Die ökonomische Bedeutung von Cannabis

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Von Jorge Cervantes jorge@marijuanagrowing.com

Wenn Sie im Cannabis-Business tätig sind, dann erzielen Sie in den nächsten Jahren so viele Einnahmen wie nur möglich. Die Legalisierung hat die Schleusen für alle geöffnet. Früher waren es nur wenige von uns, aktive Personen mit viel Eigeninitiative, die an Cannabis, Abenteuer und eine tolle Zeit glaubten. Um in der Cannabisbranche zu arbeiten, musste man an sich selbst glauben und hart im Nehmen sein. OK, es gab auch Träumer, gesellschaftliche Außenseiter und wirkliche Kriminelle. Unter welche Kategorie waren Sie einzuordnen? Ich war eine Mischung aus Traumtänzer und Außenseiter. Wie mich mag die Gesellschaft vielleicht auch Sie als einen Kriminellen diffamiert haben. Heute gelten wir als Visionäre, die in die Zukunft sehen konnten!

In der jetzigen Zeit hat die Cannabisindustrie an Legitimität gewonnen. Eine völlig neuer Typus von Pflanzenexperten, darunter Ärzte, Krankenschwestern, universitär ausgebildete Botaniker, Farmer, Wissenschaftler und Geschäftsleute, hat sich bei uns eingereiht. Diese Jungs sind seriöse Profis und die meisten von ihnen sind finanziell gut ausgestattet. Es ist nicht so wie in früheren Zeiten, als man einen großen Plantage einrichtete oder eine Ladung Dope beförderte. Der Cannabis-Rausch brachte auch die neuen Typen des oportunistischen “Sesselexperten”, schnell reich werdenden Betrügers und gewöhnlichen Gauners hervor. Viele von ihnen tragen Anzüge und Krawatten. Vorsicht!

Es folgt eine Geschichte des Cannabis aus wirtschaftlicher Sicht (in Kurzform). Beachtenswert ist, wie die Legalisierung eine “schöne neue Welt” voller andersartiger Unternehmer hervorbrachte. Der Farmer steht auf der untersten Sprosse der Leiter und trägt die Kosten.

Industriehanf wurde im Umland aller großen Seehäfen der Welt angebaut. Die Fasern wurden zur Herstellung von Segeltuch, Hanfseilen und anderen Produkten verarbeitet. Dies ist einer der Hauptgründe für die weltweite Verbreitung von Cannabispflanzen. Bevor Baumwolle populär wurde, man Nylon und andere synthetische Fasern erfand, war Industriehanf die Hauptquelle für Seile, Leinwand, Papier usw. Doch 1933 wollte der Verleger William Randolf Hurst, dass Hanf verboten wird, was seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen zugute käme. Man sehe sich den Film “Reefer Madness” von 1936 auf YouTube an, ebenfalls ein Produkt der von Hurst unterstützten Propagandamaschine der US-Regierung.

Dann war Hanf nach der US-Regierung plötzlich keine Droge mehr, die von degenerierten Menschen konsumiert wird. Sie verlangten von den Farmern, Industriehanf anzubauen, um den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Der auf YouTube verfügbare Film “Hemp for Victory” von 1942 forderte patriotische Farmer auf, Hanf zu pflanzen, um zum Sieg beizutragen. Mit der Blütezeit des Hanfs war es nach dem Krieg vorbei, als die US-Regierung die Cannabisprohibition wieder einführte. Die Politiker fanden es lohnender, Cannabis als Mittel zur Diffamierung mexikanischer Arbeiter, Schwarzer, Musiker und Anderer einzusetzen, die sie als Problemverursacher betrachteten. Cannabis war nicht mehr die Hanfpflanze, sondern verwandelte sich in eine asoziale Droge. Ein neues Wort, “Marihuana”, das mexikanische Slangwort für Cannabis, wurde übernommen.

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Ryan Doran und Dave Feichko von Thailand Organic Cannabis sind zwei wegweisende Cannabisanbau-Unternehmer aus Kalifornien, die in die Tropen expandierten, wo es am Know-how fehlt, doch die Produktionskosten niedrig sind

Die Droge Cannabis, Marihuana, gewann in den 1960er Jahren wieder an Popularität, als sie von Veränderungen anstrebenden Personen begeistert aufgenommen wurde. Marihuana wurde rasch zu einem internationalen Symbol der Rebellion. Mit zunehmendem Marihuanakonsum wuchs auch der Markt. Mitte der 1970er Jahre setzte bei den Preisen für weibliche Cannabisblüten ein Aufwärtstrend ein, der bis heute anhält. Es entstand eine große Schattenwirtschaft, die ein breites Spektrum von Anbauern und Händlern anzog. Begriffe wie “Sinsemilla-airs” und “Green Gold” wurden geprägt und wiesen auf die erlangten Vermögen hin. Der illegale Markt wurde sehr lukrativ, und er wurde durch ein mit unbegrenzten Mitteln ausgestattetes drakonisches politisches, gerichtliches, Strafverfolgungs- und Gefängnissystem bekämpft. Zahlreiche Anti-Cannabis-Gesetzen traten in den USA und international in Kraft, um das Verbot umzusetzen.

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hat buchstäblich “das Buch” geschrieben über den legalen Anbau von Cannabis in den USA

 

Wissenschaftliche Erkenntnisse und die Vielzahl von “Marihuana-Drogenabhängigen”, die etwa 10 Prozent der Gesellschaft auf allen sozioökonomischen Ebenen ausmachten – das war zu viel für den politisch gesteuerten drakonischen Vollstreckungsapparat. Die Politiker entschieden, dass es vorteilhafter sei, Cannabis zu legalisieren als dass Marihuana illegal bleibt. Leider glauben einige Neinsager immer noch an das schwachsinnige Gerede, Cannabis sei schädlich für die Jugend. Wer den Nutzen von Cannabis leugnet, verfolgt gewöhnlich Absichten, die mit politische Zielen und natürlich Geld verbunden sind. Ironischerweise haben die Eigenschaften von Cannabis einen ganz neuen Zweig der Medizin hervorgebracht, der in hohem Maße Kindern hilft.

Medizinisches Cannabis

Die modernen Entdeckungen in der Medizin begannen im 19. Jahrhundert. Springen wir weiter ins Jahr 1963, der Isolierung des CBD – und 1964, THC – durch Dr. Mechoulam. Cannabinoidrezeptoren wurden 1990 (CB1) und 1993 (CB2) geklont, was belegt, dass Säugetiere (Menschen) sich zusammen mit Cannabis entwickelten. Diese Entdeckungen zusammengenommen enthüllten das Endocannabinoidsystem und lieferten den wissenschaftlichen Beweis, dass es einen völlig neuen Zweig der Medizin geben könnte.

1996 verabschiedete Kalifornien die “Proposition 215” (Gesetzesvorlage mit anschließendem Volksentscheid), die medizinisches Cannabis erlaubte. Zwölf Jahre später gab es in Kalifornien mehr als 200.000 medizinische Patienten. 2010 wurde Sativex, das erste von der Regierung zugelassene pflanzliche Cannabisprodukt, für den Verkauf freigegeben. Der Hersteller GW Pharmaceuticals, ein börsennotiertes Unternehmen, ist der erste multinationale Konzern, der die Cannabis-Arena betrat.

Anbau von medizinischem Cannabis

 2018 wurde in den USA der Hemp Farming Act verabschiedet, welcher alle Schleusen für den Anbau von CBD-reichem Cannabis öffnete. Im darauf folgenden Jahr wurde Lageberichten zufolge auf mehr als 20.000 Hektar angebaut. Doch dies macht nur äußerlich einen blendenden Eindruck. Die Realität sieht ganz anders aus, wenn wir uns die Menge des geernteten Cannabis und die Profiteure ansehen. Zum Beispiel ernteten die Bauern in Arkansas, einem landwirtschaftlich geprägten US-Bundesstaat, weniger als die Hälfte des CBD-reichen Cannabis, das angepflanzt worden war, und 94% von ihnen verloren Geld!

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Cedar Gray, Besitzer von Siskiyou Sungrown Farms in Süd-Oregon, inspiziert einen CBD-reichen Blütenstand. Für ihn ist alles Geschäft, für das er auch einen Insektenkundler beschäftigt

 

Die Dynamik beim Anbau von 10 Hektar Cannabis ist eine ganz andere als bei der Kultivierung in einem 100 m2 großen, mit Cannabispflanzen vollgepackten Gewächshaus. In den USA lag der Durchschnittspreis eines CBD-Stecklings 2019 bei 4 Dollar, und Saatgut mit einer Keimungsrate von 85 Prozent kostete etwa 4.400 Dollar pro kg. Die Kosten für die Anpflanzung von feminisiertem Saatgut auf einem Hektar betragen 6.500 Dollar, wenn man eine 100-prozentige Keimungsrate annimmt. Das Pflanzen von 4.250 Stecklingen pro Hektar kostet 17.000 Dollar. Die Kosten für das Bepflanzen von 10 Hektar mit Stecklingen betragen also 170.000 Dollar, mit Samen 65.000 Dollar. Dies erlaubt keine schlechte Keimung und abgestorbene Pflanzen, die nachgepflanzt werden müssten.

Nach Beantragung und Erhalt von Genehmigungen – ein kostspieliges Verfahren – muss Ackerland gepachtet oder gekauft werden. Das Feld ist zu bewässern und zu düngen, Unkraut zu jäten. Rechnet man das Ernten, die Trocknung und Verarbeitung der geernteten Cannabispflanzen hinzu, belaufen sich die Ausgaben auf 75.000 Dollar pro Hektar, 750.000 Dollar für 10 Hektar. Und dabei haben wir schlechtes Wetter, Krankheits- und Schädlingsprobleme oder unvorhersehbare Geschehnisse – also wie eine weltweite Pandemie, Covid-19 – gar nicht berücksichtigt!

Im Juni 2019 wurde Biomasse mit 10 Prozent CBD (als ganze Pflanzen) verkauft – für 100,50 Dollar pro kg CBD. Bis Oktober fiel der Preis um 50% auf 50,80 Dollar pro kg! Im gleichen Zeitraum wurden Cannabisblüten für 872 Dollar das Kilo verkauft und fiel bis Oktober um 35% auf 566,80 Dollar pro kg.

Dieselben Summen und Prozentzahlen lassen sich auf THC-reiches Cannabis übertragen. Diese Welle der Legalisierung und Produktion von Cannabis kommt gerade erst in Europa an. Viele US-Firmen versuchen derzeit, in den europäischen Markt hineinzukommen. Dabei gibt es für sie im eigenen Land mehr als genug leichtgläubige Trottel.

Beispiel: In einem Artikel des Medical Marijuana Daily wird ein US-amerikanischer Anbauer, Bruce Perlowin, vorgestellt, der die “bahnbrechende Wegmarke von 1.000.000 Dollar in wenigen Tagen” für seine qualitativ hochwertigen Cannabisblüten erreicht hat. Forscht man nur etwas nach, ist zu erfahren, dass sein börsennotiertes Unternehmen, Hemp, Inc., im Jahr 8.302.992 Dollar Verlust machte.

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Der THC-Farmer Craig Johnson, Eigentümer von Alpenglow Farms, hält in einem seiner Gewächshäuser in Southern Humboldt County (Kalifornien) seine Kosten niedrig und die Gewinnspannen hoch

 

Einige börsennotierte Unternehmen bieten Aktien an, die sich, wenn man vom Glück begünstigt wird, als ein gutes Geschäft erweisen können, aber alle diese Unternehmen der Cannabisindustrie bergen (große) Risiken. Sie bringen in ihren Informationsmaterialien immer wieder Behauptungen wie: “Der Cannabismarkt wird bis 2027 den Wert von 70.000.000.000 Dollar überschreiten”. Bitte machen Sie Ihre Hausaufgaben!

Und denken Sie darüber nach, welche Rolle Sie in der schönen neuen Welt des Cannabis einnehmen wollen. Sind Sie ein seriöser Forscher und Unternehmer, der im früheren Leben ein Außenseiter, ein Träumer oder ein Ganove war?

Jorge Cervantes ist Autor der Cannabis Encyclopedia (596 Seiten, mehr als 2000 Farbbilder, großes A4-Format) und von Marijuana Horticulture (alias The Bible). Beide Bücher sind weltweit bei allen Amazon-Händlern erhältlich. Die Cannabis Encyclopedia enthält ein ausgezeichnetes Kapitel über Wasser. Kontaktieren Sie Jorge auf www.marijuanagrowing.com
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