Staatswiet für Coffeeshops Niederländisches Cannabisprojekt

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Die Niederlande bemächtigen Hersteller zur Produktion von Marijuana und Haschisch, damit die Coffeeshops sich nach über 40 Jahren legal versorgen können. Mit Glück sinken die Preise für die Konsumenten sogar deutlich. Die illegalen Hersteller und Händler verlieren Marktanteile und können möglicherweise einige ihrer Schandtaten nicht mehr finanzieren. Die Gesellschaft würde profitieren.

Das alles hört sich gut an, hat allerdings Schattenseiten. Betroffene Coffeeshop-Besitzer sind vom niederländischen Staatswiet nicht immer angetan, auch viele ihrer Kunden sehen der Entwicklung skeptisch entgegen. Viele der Betroffenen erklären, dass der Cannabishandel künftig wieder vor den Coffeeshops stattfindet und trauen dem staatlich regulierten Marijuana nicht.

Kundenverdrängung zum Schwarzmarkt

Es ist bereits beschlossene Sache, dass dieses niederländische Cannabisprojekt frühestens ab 2021 starten wird, viele Details müssen noch ausgearbeitet werden. Bislang sollen maximal zehn Gemeinden mit all ihren Coffeeshops teilnehmen, Ausländer müssen draußen bleiben. Das Problem gibt es in vielen Gemeinden bereits durch den Wietpas.

Die Touri-Kunden fahren einen Ort weiter oder kaufen auf der Straße. Einige Betreiber der Coffeeshops befürchten jedoch, dass auch ein großer Teil ihrer niederländischen Kunden auf der Straße kauft, da sie in ihrer Sortenvielfalt stark eingeschränkt werden. Einige Coffeeshops haben über hundert Sorten. Wenn die staatlich bevollmächtigten Hersteller maximal 15 Strains Marijuana und zehn Haschsorten herstellen dürfen, dann weichen die Kunden möglicherweise aus.

Der Schwarzmarkt soll dadurch ausgetrocknet werden, dass die Lieferkette zu den Coffeeshops staatlich reguliert wird. Wenn die Kunden das Staatswiet nicht annehmen und vor den Coffeeshops kaufen, dann wird der Schwarzmarkt nur auf die Straße zu den Endkunden verlagert. Der vielfach beschworene Jugendschutz kann dadurch nicht profitieren. Zugleich schützen Coffeeshops ihre volljährigen Kunden, da sie harte Drogen draußen halten. Der Straßendealer muss sich sowieso verstecken, braucht auf diese Details nicht zu achten und erweitert sein Angebot gern mit umsatzstarken Produkten, die immer wieder nachgefragt werden.

Staatswiet-für-CoffeeshopsNiederländisches Haschisch als Utopie

Mauro Picavet ist als Sekretär des niederländischen Verbands zur Aufhebung des Cannabisverbots (VOC) ein Kritiker des niederländischen Cannabisprojekts. Dieses sei allein wegen des Haschischs zum Scheitern verurteilt, welches sich nicht innerhalb kürzester Zeit in beliebiger Menge in den Niederlanden herstellen lässt. Es braucht ganze Hanffelder, die im niederländischen Klima nicht wie in Marokko gedeihen und sich nicht einfach verarbeiten lassen. Wer gerne Haschisch in Coffeeshops kauft und nicht mehr versorgt wird, der muss ausweichen und kauft möglicherweise auf der Straße.

Deutsche müssen draußen bleiben

Viele Touri-Kunden beobachten die Niederlande seit der Einführung des Wietpas mit kritischem Blick. Die Gemeinden entscheiden selber, ob ihre Coffeeshops nur Niederländer oder alle volljährigen Menschen einlassen und versorgen dürfen. Die Gemeinden, die beim Staatswiet-Projekt mitmachen, werden nach derzeitiger Planung ebenfalls Touri-Kunden ausgrenzen. Bislang haben diese Städte zugesagt: Arnheim, Almere, Breda, Groningen, Heerlen, Hellevoetsluis, Maastricht, Nimwegen, Tilburg und Zaanstad

Insgesamt bewarben sich 26 Städte, stellten aber teils Bedingungen oder zogen wie Rotterdam und Amsterdam deswegen zurück, da sich die Regelung in den Großstädten nicht sinnvoll umsetzen lässt.

 

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Kommt es nicht an, floriert der Straßenhandel

Das Sterben der Coffeeshops

In den Anfangszeiten der Duldung war es sehr einfach, einen Coffeeshop zu eröffnen. Diese Zeiten sind vorbei, viele Betreiber haben bereits aufgegeben oder wurden durch Polizei und Staat wieder dicht gemacht. Ein Coffeeshop ist ein wirtschaftendes Unternehmen. Wenn rund 80 Coffeeshops zum Staatswiet verdonnert werden, dann muss die Kundschaft dieses annehmen oder der Betreiber kann auf Kurzarbeit umstellen, um diese Durststrecke von vier bis fünfeinhalb Jahren zu überstehen. Sollten einige Coffeeshops das nicht überstehen und die derzeitige Regelung würde weiter bestehen, dann ließen sich nach dem niederländischen Cannabisprojekt mit Pech keine neuen Shops eröffnen, um die Lücken zu schließen. Betroffene Coffeeshop-Betreiber sehen schweren Zeiten entgegen.

Die überregulierte Legalisierung

Eine weitere Gefahr ist ausgerechnet der eventuell positive Verlauf des niederländischen Cannabisprojekts. Wenn die autorisierten Hersteller Marijuana und Haschisch in genügenden Mengen produzieren und die Kunden es annehmen, dann könnte dieses Konzept auf die ganzen Niederlande als sogenannte „Legalisierung von Cannabis“ umgelegt werden. Doch was ist mit dem Recht auf Eigenanbau oder der unternehmerischen Freiheit, selber Marijuana und Haschisch für den legalen Handel zu produzieren? Derzeit hört es sich so an, als ob nur wenige Hersteller autorisiert werden, um diese besser kontrollieren zu können. Möglicherweise sind künftige Anforderungen für die gesicherte und kontrollierte Produktion so hoch, dass kleine Produzenten damit schon aus dem Geschäft wären. Ausgerechnet beim Gelingen des niederländischen Staatsmarijuana-Programms ist die große Gefahr, dass Bürger weiterhin entmündigt bleiben und nicht selber anbauen dürfen. Dass immer mehr Entscheidungsträger die Cannabis-Legalisierung befürworten, ist ermutigend. Hoffentlich wird das überregulierte Staatswiet nicht zum Trojanischen Pferd.

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