Afghanisches Cannabis Kulturelles und genetisches Erbe

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Eine groß wachsende, einzigartige, indicadominante Sorte mit einer gewaltigen Harzproduktion. Ihr exquisiter, intensiver Geschmack, die kraftvolle physische und zerebrale Wirkung sind äußerst beeindruckend. Während der Blühphase färben sich einige Pflanzen ganz violett und zieren den Anbauraum mit ihrer außergewöhnlichen Schönheit.

Die Wurzeln der modernen Cannabiskultur

Pflanzenselektion und Harzextraktion sind die beiden wichtigsten Innovationsfelder der Cannabisindustrie, und es könnte alles irgendwo in Zentralasien begonnen haben. Von den wenigen möglichen Herkunftsregionen des Cannabis gehört Nordafghanistan definitiv zu den ersten, die zur Verbreitung von domestiziertem Cannabis beigetragen haben. Während die Nachbarländer die gleiche Liebe zu der Pflanze und ihren Nebenprodukten teilten, ließ der Drogenkrieg des 20. Jahrhunderts sie fast vollständig abklingen. Doch Afghanistan steht nach wie vor für eines der ältesten Länder, das Cannabis wegen seiner psychoaktiven Eigenschaften auserwählt hat.

Was Botaniker in Bezug auf alte domestizierte Sorten als “Landrassen” oder “reine Sorten” bezeichnen, gedeiht in Afghanistan immer noch – und weil diese sich nicht wirklich in die klassischen Cannabis-Kategorien einordnen lassen, wo zwischen Sativas und Indicas unterschieden wird, sind sie von einer unglaublichen Vielfalt. Mit unterschiedlichen Pflanzenformen, Blattfarben oder Aromen in einem einzigen Feld fällt diese Diversität gleich auf, die sich so sehr unterscheidet von der Uniformität der Cannabisfelder, wie wir sie heute an anderen angestammten Orten der Cannabisproduktion wahrnehmen können. Die Samen des Vorjahres werden im Frühling ausgesät, wodurch die tausendjährige Selektion von afghanischem Cannabis immerwährend fortgesetzt wird, und die Pflanzen scheinen bis zur Ernte (Oktober bis Ende Dezember) ohne besondere Pflege gut zu wachsen.

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Trockene Cannabisblüte aus Sholgara

Die Afghanen haben Cannabispflanzen auserlesen, welche riesige Mengen an klebrigem Harz produzieren, da sie die manikürten Blütenstände nicht rauchen, sondern die gesamte Ernte sieben, um Haschisch zu gewinnen. Türkische Gedichte aus dem 15. Jahrhundert, die den Lebensstil der Sufis aus Khorasan (so der mittelalterliche Name Afghanistans) beschreiben, sind die frühesten schriftlichen Überlieferungen zu Kief und verorten die Ursprünge des Haschisch zwischen dem Nordiran und Nordafghanistan. Diese mittelalterliche Haschisch-Tradition verbreitete sich zunächst überall in der muslimischen Welt, bevor sie im 19. Jahrhundert von den Soldaten Napoleons nach Europa eingeführt wurde. In den 60er Jahren brachten Hippies, die den “Hash Trail” entlang reisten, dann die afghanische Cannabissaat und Siebtechnik nach Marokko, um die boomende europäische Nachfrage zu decken.

In dieser Zeit war es, dass sich die moderne Cannabiskultur entwickelte, als die “Underground-Züchter” begannen, alte domestizierte Cannabissamen aus der ganzen Welt zu sammeln und sie in ihren Gärten hinterm Haus anzubauen. Es wurde auch intensiver selektiert, anders als wie es jahrtausendelang gemacht worden ist. Selektionsverfahren wurden vom Feld in das Gewächshaus verlagert und in hohem Tempo weiterentwickelt – und heute geschieht dies in modernsten Labors, wo die Pflanzen gekreuzt, rückgekreuzt oder selbstbestäubt werden, um die hochwirksamen Polyhybride, feminisierten oder selbstblühenden Samen des 21. Jahrhunderts zu erzeugen. Da die Pflanzenselektion auf die Stabilisierung einer bestimmten genetischen Ausprägung abzielt, können wir heute sehen, dass die Cannabisindustrie aus wenigen alten Sorten (einschließlich der afghanischen Landrassen) eine große Anzahl moderner Cannabishybride erzeugt hat, die sicherlich sehr psychoaktiv wirken, aber nach jüngsten Studien nur sehr geringe genetische Unterschiede aufweisen. Logischerweise begannen mit dem globalen Internetmarkt die Cannabisbauern auch in den meisten ursprünglichen Anbauregionen damit, diese potenten westlichen Cannabissamen auszusäen. Da Cannabis mit Leichtigkeit bestäubt wird, übertragen sich in der ganzen Welt die gleichen Gene auf die alten Cannabis-Abstammungslinien – mit verheerenden Folgen für die Cannabisvielfalt. Die Herausforderung besteht nun darin, Cannabisfelder zu finden, die von dieser weltweiten Standardisierung oder Skunkisierung nicht betroffen sind. Das Gegenbeispiel ist eben Afghanistan, das seit Eröffnung der ersten legalen Cannabis-Samenbank in Amsterdam ein nicht mehr zugängliches Bollwerk geblieben ist.

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Cannabisfeld, Anfang Dezember, Balkh

Ebenso wie die Selektionsverfahren wurden auch die Extraktion und Veredelung von Cannabisharz weiterentwickelt. Trotz der jüngsten technischen Entwicklungen bei der Herstellung von Konzentraten (BHO, Rosin, Dabs…) mit chemischen Lösungsmitteln und hochentwickelten Gerätschaften bleibt die international anerkannte Expertise afghanischer Hashisch-Meister, die traditionelle Cannabissorten und regionale Trocknungsverfahren kombinieren, ein unübertroffenes Erfolgsrezept für ein hochwertiges Cannabis-Terroir-Produkt.

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“Naysha” Verfahren

Gegenwärtige Haschischkultur in Afghanistan

Auch wenn diese „Frühgeschichte“ des Cannabis und Haschisch immer noch Gegenstand von Debatten für die wachsende Cannabis-Community ist, müssen die Zeugnisse für die Grundlagen der modernen Cannabiskultur in ganz Afghanistan noch dokumentiert werden. Ein großer Teil der Bevölkerung huldigt dem Cannabis immer noch auf verschiedene Weise: Es ist ganz normal, Afghanen in den Städten Joints rauchen zu sehen (Zigarettenhülsen gefüllt mit Haschisch und manchmal mit etwas Tabak gemischt), aber mit dem Chillum ist in Afghanistan die traditionelle Art und Weise, Haschisch zu rauchen. Freundesgruppen versammeln sich in den alten Chilum-Khanas (Chillum-Häusern), wo sie gegen eine kleine Spende an einem Chillum ziehen können. Cannabis-Bauern haben in der Regel einen dafür bestimmten Raum, in dem sie ihre Männerfreunde empfangen und wo mit grünem Tee und gewaltigen Mengen Haschisch eine Atmosphäre geschaffen wird, die zu heiteren Gesprächen anregt. In der Stadt Balkh befindet sich der Schrein von Baba Ku (der sich der Legende nach als erster für die braune Cannabiskugel als Medizin einsetzte), und er ist nach wie vor eine beliebte Sehenswürdigkeit. Ein anderes Verfahren namens “Naysha”, das in ländlichen Gegenden beliebter ist, könnte älter sein als Chillum und Joint: Haschisch wird auf glühender Asche ausgelegt und die Dämpfe werden mit einem Strohhalm durch den mit Wasser gefüllten Mund inhaliert. Wenn wir in den meisten westlichen Sprachen den Begriff “Haschisch” (das arabische Wort für “Kraut”) gebrauchen, verwenden die Afghanen dafür das persische Wort “Charas” (bedeutet “Ledertasche”), um den Harzextrakt zu bezeichnen, der durch das Sieben von getrockneten Cannabispflanzen gewonnen wird. Dies mag für manche der jüngsten (und einige der ältesten) Cannabis-Fans überraschend klingen, die glauben, Charas würde ausschließlich für den handgeriebenen indischen Extrakt verwendet – ein weiterer Beleg dafür, dass die afghanische Cannabiskultur zu lange isoliert ist. Die afghanische Cannabis-Tradition hat sich seit dem Mittelalter trotz oder wegen regionaler und internationaler Konflikte, die der afghanische Bevölkerung zu lange die Luft zum Atmen nehmen, nicht verändert, sodass jede Reise in die Region eine kluge, sorgfältige Planung erfordert.

Die Kontinuität in der Geschichte des Cannabis, von den Landrassen bis zu den Hybriden, vom traditionellen Haschisch bis zum modernen Konzentrat, ist noch heute mancherorts in der Welt bemerkbar, nicht nur in Afghanistan. Aber mit der weltweiten blindwütigen Standardisierung des Cannabis sind echte ursprüngliche Sorten immer schwieriger aufzufinden. Und kurz vor dem Start des ersten gentechnisch veränderten Cannabis sind sie unsere einzige Chance, eine echte Vielfalt an Cannabissorten mit besserer Schädlings- und Krankheitsresistenz zu gestalten. Es ist an der Zeit, dass die Cannabis-Liebhaber aufstehen und sich für die Erhaltung der alten Cannabis-Abstammungslinien und traditionellen Verfahren zur Verarbeitung der Pflanze einsetzen.

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