Ein Cannabis-Gutachter in Barcelona

Ein Cannabis-Gutachter in Barcelona
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Soft Secrets führte ein Interview mit Ross Hudson, einem in Europa lebenden Amerikaner, dessen Job es ist, in Barcelona Cannabis zu testen. Er wurde befragt zu seiner Rolle als Cannabis-Gutachter und gebeten, sich als Experte zur Social Club-Szene zu äußern, um mehr Klarheit über die behördlichen Bestimmungen in Barcelona zu schaffen. Da er schon von früh mit Cannabis zu tun hatte, befragten wir Russ zu seinen Gedanken über die heutige Canna-Szene und seine Ansichten über den richtigen Anbau von Cannabis.

SSUK: Wie hast du deine Arbeit als Marihuana-Gutachter begonnen?

Ich habe in gewissem Maße schon immer mit Cannabis gearbeitet – seit ich so etwa 12 war. Ich war damals ein Straßenkind, verkaufte kleine Mengen Marihuana um gerade genug Geld fürs Essen zu verdienen und um in Portland (Maine) im Winter immer ein warmes Plätzchen zu finden. Im Lauf der Jahre wurde dieses armselige Geschäft größer; ich begann schließlich selbst anzubauen und stieg die “Schwarze Markt-Leiter” hoch, bis ich es vom kleinen Dealer zum Zwischenhändler gebracht hatte. Ab einem gewissen Zeitpunkt vermittelte ich große Deals zwischen den Beteiligten und bewegte im Nordosten jahrelang große Mengen Cannabis zwischen den Parteien. Zeitweilig brachte ich Cannabis von Mexiko nach New England in einem LKW, den ich für diesen Zweck umgebaut hatte. Neben dieser Arbeit übte ich auch normale Tätigkeiten aus und die drehten sich – je älter ich wurde – immer mehr um das Schreiben. Um 2007 war ich ein freier Autor und Redakteur in Vollzeit. Kunden fingen an, nach Inhalten zu Cannabis zu fragen, und so begann mein legaler Ausflug in die Arbeit mit Cannabis von Neuem.

Ein Cannabis-Gutachter in Barcelona
Beispiel von einigen Blüten, die einem gründlichen Test und einer zusätzlichen Analyse unterzogen werden.

Welche Versuche und Verfahren führst du beim Testen einer Marihuanasorte durch?

Der Test beginnt immer damit, die Herkunft der Sorte zu untersuchen; ich muss über die Genetik und die Geschichte der Sorte so viel wissen wie nur möglich. Dies schließt üblicherweise ein Interview mit den Entwicklern, Growern oder einer anderen Partei ein, die für die Sorte und/oder ihre Vermarktung verantwortlich ist. Sobald ich über den Background des Cannabis Bescheid weiß, ist das erste, was ich tue, sie genau unter dem Mikroskop auf eine Vielzahl von verschiedenartigen Verunreinigungen zu untersuchen. Wenn keine gefunden werden, fahre ich mit dem Gutachten fort. Dazu gehört eine detaillierte Analyse von Aussehen, Tastgefühl, Geruch, Geschmack, Potenz und Dauer des High. Für jede Besprechung werden etwa 5 Gramm benötigt, die ich so in einer Woche rauche, wobei ich mir ständig Notizen mache. Danach verwende ich meine Notizen und andere Angaben, um eine ausführliche Besprechung zu schreiben, wenn der Beitrag auf meiner Webseite gepostet werden soll oder er für einen Kunden ist. So ist der Ablauf bei Besprechungen. Für Kunden, die vor dem Verkauf, nach der Ernte etc. von mir ein Gutachten haben wollen, ist die Vorgehensweise normalerweise die gleiche, benötigt aber nicht diese sieben Tage.

Wie werden die aus den Versuchen gewonnenen Informationen verwendet?

Das Testen von Cannabissorten verfolgt üblicherweise einen doppelten Zweck: einen umfangreichen Bericht auf meinen Seiten oder den Seiten meiner Kunden zu erstellen, und um Sorten für die Kunden vor dem Verkauf, nach dem Anbau, nach der Nachbehandlung zu begutachten, die Sorten von Konkurrenten zu bewerten usw. Ich werde auch häufig von Kunden angerufen, damit ich Sorten evaluiere, die in der Entwicklung sind oder welche, die vor kurzem stabilisiert worden sind bzw. kurz davor stehen.

Ein Cannabis-Gutachter in Barcelona
Viele Social Clubs haben ein moderneres Layout und Flair, dienen auch häufig als Treffpunkte, was allgemein das Interesse an diesen Clubs fördert.

Wie hat sich die Social Club-Szene in Barcelona die letzten Jahre entwickelt?

Die Social Club-Szene in Barcelona ist sich seit ungefähr 2012 im Wesentlichen gleich geblieben. 2014 startete die Polizei die Operation Sativa, welche in nur 24 Stunden die Schließung von 60 Clubs erzwang. Seither hat in Barcelona eine neue Stadtverwaltung die Kontrolle übernommen. Ada Colau, die neue Bürgermeisterin, hat sich 5 Jahre lang für eine “Amnestie” bereits bestehender Clubs eingesetzt, vorausgesetzt dass diese Clubs nicht gegen Stadtverordnungen verstoßen. Die Verwaltung legte auch Auflagen für die Clubs fest, die – wie unsere Experten im Juni bestätigten – Raum für etwa 40 neue Clubs in Barcelona ließen. Seither haben etwa 10 neue Clubs offiziell eröffnet. Die Art und Weise, wie diese Clubs betrieben werden, hat sich jedoch nicht verändert.

Viele Social Clubs arbeiten ohne eine Lizenz. Trifft dies zu, wenn ja, wie funktioniert das?

Um einen Cannabisclub zu eröffnen, war früher nie eine Lizenz erforderlich. Dann, 2014, stellte die Stadt über einen Zeitraum von ungefähr 8 Monaten “Cannabis Club-Lizenzen” aus. Anschließend stoppte die Stadt die Herausgabe solcher Lizenzen, setzte ein Moratorium für neue Lizenzen für ein Jahr in Kraft, verlängerte den Zeitraum um ein weiteres Jahr, nachdem das erste Jahr abgelaufen war. Der letzte Zulassungsstopp lief dieses Jahr ab und daher wurden neue Lizenzen ausgestellt. Clubs, die eröffnet hatten, bevor diese Lizenzen erhältlich waren, arbeiten mit Lizenzen, aber nicht mit einer Cannabis Club-Lizenz. Einige dieser Clubs sind als Bars und Restaurants registriert, andere als Firmensitze und Büros, und einer oder zwei als religiöse Organisation. Bis wir diesbezüglich vernünftige gesetzliche Regelungen bekommen, wird diese Praxis vermutlich unvermindert fortgesetzt werden, vor allen von Clubs, die unter die Amnestie fielen.

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Russ recherchiert sehr viel über eine Sorte, die er testen wird. Dies bedeutet sich über eine Genetik ausführlich zu informieren, von der Aussaat bis zur Ernte.

Welche sind die besten Social Clubs, die Barcelona-Besucher aufsuchen sollten und warum?

Ein Barcelona-Besucher sollte in den Club gehen, der für ihn der Richtige ist. Manche Clubs sind medizinisch orientiert, andere spezialisiert auf Extrakte und Konzentrate, wieder andere konzentrieren sich auf rohe Blüten usw. Einige Clubs sind sehr belebt, andere gar nicht, manche sind für junge Leute, einige nur für Einheimische, manche für Partyleute, andere für Berufstätige usw. Natürlich ist auch die Lage wichtig; wenn du in der Nähe der Sagrada Familia logierst, wirst du wahrscheinlich in einen nahe gelegenen Club gehen wollen, und nicht in einen in Raval. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich Kritiken zu Clubs verfasse; so können Leute auswählen, welcher ihren persönlichen Bedürfnissen am ehesten entspricht.

Was ist deiner Meinung nach der Unterschied gegenüber dem Marihuana, das in den Staaten erhältlich ist?

Die Vereinigten Staaten sind ein riesiges Land. Das Gras an einem Ort unterscheidet sich sehr stark von dem Gras an einem anderen Ort, deshalb ist das wirklich kein guter Vergleich. In Maine, wo ich lebe, ist das Gras gut, aber irgendwie amateurhaft. 3000 Meilen entfernt, in Kalifornien, gibt es ein Marihuana, von dem viele meinen, es gehört zu dem besten der Welt. Die Leute vergessen, dass die USA ein riesiges Land sind, mit 50 Bundesstaaten, die unterschiedliche Gesetze haben; in einigen Staaten ist Cannabis für die medizinische Verwendung zugelassen, in anderen ist es streng verboten, in manchen ist es auch als Genussmittel erlaubt usw. Man kann das einfach nicht richtig vergleichen. In den USA gibt es Orte, wo Cannabis professionell angebaut wird, und woanders gibt es nur schlechtes Marihuana aus Eigenanbau. Das Gleiche gilt für Spanien.

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Vor dem täglichen Langstreckenlauf bereitet sich Russ vor, indem er eine Yuzu genießt. Sie ist eine sehr beliebte Sativa und wird in der Region als eine der besten angesehen. Wenn Sie Barcelona besuchen, müssen Sie diese Sorte unbedingt ausprobieren.

Deutschland hat kürzlich CBD als Medizin legalisiert. Was denkst du über die CBD-Bewegung und wie wird es deiner Ansicht nach mit ihr in den nächsten 5 Jahren weitergehen?

Ich bin nicht überzeugt von CBD als alleinigem medizinischen Wirkstoff. Wir brauchen noch sehr viel mehr Forschung, aber meine Erfahrung sagt mir, dass sich die Natur nicht überlisten lässt. THC ist genauso wichtig wie CBD, und ich vermute, dass wir dies mit der Zeit als Wahrheit bestätigt sehen. Wenn sich derzeit aber die Leute wegen THC sorgen und CBD-Medikamente bei ihnen wirken, finde ich das großartig! Doch ich denke, das die wirkliche Kraft, die medizinische Wirkung, in der Pflanze als Ganzes steckt. Wenn wir weiter den CBD-Standpunkt vertreten, wird es wohl so weit kommen, dass die Regierungen sagen: Okay, CBD ist eine legitime Medizin, aber es muss dann für “medizinische” Zwecke aus Cannabis extrahiert werden. Folglich wird es nur Pharmakonzernen wie USDA erlaubt sein, diese Medizin auf sichere Weise herzustellen.

Du hast einen kurzen Dokumentarfilm auf VICE. Mit welchen anderen Medien arbeitest du?

Zur Zeit arbeite ich an einer umfangreicheren Dokumentarsendung mit Canal+, die in Marokko produziert werden wird – nach der kürzlich erfolgen Ausstrahlung ihrer Dokumentation über Cannabis, die meine Arbeit in zwei Beiträgen zeigte. Ein Artikel über meine Arbeit wird bald im größten russischen Kulturmagazin veröffentlicht werden, und ich bin in Gesprächen mit anderen großen Medien über die Produktion von Fernsehprogrammen.

Ein Cannabis-Gutachter in Barcelona
Die Arbeit mit Hasch, Blüten und Wachs ist fester Bestandteil der Tätigkeit eines Cannabis-Gutachters.

Was ist dein persönlicher Favorit von all den Sorten, die du bisher getestet hast, und warum?

Gegenwärtig sind Yuzu und Zombie Kush meine beiden absoluten Favoriten. Yuzu ist eine Sativa, die von Club Choko entwickelt wurde, wobei er Chocolope-Genetiken verwendete. Sie ist die am besten schmeckende, am stärksten wirkende Sativa, die ich je probiert habe. Unter Konnaisseuren in Barcelona ist sie als das feinste Marihuana in der Stadt allgemein anerkannt. Zombie Kush wurde von Ripper Seeds in Sabadell (nahe Barcelona) entwickelt. Zombie Kush ist die potenteste Indica, die ich jemals hatte.

Viele Konsumenten von Marihuana verwenden es als Arzneimittel. Machst du das auch und welche Vorteile bringt Marihuana für dich persönlich?

Im Bundestaat Maine bin ich ein anerkannter Patient, der Marihuana nutzt, um Symptome von PTSD (postraumatische Belastungsstörung) zu behandeln. Ich gebrauche Marihuana auch inoffiziell zur Behandlung von Ängsten. Der autobiographische Artikel, auf den ich mich in dem Schriftstück bezog, erklärt dies ausführlicher und geht auch darauf ein, wie ich Marihuana als Hilfsmittel für den Langstreckenlauf – alle zwei Tage 16 km – nutze. Was PTSD betrifft – die Hauptsymptome sind Hypervigilanz und nächtliche Schlafstörungen. Cannabis hilft mir, mich zu entspannen, mein Bedürfnis nach gesteigerter Wachheit abklingen zu lassen, und erlaubt mir nachts friedlich zu schlafen.

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Diese Blüten werden unter einem Mikroskop kontrolliert, auf Verunreinigungen überprüft.

Welche Tipps hast du für Grower, die es zum Konnaisseur bringen wollen und lernen möchten, wie man seine selbst produzierten Blüten so professionell wie möglich testet?

Mein diesbezüglich bester Rat – immer ein Mikroskop benutzen. Wenn du dein Cannabis nicht auf einer mikroskopischen Ebene betrachten kannst, machst du deinen Job nicht richtig. Und wenn man bedenkt, dass so viele Grower betrügen, ist dies für Endverbraucher ebenfalls enorm wichtig. In der Tat befinde ich mich mitten in einem Projekt, welches das Ziel verfolgt, dass die meisten Cannabiskonsumenten tragbare, leistungsfähige und preisgünstige Mikroskope in die Hände bekommen. Ich bin fest davon überzeugt – dies wird zum Säubern der Branche beitragen und Grower zwingen, sich verantwortungsbewusster zu verhalten, und Konsumenten, sich besser zu informieren.
Sie können mehr über die Arbeit von Russ Hudson online lesen unter http://marijuanagames.org/ oder ebenso einen Artikel finden, der die 5 Top Social Clubs der Stadt ausführlich beschreibt, unter folgender Webadresse:
http://marijuanagames.org/the-best-cannabis-club-in-barcelona-2016/
Viel Glück mit deinen Blüten und Extrakten auf dem Weg zum Konnaisseur und denke immer daran: Auch das kleinste Detail ist wichtig!
Von Stoney Tark

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