Macht kiffen dumm oder intelligent?

Cannabis und Medien

Wer kennt es nicht: In der einen Zeitung steht etwas, in der anderen das Gegenteil und das teils am selben Tag. Was soll man denn nun überhaupt noch glauben? Madeline Meier und weitere Forscher der Duke University in North Carolina haben fast 40 Jahre geforscht, um eine Studie zu erstellen. Diese sagt aus, dass heranwachsende Kiffer, die ihren Konsum in jungen Jahren beginnen, im Erwachsenenalter tendenziell einen niedrigeren IQ haben.

Dies gilt jedoch nicht für Menschen, die als Erwachsene mit dem Kiffen begannen. Am 27. August 2012 musste diese Studie in jeder Zeitung für Prohibitionsartikel herhalten. Die Journalisten scheinen die eigentliche Studie jedoch nicht einmal gelesen zu haben, ansonsten lassen sich Überschriften wie „Wissenschaftlich bewiesen – Kiffen macht dumm“ von Die Welt oder „Erste Langzeitstudie: Kiffen macht dumm“ vom Tagesspiegel nicht erklären. Der Inhalt wird selbst von Ärzten ungeprüft übernommen, und dem Legalizer wird vor den Kopf geworfen: „Kiffen macht dumm“, um damit zu erklären, dass all die durch Verfolgung zerstörten Existenzen gerechtfertigt sind.

Lange nach diesen Medienberichten sind uns die Schlagzeilen noch im Gedächtnis. Was ist jedoch mit einer Schweizer Studie des Instituts für Sozial- und Präventionsmedizin aus dem Jahr 2007? Diese besagt, dass kiffende Schüler im Vergleich zu anderen Heranwachsenden gleiche oder bessere Leistungen erbringen, sogar mit weniger Aufwand. Es handelt sich ebenfalls um eine Studie zum Cannabiskonsum und seinen Auswirkungen, und sie sollte repräsentative Ergebnisse enthalten, da immerhin 5263 Schüler im Alter von 16 bis 20 befragt wurden. Diese Studie wertet hierbei aus, welche Substanzen die Schüler in Bezug auf ihre Leistung und ihren Lebensalltag einnehmen. Auch diese Studie sollte genauer betrachtet werden. Demnach kann leider auch hier wieder verallgemeinert werden, wodurch jedoch der Wahrheitsgehalt verloren ginge: Lediglich Schüler, die nur Marijuana, aber keinen Alkohol und/oder Tabak, konsumieren, sind stärker in ihrer Leistung und sozial besser angepasst und vernetzt. Das sogar im Vergleich zu Abstinenzlern. Schüler, die jedoch einen Mischkonsum aufweisen, leiden in ihrer Leistungsfähigkeit. Beim Alkohol lässt sich das leicht erklären, dass man bei übermäßigem Konsum einfach weniger gut für Denkarbeit und Sport geeignet ist und zudem tendenziell weniger gute Sozialkontakte unterhält. Beim Tabak stellt sich das Suchtproblem ein: Viele Kiffer konsumieren von morgens bis abends große Mengen, bis sie mit dem Tabak aufhören. Dieser ist das Suchtmittel, das zum häufigen Konsum verleitet. Kiffer konsumieren dabei jedoch häufig mit Marijuana und prägen deswegen starke Konsummuster aus. Ohne diese Sucht konsumieren die gleichen Menschen erst dann, wenn sie wirklich Lust dazu haben und bereit sind.

Kiffende Schüler ohne Mischkonsum sind sozial besser vernetzt, treiben mehr Sport und bringen in der Schule gleiche oder bessere Leistungen im Vergleich zu ihren Mitschülern oder sogar im Vergleich zu Abstinenzlern. Hierbei fehlen sie zwar tendenziell häufiger und wenden zum Lernen weniger Zeit auf, sie sind jedoch aufnahmefähiger.

Bereits vor vielen Jahren wurde häufig erklärt: Hauptschüler saufen, Studenten kiffen. Diese Aussage stimmt vielleicht nicht generell, sondern nur tendenziell. Eben dies ist mit vielen Aussagen der Fall. Somit hätte man sich bereits vor Jahrzehnten denken können, dass Cannabis für sich alleine eigentlich nicht dumm machen kann, wenn vor allem Studenten und gebildete Menschen pro Kopf häufiger Kiffer sind als andere. Würde kiffen dumm machen, würden diese Leistungsträger es doch gewiss sein lassen, um sich nicht ihre berufliche Zukunft zu verbauen. Aber wie bei vielen Aussagen geht es den Prohibitionisten nie um den Wahrheitsgehalt ihrer „Argumente“, sondern um das, was sie damit bezwecken wollen. Journalisten, die das alles drucken, geht es um Verkaufsauflagen und häufig leider nicht darum, objektiv zu informieren. Medien sind eben Geldmacherei mit Meinungsmache und sollten immer kritisch hinterfragt werden, auch wenn das unbequem ist.

Zumindest können wir uns vermutlich alle nicht daran erinnern, dass im Jahr 2007 weltweit in jeder Zeitung die Überschrift auf dem Titelblatt stand: „Kiffende Schüler sind fitter – und schlauer“ (Blick.ch 06.11.2007) Zum einen wäre dies von den Obrigkeiten und Prohibitionisten, die häufig auch Teilhaber der Medienkonzerne sind oder von deren Berichterstattung abhängen, nicht gerne gesehen, und zweitens hätte man damit nicht nennenswert die Auflagen steigern können.

Wirkliche Cannabis-Experten wie Dr. Franjo Grotenhermen haben sich mit beiden Studien befasst. Dr. Grotenhermen rät dennoch von einem Cannabiskonsum in jungen Jahren ab, da sich ein junger Mensch erst entwickeln sollte, um dann mündig mit Rauschmitteln umgehen zu können. Auch wenn die „Kiffen macht dumm“-Studie durch ein Gegengutachten gar nicht beweisen kann, dass Kiffen in jungen Jahren den IQ langfristig schmälert, da dieses sich auch auf andere Faktoren zurückführen lassen könnte, wird diese Möglichkeit durch Dr. Grotenhermen nicht ausgeschlossen. Es gibt natürlich auch Legalizer, die erklären, besser kiffen als saufen, da letzteres erwiesener Maßen dumm macht. Für die persönliche Entwicklung eines Menschen wird ein später Einstieg in den Konsum von Alkohol, Tabak oder auch Marijuana tendenziell weniger schaden. Jugendliche müssen sich noch entwickeln und selber finden. Sind sie nicht reif genug, dann können viele Dinge, die im Übermaß konsumiert oder ausgelebt werden, eher einen Schaden bedingen, als wenn der Mensch innerlich gereift ist und weit stabiler im Leben steht.

Generell sollte man sich fragen: Wer finanziert die Studie, und was soll hinterher als Aussage herauskommen? Selbst wenn die Forscher wirklich frei sind, können sie immer noch ein persönliches Interesse haben, die Ergebnisse in die eine oder andere Richtung zu interpretieren. Gelegentlich ist es einfach besser, gar nichts mehr zu glauben und einfach für sich selber das Richtige zu machen.

 

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