Ich habe nun mal Lust auf Rausch…

Wenn man Axel S. kennenlernt, erscheint er wie ein ganz normaler Berliner: Nicht auf den Mund gefallen, agil und selbstbewusst. Man hält es eigentlich für unmöglich, doch Axel selbst weiß es besser: Er hat Probleme mit der Kifferei. Und ist bereit, einmal darüber zu sprechen.

Wenn man Axel S. kennenlernt, erscheint er wie ein ganz normaler Berliner: Nicht auf den Mund gefallen, agil und selbstbewusst. Man hält es eigentlich für unmöglich, doch Axel selbst weiß es besser: Er hat Probleme mit der Kifferei. Und ist bereit, einmal darüber zu sprechen.

Wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl, dass du es mit Cannabis übertreibst?

Das hat schon ein paar Jahre gedauert, in denen ich täglich ein Gramm verkifft habe. Noch bis 2001 war ich der festen Überzeugung, dass meine Probleme nichts mit dem Kiffen zu tun haben. Erst als sich meine damalige Freundin von mir trennte, war ich gezwungen, mal darüber nachzudenken. Denn auch wenn es ihr nicht nur um die Kifferei ging, war das letztendlich doch der ausschlaggebende Punkt. Sie hat nur verhältnismäßig selten konsumiert und war der Meinung, ich würde es übertreiben. Und obwohl sie mir ein paar Mal die rote Karte gezeigt hat, habe ich nie mehr als oberflächlich reagiert. Irgendwann war ihr Verständnis aufgebraucht und sie ging.

Damals kam dir aber nicht in den Sinn, dich FÜR deine Freundin und GEGEN täglich ein Gramm zu entscheiden?

In gewisser Weise war mir Cannabis damals tatsächlich wichtiger. Ich habe zwar versucht, mein Konsumverhalten zu ändern, aber ich habe nicht ernsthaft darüber nachgedacht, mal komplett über einen längeren Zeitraum auszusetzen, und mich lieber um meine Beziehung zu kümmern. Ich war der Meinung, dass Cannabis nun mal zu mir gehört und wenn sie mich so nicht lieben kann, wie ich bin, dann liebt sich mich vielleicht gar nicht. Damals war ich noch der Meinung, dass ich meinen Konsum im Griff und keine Probleme damit habe.

Wann und wie hast du diese Selbsteinschätzung schließlich überdacht?

Das war, als der erste Trennungsschmerz durch war und ich versuchte, mich in meinem Leben zurechtzufinden. Ich hatte wieder eine eigene Wohnung und auch ein neues Studium in der Hoffnung begonnen, nun doch noch was zustande zu bringen – doch ich bekam meine Wohnung einfach nicht eingerichtet und auch das Studium lief nicht, da ich einfach zu selten zur Uni ging. Dafür rauchte ich soviel wie noch nie. Das lenkte ab und half mir dabei, nicht weiter nachzudenken – über einen kurzen Zeitraum hinweg funktionierte das sogar. Ich setzte ich mich vor die PlayStation oder hörte einfach nur Musik und kiffte, bis ich schließlich wegdämmerte. Irgendwann ging mir dann die Kohle aus – und damit auch das Rauchzeug. Plötzlich kamen auch selbstkritische Gedanken hoch, denen ich nichts mehr entgegensetzen konnte. Ich kriegte Depressionen und musste ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Was hast du dem Arzt erzählt?

Ich hatte eine nette Hausärztin, der ich auch vertraute und mir war klar, dass sie mir nicht helfen kann, wenn ich ihr nicht die Wahrheit erzähle. Sie hatte zwar kaum Erfahrungen mit ähnlichen Fällen, aber sie sah, dass ich Hilfe brauchte. Und die verschaffte sie mir, indem sie direkt bei einer Neurologin anrief und mir kurzfristig einen Termin besorgte. Nachdem ich mit der Neurologin gesprochen hatte, verschrieb diese mir ein paar Antidepressiva – allerdings mit der Forderung, zuvor mit dem Kiffen aufzuhören und eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Solange ich die Antidepressiva einnähme, dürfe ich nicht kiffen und müsse eine entsprechende Therapie machen. Ich hielt mich daran und schluckte die verordneten Antidepressiva, die auch gut wirkten. Die Neurologin hatte recht, als sie mir vorhersagte: „Sobald sie diese Präparate nicht mehr brauchen, wirken sie nur noch wie Schlafmittel.“ Genau das ist nach einem guten passiert – daraufhin habe ich die Psychopharmaka abgesetzt und war ein paar Monate lang völlig clean.

Und wie hat die verordnete Drogentherapie auf dich gewirkt?

Mein Therapeut war ein studierter Sozialarbeiter, der sich eher mit Alkohol als mit Cannabis auskannte, sich aber sehr um mich bemühte und mir letztendlich dabei half, festzustellen, dass ich – mal abgesehen vom Tabak – nicht körperlich abhängig bin. Obwohl ich Alkohol und Cannabis missbraucht hatte, konnte keine physische Sucht festgestellt werden. Mir wurde schließlich eine Verhaltenstherapie empfohlen, da meine Probleme aus selbst antrainiertem falschen Verhalten im Umgang mit Rauschmitteln resultieren würden.

Hast du diese Empfehlung aufgegriffen?

Ja, allerdings haben mich die drei Probesitzungen nicht angesprochen – obwohl ich es mit verschiedenen Verhaltenstherapeuten probiert habe. Gleich mit der ersten Therapeutin kam ich nicht klar – da hat die Chemie einfach nicht gestimmt. Beim Zweiten habe ich mich zwar schon wohler gefühlt, aber ich merkte bald, dass mir die Kraft für so eine Aufarbeitung fehlt. Inzwischen ging ich wieder regelmäßig zur Uni gegangen, da ich nun doch wieder studieren wollte. Außerdem hatte ich mir einen Job gesucht, da man ja von irgendetwas leben muss. Dazu dann noch diese tiefgreifende Therapie, die mich so forderte, dass ich auf den darauffolgenden Tagen immer völlig knülle war – das war einfach zuviel für mich.

Wieso hast du dann aber wieder mit Cannabis angefangen?

Ich hatte und habe nun mal Lust auf Rausch. Mit Alkohol wollte ich nicht wieder anfangen und da blieb dann für mich nur Cannabis, da ich auf andere illegale Drogen gar nicht stehe. Anfangs rauchte ich nur ganz selten und sehr bewusst wieder mit – warum sollte ich auch nicht mal in gemütlicher Runde mit Freunden an einem kreisenden Joint ziehen. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht immer nur nehmen, sondern auch mal was geben wollte. Also habe ich mir schließlich wieder ein bisschen Gras gekauft, um auch selber mal einen drehen und auf die Reise schicken zu können. Das war in gewisser Weise mein Widereinstieg, denn von da an habe ich mir dann auch hin und wieder allein daheim einen gebaut – einfach zum entspannen oder runterkommen. Irgendwann rauchte ich dann wieder jeden Abend und irgendwann dann auch wieder mittags.

Und wie ist das heute? Hast du einen Job, bei dem das geht?

Zwischenzeitlich sah es auch da mal ganz schlecht aus, aber jetzt gehe ich auch wieder regelmäßig arbeiten und gebe mein Bestes. Zum Glück habe ich einen Job gefunden, wo mein Cannabiskonsum weitgehend toleriert wird – wenn ich mir hier also nach dem Mittag einen kleinen drehe und danach immer noch gut funktioniere, hat damit keiner ein Problem.

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