Hanfmesse in München

Cannabis Events

Bereits im Januar 2015 berichtete Soft Secrets über die Cannabis XXL und das Volksbegehren in Bayern. Diese erste Hanfmesse nach elf Jahren auf deutschem Boden fand vom 10. bis 12. Juli ausgerechnet in München statt, und sie wurde zu einem medialen Erfolg: Fast alle Zeitungen in Süddeutschland berichteten darüber, und das Ereignis wurde sogar überregional wahrgenommen.

Nach dem Presserundgang nahmen Abgeordnete aus dem Bundestag und aus mehreren Landtagen an der politischen Diskussion teil. Georg Wurth vom DHV und Michael Knodt als bekannter Aktivist waren auch mit dabei. Rund 40 Aussteller waren auf der ersten deutschen Hanfmesse zugegen, und einige Szenegrößen aus Politik und der Legalisierungsbewegung vor Ort fehlten ebenfalls nicht. Wegen des Poststreiks konnte die geplante Unterschriftenübergabe für das Volksbegehren „Ja zur Legalisierung von Cannabis in Bayern“ (www.ja-zu-cannabis.de) noch nicht eingereicht werden. Dieses geschah am 11. September 2015 im Zuge einer Demo.

Ansonsten verlief die www.cannabisxxl.de fast nach Plan: Eigentlich wären mehr Aussteller und Besucher zugegen gewesen. Allerdings litt die Veranstaltung unter offener und interner Kritik von vielen Seiten, so, wie auch einige Aussteller genau wie die Besucher Angst vor der bayerischen Repression hatten. Es war klar, dass Seedbanks und Stecklingshändler keine große Stände buchten, es war nicht ein einziger Vertreter dieser Sparte auf der Messe zugegen. Es fiel jedoch auf, dass außer dem XDream Gifthouse kaum ein Head- und Growshop vor Ort mit den typischen Waren wirklich sichtbar war. Es wurden kaum Filter, Lampen, Bongs usw. ausgestellt. Der Headshopbereich war in dieser Hinsicht etwas dezenter vertreten, aber Messegäste, die sich für Growartikel interessierten, fuhren enttäuscht weiter. Der Fokus lag definitiv auf der kompletten Nutzhanfreihe: Lebensmittel, Kosmetika, Baustoffe, Textilien und vor allem CBD! Mindestens an jedem fünften Stand enthielten einige der Produkte Cannabidiol: Kosmetika, E-Liquids, Gesundheitsprodukte und auch Lebensmittel. Amour als Anbieter für Massageöle und Gleitcremes (eher auf Erotikmessen anzutreffen) hatte in seiner Hanflinie jedoch noch kein CBD enthalten, vielleicht kommt das dann nächstes Jahr.

Es ist demnach naheliegend, dass Endoca als Hauptsponsor (Hans Söllner live auf der Endoca-Bühne) CBD vertreibt. Dennoch war deren Messestand klein und unscheinbar. Trotzdem stießen alle CBD-Produkte auf reges Interesse. Geht es um CBD, dann hat Endoca als Unternehmen aus Dänemark mit Zweigniederlassung in Los Angeles die Nase derzeit weit vorne: Geboten werden CBD-Produkte bis zu 98 % Wirkstoffgehalt, so die Website. Entscheidend ist bei CBD-Extrakten und allen -Produkten innerhalb der EU, dass der THC-Gehalt unter 0,2 % liegt. Wer aus Nutzhanfblüten einen CBD-Extrakt herstellt, liegt vermutlich darüber und macht sich dann strafbar. Wer höhere Konzentrationen benötigt, sollte deswegen aus dem Fachhandel legale CBD-Produkte mit hohen Konzentrationen, aber unterhalb 0,2 % THC erwerben! Weit mehr Besucher konnte jedoch der E-Liquid-Stand mit CBD Liquid für sich begeistern: Toni Straka vom Hanf-Institut ließ sie alle zur Probe ziehen, und viele wollten direkt kaufen, CBD ist der Hit (bei einigen wirkt es jedoch nicht, nur wenig oder nur mit höherer Dosis, man sollte es wenigstens einmal probieren)! Neben CBD-Extrakten und CBD-Liquids fanden auch CBD-Seifen von Sativacare, CBD-Pflegeprodukte für Hautprobleme von Grüne Besserung und diverse CBD-Produkte von Hanf-Zeit großen Anklang, es handelt sich derzeit um den Boommarkt innerhalb der Hanfprodukte!

Aussteller reisten aus Deutschland, Dänemark, Österreich und Tschechien an, tschechischer Hanfbeton stieß auf reges Interesse der Messebesucher. Es wird eine doppelwandige Mauer aus Holzplatten in Etappen nach oben geschalt, und täglich wird der Hanfbeton mit einer Höhe von ca. 50 cm hinein gegossen. Mehr kann nicht auf einmal gegossen werden. Dem Mörtel werden Hanfpflanzenteile hinzugegeben. Derartige Baustoffe mögen derzeit etwas teurer sein, sie sind jedoch für Umwelt und Mensch gesünder und angenehmer: Die Wände enthalten keine Giftstoffe, können besser atmen, leiten die Sommerwärme langsamer und lassen sich mit weniger Energie herstellen. Wir waren dennoch etwas skeptisch: „Ist das nicht gefährlich? Nachts könnte jemand kommen und das Haus rauchen?“ Wir hakten mehrfach nach und erhielten als Antwort: „Unser Beton ist feuerresistent.“

Ein weiteres Highlight war der Berliner Hanf-Showkoch Danny Wagenfeld: Dreimal verheiratet, dreimal glücklich geschieden, lässt er nichts anbrennen, denn er kann kochen! Danny kocht mit Hanf, aber er benutzt die Pflanze nicht nur in der Küche. Immerhin ist er Koch und weiß, wovon er spricht: Hanf ist eine Ausstiegsdroge, nicht nur für Köche! Unser süßer Danny hat eine Leidenschaft für Zucker und gibt diesen großzügig an den Salat, so, wie er auch Hanfsamen karamellisiert und Hanfbutter und diverse Messe-Hanfprodukte zum Kochen verwendet. In Bayern natürlich ohne Wirkstoffe. Danny kocht und nascht jedoch besonders gerne mit Wirkung!

Der Höhepunkt der Cannabis XXL war auf jeden Fall Hans Söllner. Weitere Musiker wie Uwe Banton, Yah Meek, Wasteland und Flo Söllner konnten viele Messegäste für sich gewinnen, aber für Hans Söllner reisten sie in Scharen an: Der Sonntag war der bestbesuchte Messetag, zur Autogrammstunde ab 18 Uhr wurde es merklich voller. Von 20.30 bis 22.30 Uhr verzückte Hans Söllner seine Fans mit musikalisch vorgetragenen kritischen Inhalten. Der Mann hat immerhin seine Lieder über die Polizei und Bayern nicht grundlos getextet: Er hat viele anmaßend-freiheitsberaubende Erfahrungen selber machen müssen. In ganz Deutschland nimmt Bayern einen eigenen Stellenwert in der Härte der Repressions-Erlebnisberichte ein, und trotz all dieser psychischen Gewalt gegen harmlose Zivilisten gibt es in Bayern pro Kopf im gesamtdeutschen Vergleich die meisten Drogentoten: Wenn Drogen schon so schlimm sind oder sein sollen und man dazu noch vom System fertig gemacht wird, hängen viele nicht mehr am eigenen Leben.

Eben deswegen kam Hans Söllner gerne zur Cannabis XXL, um diese Veranstaltung darin zu unterstützen, ein deutliches Zeichen zu setzen: Uns harmlosen Zivilisten reicht es, wir wollen nicht, dass ein Krieg gegen uns geführt wird, der das eigentliche gesellschaftliche Problem darstellt! Wir leben als freie, selbstbestimmte, mündige Bürger in einem freien demokratischen Land und müssen uns als Erwachsene in unserem Wohnzimmer bei Handlungen, die nur uns selber betreffen, bevormunden und kriminalisieren lassen. Wie soll das zusammen passen, dieses mit dem Schutz unserer Gesundheit und der Jugend zu begründen, während die Industrie unseren Lebensraum Stück für Stück verseuchen darf und wir mit jeder Generation anfälliger und kränklicher werden? Der Staat und die Multis können es machen, aber der Bürger darf nicht mal für sich selber zwei Gramm fürs Kiffen besitzen?

Kritisches Fazit zur Cannabis XXL:

Viele waren mit dem Veranstalter Vaclav Wenzel Cerveny von Anfang an mehr als kritisch: Als Ex- Wirt kandidierte er ausgerechnet für die Bayernpartei, da er ein Sprungbrett für sein Anliegen brauchte und nur diese ihn annahm: Er möchte für Wirte und deren Gäste Raucherräume in Gaststätten! Er biss mit diesem Unterfangen auf Granit, wurde jedoch während seiner öffentlichen Aktionen durch Hanfpatienten sensibilisiert und erkannte Folgendes: Diesen Menschen wird durch unnötige Verbote nicht nur die persönliche Freiheit eingeschränkt, ihnen und der ganzen Gesellschaft wird erheblicher Schaden zugefügt. Das muss sich nicht nur ändern, sondern hier kann man aufgrund der internationalen Entwicklung derzeit besser Fuß fassen (nicht, dass er die Wirte und ihre Gäste vergessen hätte).

Er plante die erste deutsche Hanfmesse nach elf Jahren ausgerechnet in München, an dem Ort, an dem die Repression am härtesten in ganz Deutschland zugreift. Die Leute haben ihm nicht geglaubt, sie haben nicht an die Sicherheit geglaubt, sie haben den Beweggrund des Nichtkiffers nicht verstanden und ihm eine kommerzielle Motivation unterstellt. Wenzel vertreibt viele Hanfprodukte nicht nur im Hanfladen in der Nähe vom Isartor an der Morassistr. 4, sondern auch auf der Cannabis XXL und anderen Veranstaltungen sowie nun auch online auf www.shop-cannabis.de. Viele Helfer arbeiten gegen Unkostenerstattung, um alles zu unterstützten. Von Bereicherung kann derzeit jedoch nicht die Rede sein, da jeder eingenommene Euro in das Volksbegehren, die Messe und die öffentliche Präsenz (zusammen mit weiteren eigenen Mitteln) fließt. Einige müssen zu diesem Zweck natürlich auch als Unternehmen der freien Wirtschaft beauftragt und voll bezahlt werden. Wenn alles legal ist, will man in jedem Fall weiter wirtschaften und mit allen zusammen auch was verdienen. Sich seine Freiheit erkämpft zu haben, wäre jedoch auch ein Lohn.

Auf der Cannabis XXL bedankte sich Vaclav Wenzel Cerveny bei der Soft Secrets, da wir den ersten objektiven Medienbericht lieferten. Auf diesen bezog man sich mit jeder Pressemappe und immer dann, wenn es Sinn machte. Dank unserer Objektivität sprangen andere Medienkanäle auf und der Veranstalter konnte auf diese Weise Aussteller für sich gewinnen. Damit hat die Soft Secrets einen sehr wichtigen Beitrag geleistet, damit die Cannabis XXL zu einem medialen Erfolg werden konnte. Jedoch war die Messe insgesamt eher ein finanzieller Misserfolg, da vermutlich aus Angst vor Repression nicht genügend Besucher kamen und viele Aussteller wenig Interesse hatten. Andere Gäste kamen vielleicht nicht, da sie politische Veranstaltungen meiden. Es waren die Piraten, die PDV und die FDP neben dem DHV, dem Hanf Institut und den CSCs zugegen, so, wie sich selbst ein Diskussionsteilnehmer der SPD (Landtagsabgeordneter Bayern) gegen die derzeitigen Cannabisverbote aussprach (der bayerische SPD-Landtag ist der erste in Deutschland, der Cannabis nicht mehr verbieten, sondern kontrollieren und somit quasi legalisieren möchte). Man konnte theoretisch allem Politischen aus dem Weg gehen, sich die vielen Produkte aus Hanf oder mit Bezug zum Hanf ansehen und auf der Außenfläche in einem Ring aus Bühne und Versorgungsständen oder indoor auf vielen Sitzgelegenheiten chillen. Die Polizei war hier und da präsent, sie hielt sich jedoch im Hintergrund oder schikanierte Passanten an den Nahverkehrs-Zufahrtsmöglichkeiten. Viele haben die Beamten nicht einmal wahrgenommen.

Mit dem ganzen Team möchte man weiter kämpfen und die Zenith-Kulturhalle wurde bereits für den 8. bis 10. Juli 2016 erneut als Veranstaltungsort gebucht. Jetzt ist das Eis gebrochen, dank dem Schutzschirm aus hochkarätigen Politikern ist die Cannabis XXL sicherer, und es wurde wirklich ein großes und abwechslungsreiches Programm geboten. Deswegen sollte es nächstes Jahr größer, bunter und besser besucht werden, so, wie man im Wahljahr 2017 alles noch einmal toppen möchte.

Soft Secrets bleibt kritisch: Ob das Volksbegehren, welches am 11. September 2015 eingereicht wurde (sollte sich der Termin nicht noch nach Redaktionsschluss geändert haben), wirklich durchkommt, bleibt ungewiss. Mit den 25.000 Stimmen wird nur erwirkt, dass ein Volksbegehren stattfinden wird, und hier müssen die Leute nicht nur hingehen, sondern auch dafür stimmen. Auch dann bricht Bundesrecht das Landesrecht, aber Bayern ist ein Freistaat mit gewissen Freiräumen. Selbst wenn die bayerischen Bürger sich für die Cannabislegalisierung entscheiden, wird es sicher zuerst auf dem Rechtsweg abgeschmettert. Dann muss dieser Rechtsweg leider abgewartet werden, aber deutsche Richter haben bislang mehr legalisiert, als deutsche Politiker. Der Rechtsweg wird voraussichtlich Jahre dauern, und in dieser Zeit ist es vielleicht bereits auf anderer Ebene legalisiert worden. Aber wenn die Cannabis XXL bereits 2015 ein medialer Erfolg war und die internationale Entwicklung anhalten wird, dann wird sich all das 2016 und 2017 toppen und somit pushen lassen. Wenn der Hanf für Deutschland nicht von Bayern ausgehend legalisiert wird, so trägt das alles doch dazu bei, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es passiert. Demnach werden wir auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein, wenn die zweite Cannabis XXL stattfindet.

 

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