzeit bereits im Gange sind, um Fortschritte in dieser Richtung zu erzielen. Die Firma “Hemp Trading” hat in Zusammenarbeit mit der Polytechnischen Universität von Valencia (Spanien) bereits erfolgreich eine Cannabissorte mit hohem CBG-Gehalt gezüchtet, die frei von psychoaktivem THC ist. Allein das ist beeindruckend genug – darüberhinaus ist es ihnen auch gelungen, den CBG-Gehalt von den üblichen 0,1-1% auf 15% bis 18% zu erhöhen.

Eine THC-freie Cannabissorte bedeutet nicht nur für diejenigen, die daran interessiert sind, die nicht-psychoaktiven medizinischen Wirkungen von CBD oder CBG zu erforschen, eine bahnbrechende Wende, sondern sie ist auch eine großartige Weiterentwicklung für Anbauer von Nutzhanf. Aktuelle Vorgaben in den USA besagen, industriell angebauter Hanf darf nicht mehr als 0,3% THC enthalten. Dies ist eine Richtwert, aufgrund dessen so mancher Hanffarmer ganze Ernten vernichten musste, wenn bei Kontrolltests festgestellt wurde, dass die von ihm ausgewählte und angebaute Sorte natürlich mehr THC produzierte als beabsichtigt.

Das Erzeugnis der erwähnten gentechnischen Anstrengungen ist eine Varietät mit einem hohen CBG-Gehalt namens Panakeia, welche zukünftig von auf CBD-reiche Sorten spezialisierte Unternehmen vertrieben wird sowie über Firmen, die Technologien für die Produktion neuer Hanfsorten anbieten.

Nicht nur in Europa läuft die Produktion von CBG-reichen Sorten richtig an; in den USA plant “Oregon CBD” noch in diesem Jahr ihre ersten CBG-reichen Züchtungen “Stem Cell” und “White CBG” auf den Markt zu bringen, nachdem Versuche im Verlauf von drei Jahren bewiesen haben, dass sie als Endergebnis Gehalte von über 20% CBG (und unter 0,3% THC) erzielen können. Darüber hinaus gibt es in den USA mehrere andere rechtliche Körperschaften, die an CBG-reichen Sorten arbeiten.

Früher gemachte Erkenntnisse und die Forschung hielten das Interesse der Wissenschaft, Medizin und Hanfanbauer am Leben und lassen sie hoffnungsvoll auf das gewaltige Potenzial blicken, das CBG-Extrakte und CBD-reiche Cannabissorten haben. In der Tat sind weitere Forschungen bezüglich der Anwendungen von CBG allein und auch in Kombination mit anderen Cannabinoiden in vollem Gange.

Kurz gesagt: Es ist nicht schwer zu verstehen, warum die Cannabisbranche (und die Hanfindustrie) so begeistert von dem weniger bekannten Cannabinoid CBG ist. Wichtig ist, CBG jetzt ins Rampenlicht zu rücken, da es immer noch viele Cannabiskonsumenten gibt, die noch nie etwas von CBG bzw. seinen erstaunlichen Fähigkeiten gehört haben, und ohne einen entsprechendes Bewusstsein ist es schwierig, eine Präsenz und Nachfrage dafür auf dem Markt zu entwickeln. 

Von Rich Hamilton

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