Was wir von den USA lernen können – oder auch nicht

Es kann einem schon gewaltig auf die Nerven gehen, dieses ewige Gejammer um eine mögliche Legalisierung von Cannabis, die ja eigentlich eine Re-Legalisierung wäre, denn die Hanf-Prohibition stellt ja ein bisher recht kurzes Kapitel innerhalb der Weltgeschichte dar. Irgendwann wird sie auch kommen, diese erhoffte Re-Legalisierung, aber im Grunde müsste es uns doch recht wenig kümmern, oder? 

Es kann einem schon gewaltig auf die Nerven gehen, dieses ewige Gejammer um eine mögliche Legalisierung von Cannabis, die ja eigentlich eine Re-Legalisierung wäre, denn die Hanf-Prohibition stellt ja ein bisher recht kurzes Kapitel innerhalb der Weltgeschichte dar. Irgendwann wird sie auch kommen, diese erhoffte Re-Legalisierung, aber im Grunde müsste es uns doch recht wenig kümmern, oder? Immerhin kiffen die Kiffer ja doch, wenn sie es wollen, und lassen sich nicht vom Gesetzgeber daran hindern. Wäre also alles Gejammer wirklich so nötig, wie es sich gerade zurzeit so flächendeckend etabliert?

Ja, wäre es in der Tat, denn es gibt da schließlich noch diejenigen Hanffreunde, die nicht schulterzuckend zum Tagesgeschäft übergehen und sich sagen können: „Was juckt mich schon das Hanfverbot, ich mach ja doch, was ich will“ – es gibt da nämlich diejenigen Hanffreunde, die von Repression, Ausgrenzung und Knast direkt betroffen sind. Und für genau alle jene wollen wir hoffen, dass die allmähliche Aufweichung der Prohibition, die zurzeit von den USA ausgeht, auch möglichst schnell bei uns ankommt. Nun wollen wir nicht blauäugig sein und glauben, das Gute gehe gerade von den Vereinigten Staaten aus. Machen wir uns klar, dass diese irrsinnige und vollkommen verblödete Prohibition genau dort vor etwa 60 Jahren begonnen hatte: in den USA. Ausgelöst durch die gescheiterte Alkohol-Prohibition, wurde der Anti-Drogen-Zar Harry J. Anslinger auserkoren, eine neue Teufelsdroge zu finden und zu brandmarken, damit Hunderte von Mitarbeitern der Food and Drug Administration (FDA) nicht der Arbeitslosigkeit anheim fallen (wer die ganze Geschichte des weltweiten War on Drugs gut erzählt nachlesen möchte, der sei auf Mathias Bröckers' Buch „Die Drogenlüge“ verwiesen). Das neue Ziel des Hasses: Cannabis. Seitdem wurde eine globale Kampagne forciert, deren Auswüchse und Lügengeschichten sich bis in die heutige Zeit erhalten haben. Es ist die Rede vom Mörderkraut, von der Reefer Madness, von Gewaltexzessen auf Marijuana, von sexueller Nötigung, von Massenmord, von Leid, Elend und Tod – und all das wird dem Cannabis in die Schuhe geschoben. Es sei eine Einstiegsdroge, ein suchtbringendes Rauschgift, ein Verführer der Jugend. Dass der Hanf jedoch vor den Zeiten der Cannabisprohibition fast überall in der Welt gedieh, dass in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum der Hanf zu den normalsten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen gehörte, dass sich annähernd jeder Bauer nach getaner Arbeit dieses „Arme-Leute-Kraut“ in die Pfeife gestopft hatte – das alles wird nicht nur vergessen, sondern mit derbsten Lügen und Betrügereien geradezu in die Vergessenheit gedrängt, und zwar von denen, die unsere Welt bislang noch beherrschen: die Banken, die Wirtschaftslobbies und deren Marionetten, die Politiker und politischen Parteien. Dabei ging es tatsächlich nur um ein Wort, das dafür nutzbar gemacht wurde, den Menschen ordentlich Angst einzujagen. Harry Anslinger hatte sich das ganz geschickt ausgedacht: Er brandmarkte das Teufelskraut Marijuana in aller Welt, ohne dass irgendwer gecheckt hätte, dass es sich dabei um den guten alten Hanf handelt. Hätten die Prohibitionisten und Henker der Menschheit versucht, den Leuten einzureden, dass Hanf eine wilde und gefährliche Droge sei – niemand hätte es geglaubt. Die Lügenbarone wären vermutlich ausgelacht worden. Erst das damals noch unbekannte und exotisch anmutende Wort Marijuana (meist in seiner falschen Schreibweise Marihuana) – ein Slangwort für Cannabis aus dem Mexikanischen – konnte dazu benutzt werden, den Menschen der Welt ein X für ein U vorzumachen. Blöderweise hat sich diese Hetzkampagne bis heute in den Köpfen vieler Leute erhalten. Ein Beispiel? Ein Altenpfleger erzählte einmal von einer kleinen Diskussion, die er mit einem seiner Patienten hatte. Der hatte erst erzählt, wie schön es vor Jahrzehnten gewesen war, sich abends nach verrichteter Maloche auf dem Feld vor seine Hütte zu setzen und ein Pfeifchen mit dem „Arme-Leute-Kraut“ zu schmauchen. Jeder habe das so getan, es sei das Normalste der Welt gewesen, so erzählte der alte Herr dem Pfleger. Als dann der Pfleger das Gespräch vorsichtig auf Gras, Marijuana, Weed und gar Haschisch brachte, brauste der Heiminsasse regelrecht auf: Das sei ein mörderisches Rauschgift, sowas gehöre verboten, es mache unsere Gesellschaft zunichte. So viel zum Thema Gehirnwäsche der Drogenprohibition. Nun – heute sind wir ein kleines bisschen weiter. Die meisten wissen, dass es sich bei Hanf, Marijuana und Cannabis um ein und dieselbe Pflanze bzw. Produkte eines einzigen Gewächses handelt. Die Aufklärung der Massen funktioniert zwar nur langsam, aber recht effektiv. Und deshalb ist es auch möglich, dass in den USA derzeit heftig zurückgefahren wird, wenn es um das Hanfverbot geht. Wir brauchen es dem treuen Leser der Soft Secrets kaum noch zu erzählen: Washington und Colorado, Alaska und Oregon haben Cannabis vollständig legalisiert, andere Staaten haben zumindest schon mal den medizinischen Gebrauch freigegeben, weitere Bundesstaaten werden folgen. Manchmal genügen die Gegenstimmen der „Drogenhasser“ gerade, um eine Entkriminalisierung zu verhindern, wie vor Kurzem in Florida geschehen – das deutsche Boulevardmagazin Der Stern berichtete: „Bei einer Abstimmung in Florida ging es um Marihuana für medizinische Zwecke, um beispielsweise Schmerzen oder Appetitlosigkeit zu lindern. Rund 58 Prozent der Wähler stimmten für die Droge als Medizin, doch das Referendum verfehlte knapp die notwendige Mehrheit von 60 Prozent der Stimmen. In 23 US-Bundesstaaten sowie der Hauptstadt Washington ist Kiffen zur Behandlung von Kranken zugelassen“. Aber kleine Rückschläge können allerdings das große Ganze nicht unterminieren – es wird weitergehen, definitiv. Denn die Menschen lassen sich wohl kaum weiterhin im Kollektiv für dumm verkaufen. Und so wird, lieber Leser, aller Wahrscheinlichkeit nach die Hanfprohibition von den USA ausgehend auch wieder aufgehoben werden. Das wird sicherlich nicht so schnell gehen, wie damals vor etwa 60 Jahren das Verbot etabliert war. Aber steter Tropfen höhlt nun mal den Stein – und dieser ist in den Vereinigten Staaten bereits mächtig am Rollen.

Nun wird auch in unseren Gefilden Mitteleuropas einiges in dieser Hinsicht geschehen. Man merkt es schon – immer mehr Politiker des deutschsprachigen Raums fordern ein Umdenken in der Drogenpolitik, Experten für Strafrecht wollen möglichst rasch eine Aufhebung der Prohibition, ein Ende des War on Drugs scheint in immer greifbarer Nähe. Aktivisten geben alles, um den Trend zu festigen und zu beschleunigen, erst kürzlich veröffentlichte der Deutsche Hanfverband (DHV) aus Berlin, die derzeit stärkste und ernstzunehmendste Pro-Cannabis-Lobby, drei professionell produzierte Spots, die sich für eine Entkriminalisierung der Hanfpflanze und ihrer Produkte stark machen – siehe dazu den entsprechenden Artikel in dieser Ausgabe. Diese Spots, die in mehr als 200 deutschen Kinos und selbstverständlich auch auf dem Youtube-Kanal des DHV ausgestrahlt werden, heizen die Diskussion nachhaltig an und vermitteln allmählich einen Gegenpol des einseitigen Denkens, das mit der Prohibition im kollektiven Bewusstsein installiert wurde. Die Frage ist nur, wie sehr und vor allem, wie schnell sich „ein Volk“ von den gegebenen Tatsachen überzeugen lässt. Schauen wir nur einmal in die Niederlande, wo auch der Herausgeber der Soft Secrets seinen Sitz hat. Dieses, im Umgang mit Cannabis als loyal einzustufende Land ist seit Jahrzehnten ein gutes Beispiel für eine Drogenpolitik, die nicht ausschließlich auf einer Verbotsstrategie aufbaut. Trotzdem wird aus diesem „guten Beispiel“ ebenfalls nach und nach eher ein Trauerspiel, plant der niederländische Gesetzgeber doch, ab dem kommenden Jahr Growshops zu verbieten. Dazu ein erhellendes Zitat von den Internetseiten www.keinwietpas.de: „In den Niederlanden wurde (…) das sogenannte Growshopverbot beschlossen. Man plant, Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von über 15 % als harte Drogen zu behandeln und verbietet Ausländern den Zugang zu den Coffeeshops. Man könnte meinen, die einst so liberalen Niederlande ziehen in den ‘War on Drugs’. Das gut funktionierende Modell der Coffeeshops wird immer mehr torpediert und ausgehöhlt. Die Folge davon sind Straßenkriminalität und Overlast für die Bürger, in vielen Städten gibt es so große Probleme mit kleinen illegalen Cannabisplantagen, dass die Bürgermeister über einen Gemeindeanbau nachdenken, mit dem sie, wie es scheint, lieber heute als morgen beginnen wollen. Doch ungeachtet der Forderungen stemmt sich Justizminister Opstelten gegen diese Idee und will sie noch nicht einmal im Ansatz ausprobieren. (…) Würde man jetzt den Plan vieler Bürgermeister verfolgen, so würde das bedeuten, dass die Niederlande ihren Cannabismarkt früher oder später wirklich einmal durchregulieren müssten. Das versuchen die konservativen Kräfte mit allen Mitteln zu vermeiden. Denn solange der gegenwärtige Zustand anhält, so lange greifen auch die alten Mittel aus dem ‘War on Drugs’, die heute in angepasster Form durch die Hintertür wieder eingeführt werden. Auf einmal werden aus harmlosen Cannabiszüchtern Mitglieder von kriminellen Organisationen die mit dem internationalen Drogenhandel in Verbindung stehen“. Der neueste Plan besteht in einem Verbot von Growshops, womit einer ganzen und florierenden Branche die Grundlage entzogen werden würde. Am 11. November (interessanterweise dem Tag des Karnevalsbeginns) hatte die Erste Kammer des Parlaments mit 39 zu 31 Stimmen eben jenes Verbot beschlossen. Nun muss nur noch der niederländische König die gesetzliche Neuregelung unterzeichnen, und fertig ist das neue Feindbild 2015: bestehend aus Growshop-Besitzern, Hanfsamenproduzenten und Herstellern von Growingprodukten. Auf gut Deutsch: Geht das Verbot von Growshops demnächst offiziell durch, können sich viele Angehörige des niederländischen Canna-Business warm anziehen bzw. sich neue Jobs suchen. Zwar sollen mit dem neuen Gesetz eigentlich die Cannabis-Großproduzenten gejagt und „unschädlich“ gemacht werden. In der Praxis wird es aber so sein, dass vornehmlich die kleinen Grower, also normale Kiffer, die zwischen einer und zehn Pflänzchen zuhause stehen haben, betroffen sein werden. Sie sind dann wieder mal die Dummen, während sich die Bosse der organisierten Kriminalität lediglich umorientieren müssen und vielleicht den ein oder anderen Handlanger einbüßen werden. Dass das die Mafiosi aber nicht weiter stört, ist zwar jedem Hirnbesitzer klar, offenbar nicht jedoch der niederländischen Regierung. Dieses Verbot bedeutet einen riesigen Rückschritt, der sich auf Deutschland hoffentlich genauso wenig auswirken wird, wie die liberale Drogenpolitik unseres Nachbarlandes es in der Vergangenheit getan hat. Sprich: Hoffentlich nehmen sich die „Verantwortlichen“ des deutschsprachigen Raums nicht diesen irrationalen Ausraster Hollands zum Vorbild und ziehen gleich. Ein Verbot von Läden für Kleingärtner wäre nicht nur unpraktikabel (denn wer will schon entscheiden, für welche Pflanze ich einen Lüfter, Düngemittel und Licht kaufe), sondern auch ein gewaltiger Rückfall in eine ur-konservative Gesetzgebung.

Deshalb wollen wir den Kreis schließen, den wir zu Anfang dieses Artikels eröffnet haben, und halten fest: Das Gejammer um eine Re-Legalisierung des Hanfs ist bitter nötig. Vielleicht nötiger, als wir es im Moment wahrhaben wollen. Denn auch, wenn so mancher Politiker mittlerweile die Ansicht vertritt, dass die Cannabisprohibition mehr Schaden anrichtet als der Hanf es jemals könnte, so müssen wir uns doch eingestehen, dass es letztlich weder um Argumente geht, noch, dass unsere Politiker irgend etwas zu entscheiden hätten. Schließlich sind diese nichts weiter als Spielbälle und Roboter der Wirtschaftsmächte, die wiederum von den Banken diktiert werden. Letzten Endes sieht es so aus, dass vielleicht 5 bis 6 Familien – nämlich jene, denen die Banken an der Spitze der globalen Wirtschaft gehören – darüber entscheiden, was legal und was verboten ist. Um Argumente zu Umweltschutz, natürlichen Ressourcen, Menschenschutz und so weiter geht es nicht – und ging es nie. Da können wir diskutieren, wie und so oft wir wollen. Diese Welt ist vom Geld gemacht bzw. von der Gier und den Verirrungen des grenzenlos egoistischen Wirtschaftssystems. Zu glauben, dass ein Buch voller Argumente pro Hanf oder eine Fernsehsendung zum Thema da irgendwas verändern können, grenzt schon an Debilität. Und trotzdem werden wir nicht aufgeben und weiterhin gewaltlos und mit passender Argumentation für Gerechtigkeit und eine bessere Welt eintreten. Denn wenn auch das auf Eigentum, Leibeigenschaft und Gier basierende System nicht durch die Überzeugungsarbeit einzelner Aktivisten gebrochen werden kann, so könnte sich doch dem Gewicht, dass eine Mehrheit der auf diesem Planeten lebenden Menschen zu schaffen in der Lage ist, keine Wirtschaftsmacht erfolgreich entgegenstellen. Es liegt also nur an uns. Wie lange lassen wir uns noch verarschen und zum Narren halten? Das ist die Frage, die im Moment am dringlichsten ist. Stehen wir auf und legen die Arbeit nieder, die wir für das Unrecht und einzelne Schwerkriminelle seit Jahr und Tag verrichten. Ein besseres Leben ist möglich – und das beschränkt sich bei Weitem nicht auf die Drogengesetze, sondern mit Verlaub auf jeden Bereich unseres Lebens. 

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