dopeworld

Von Rich Hamilton

Als ich Anfang des Jahres durch den Flughafen ging, fiel mir ein Buch ins Auge. Bei der auffälligen, grellen Gestaltung des Buchumschlags, dem Titel "DOPEWORLD" und dem Hinweis, dass die Drogenkultur das Hauptthema sei, konnte ich nicht nein sagen! Im Flugzeug fing ich an, es zu lesen, fand mich bald völlig darin vertieft. Das Buch ist eine leichte, unterhaltsame, informative, lehrreiche und spannende Lektüre - und als Krönung des Ganzen: Es ist zu 100% wahrheitsgetreu! Viel besser geht es nicht! Niko nimmt uns mit auf eine turbulente Reise Tour um die Welt und erinnert sich an die verrückten Geschichten mit den Typen, die er kennenlernte, an die genommenen Drogen und die gemachten Erfahrungen.

Ein erfrischend anderer Stil in einem Genre, das eigentlich der Krimi- oder Reiseliteratur zuzuordnen ist – ich musste nur den Autor Niko Worobjow aufsuchen, um mehr zu erfahren.

Niko, dein Buch schildert zweifellos einige erstaunliche Geschichten, auf die wir gleich zu sprechen kommen, aber zuerst möchte ich dich nur über die Jahre vor dem Buch befragen und wie du zum ersten Mal in die Szene hineingezogen wurdest?

Ja, was soll ich sagen? Ich war ein böser Junge! Aber als heranwachsender Teenager war ich sehr schüchtern und zurückhaltend. Dann kam dieser ganze Schlamassel, Verstöße gegen Gesetze – also erst später, als ich etwa 17-18 war. Nenn’ es eine frühe Midlife-Crisis! Ich wollte die ganze Zeit, in der ich mir in meinem Zimmer einen runtergeholt hatte, wieder gutmachen, und so fing ich an, auf all diese Partys zu gehen und ein paar Pillen zu schlucken. Und es hat Spaß gemacht! Ich tat es gern! Ein Gangster war ich nie; vielleicht habe ich ein paar Mal so getan, als sei ich einer. Mein geschäftliche Aktivitäten wurden umfangreicher, bis ich eines Tages geschnappt wurde; wir müssen natürlich immer Glück haben, aber die Bullen nur einmal!

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2. Das alles änderte sich 2013, als du in London wegen Besitzes von Ecstasy verhaftet und zu zweieinhalb Gefängnis verurteilt wurdest, damals wurde das Buch eigentlich geboren. Kannst du uns erzählen, wie das Gefängnis dich inspirierte und motivierte, Dopeworld zu schreiben?

Nun, es begann alles vor etwa sieben Jahren, als ich im Gefängnis saß. Ich hatte mich nie wirklich als schlimmen Drogendealer, eher als eine Art Barkeeper gesehen: Schließlich verkaufen die auch giftige, süchtig machende, stark verdünnte Substanzen! Es schien mir also keineswegs fair, mich einzusperren, damit ich in meiner Zelle verrückt würde. Aber viele meiner Freunde draußen, denen ich Briefe schrieb, fanden meine Ansichten über das Gefängnisleben wirklich lustig. Also hat sich das irgendwie von dort aus entwickelt.

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Um das Buch tatsächlich zu schreiben und für und für das Vergegenwärtigen aller Orte brauchte ich etwa zwei Jahre, aber ich habe auch weit zurückliegende Abschnitte meines Lebens mit verwendet.

3. Ich habe gehört, dass die Autobiographie “Mr. Nice” von Howard Marks eine große Inspiration für dich war, als du das Buch schriebst. Was hältst du von seinen Ansichten über die Legalisierung von Cannabis?

Mr. Nice gehört zusammen mit Bronson zu den Büchern, die jeder im Gefängnis liest. Es ist so etwas wie eine Gefängnisbibel. Das erste, was zu tun ist, um ein Buch veröffentlichen: Einen Agenten finden (man kann es selbst veröffentlichen, aber das ist viel schwieriger), also habe ich tatsächlich bei der Agentur von Patrick Walsh unterschrieben, der vor Marks’ Tod sein Agent gewesen war. Er erzählte mir, Marks sei eine Art Legende, hätte als Jurymitglied bei viele Cannabiscups mitgewirkt, sei anschließend zu den After-Partys eingeladen worden, was ihn gegen Ende fertig gemacht habe. Wie dem auch sei, es gibt eine Zeile in Howard Marks’ letztem Buch (sinngemäß): Warum sollte ein Drogenhändler, der seinen Lebensunterhalt auf dem Schwarzmarkt verdient, wollen, dass Drogen legal sind? Aber es ist so, wie wenn man als Arzt seinen Lebensunterhalt mit der Behandlung von Krankheiten und Wunden verdient, aber wenn morgen für alles ein Heilmittel erfunden würde, dann würde er sich als Erster darauf einstellen. Ich glaube, in dem Punkt, dass ich idealistischer wurde, während andere Dealer es nur wegen des Geldes tun, hatten Mark und ich etwas gemeinsam.

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4. Du hast “Dopeworld” beschrieben als eine Kombination aus “wahren Verbrechen, Gonzojournalismus, sozial-historischer Abhandlung und abgefuckter Reiseliteratur.” Das hört sich an, als würden viele Genres bedient. Kannst du näher erläutern, was du mit diesem Buch erreichen wolltest?

Hör’ zu, ich habe viele andere Bücher über Drogen gelesen und ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin, aber die meisten sind ziemlich distanziert. Sie wurden von Leuten geschrieben, die kein wirkliches Interesse an der Sache haben. Ich hingegen schon. Wer trockene akademische Prosa haben will, möge eine Doktorarbeit lesen. Ich wollte die Leser an Orte wie Marokko und Japan mitnehmen und ihnen meine Ansichten klarmachen.

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5. In den Geschichten, die du erzählst, fallen die Namen von einigen der sicherlich berüchtigtsten Akteure in diesem Spiel, darunter “El Chapo” und “Pablo Escobar”. Es muss manchmal ziemlich beängstigend gewesen sein, mit den Gefährten solch gefährlicher legendärer Figuren Kontakt zu haben?

Kommt drauf an. Man muss natürlich mit den Fragen, die man stellt, vorsichtig sein; ich könnte nicht eine idiotische Frage stellen wie: “Wo waren Sie in der Nacht von Freitag dem 13. zwischen sieben und zwölf Uhr?” Aber selbst in den Hügeln von Sinaloa, tief im mexikanischen Narco-Land, da dämmert es dir irgendwann, dass du, wenn sie dich nicht dabei haben wollten, gar nicht dort wärst.

Tatsächlich fühlte ich mich am meisten bedroht von Freeway Rick Ross, dem Crack-König von South Central. Nicht wegen dem, was er sagte, aber ich wollte nicht nur als ein weiterer weißer Junge dastehen, der sich zu viel Gangsta-Rap anhört.

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6. Welche von den Geschichten, die du im Buch erzählst, ist die denkwürdigste – oder welche magst du am meisten?

Das erste Mal, als ich Ayahuasca trank, war sicherlich eine der außergewöhnlichsten Nächte meines Lebens. Es ist etwas einzigartiges, etwas, was du sonst in deinem ganzen Leben nicht erleben wirst, außer vielleicht DMT. Stell’ dir vor, wir sind im Bauch des Amazonas, mindestens zwei Stunden von der Zivilisation entfernt, sitzen in einer Hütte in völliger Dunkelheit und lassen uns von den Gesängen des Schamanen mitreißen. Zuerst passiert nichts, und man denkt: Ist das alles? Dann hast du plötzlich Visionen von Kreaturen vor Augen: Schlangen, Spinnen, Krokodile, Jaguare. Der Geist reist zum Ende des Universums und zurück. Deine Seele wird ergriffen, auseinandergerissen und wieder zusammengesetzt.

Es eröffnet einem eine ganz neue Lebensperspektive – deshalb denkt man auch darüber nach, es für die Behandlung von PTBS anzuwenden. Schließlich ließ ich mich vier Mal in einer Woche darauf ein. Ich würde es wieder tun, aber das ist nichts, womit man leichtfertig umgehen sollte.

7. Gibt es Geschichten, die du aus Angst vor Vergeltungsakten – oder weil sie einfach zu haarsträubend sind -, aus dem Buch weggelassen hast?

Es gibt nicht viel, was ich in der Originalfassung ausgelassen habe, aber seit der Veröffentlichung war ich an ein paar anderen Orten – Serbien, Südafrika und wieder in Brasilien und Amsterdam – um entweder eine Geschichte zu schreiben oder an einer lokalen Ausgabe von „Dopeworld“ zu arbeiten. Ich fuhr in die Townships von Kapstadt und hing dort mit Mitgliedern der 26 Numbers Gang herum. Da waren diese drei Typen in einer Baracke, die Mandrax (ein Beruhigungsmittel) aus einer zerbrochenen Flasche rauchten. Es war der schlimmste Ghetto-Shit, den ich je gesehen habe. Der Anführer war OK, aber ein anderer Kerl saß in der Ecke und spielte mit seinem Messer. Die Art, wie er sich bewegte, war ebenfalls widernatürlich – wie eine Krabbe. Ich fand ihn echt gruselig.

In Amsterdam lernte ich einen anderen Typen namens Niko kennen. Er war ein Psycho, der ein Ecstasy-Labor besaß. In Serbien traf ich mich mit einem Mafiakoch – er selber war nicht wirklich in der Mafia, aber ihn über ihre Lieblingsrezepte reden zu hören, war wie etwas aus “Goodfellas”.

Schließlich bin ich in Brasilien auf die “Militia” gestoßen – das ist eine Art Bürgerwehr, die es in einigen Vierteln gibt, aber in Wirklichkeit ist es nur eine weitere Gang. Als ich eines Nachts nach Hause kam, stoppte mich ihr Wachposten und hielt mir eine Knarre an den Kopf, bis er erkannte, wer ich war. Das war das zweite Mal innerhalb von drei Wochen, dass mir dort jemand eine Waffe vors Gesicht hielt. Rio ist verrückt.

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8. Woran arbeitest du gerade? Sind noch andere Projekte in Planung?
Ich habe mit der Arbeit an einem weiteren Sachbuch begonnen – “How To Break Out Out Of Jail”. Schön brisanter Titel. Ich will noch nicht zu viel darüber sagen, aber man wird einige interessante Charaktere kennenlernen.

DOPEWORLD von Niko Vorobyov ist nun in gedruckter Form, als digitaler Download und als Hörbuch erhältlich. Besorgen Sie sich noch heute ein Exemplar, Sie werden nicht enttäuscht sein.

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