Mehr Wurzeln = Mehr Früchte!

Teil Eins: Mutter Natur – Freund und Feind!!

Gesunde hydroponisch gewachsene Wurzeln

Das Wachstum der oberen Spitzen mag letztendlich das Ziel sein, doch darüber darf man nicht das Fundament vernachlässigen, auf dem die Pflanzen gebaut sind. Wir konzentrieren uns darauf, die Entwicklung eines gesunden Wurzelsystems zu fördern, um dadurch ein gesünderes Wachstum und größere Erträge zu bewirken.

Einigen wir uns zuerst in diesem Punkt: Die Wurzeln sind der wichtigste Teil der Pflanze. Sie sind verantwortlich für die Lieferung von Wasser und Mineralien. Die Menge an Wasser und Nährstoffen, die eine Pflanze aufnimmt, steht in unmittelbarem Zusammenhang zu ihrer Wachstumsgeschwindigkeit und schließlich zur Größe der Früchte, die sie erzeugt. Ohne eine gut ausgebildete Wurzelzone werden wir keine gut entwickelten Blütenstände erhalten.

Aber können sich Wurzeln nicht genug um sich selbst kümmern? Gut, in den meisten Fällen ja, bis zu einem gewissen Maße. Aber wenn Wurzeln nicht bekommen, was sie brauchen, werden sie unter Umständen beschädigt und dann fangen die Probleme an. Ein geschädigter Wurzelbereich ist verwundbar und die Natur wird eingreifen und attackieren! Krankheiten (oder Krankheitserreger) werden in die Wurzelzone einfallen und im günstigsten Fall nur das Wachstum drosseln, schlimmstenfalls aber die gesamte Ernte ruinieren.

Nun, wie lässt sich eine Attacke verhindern? Erstens, die Wurzeln mit dem versorgen, was sie brauchen. Ein gut drainierender, durchlüfteter Wurzelbereich, der sauber ist und bei der richtigen Temperatur gehalten wird – möglichst um die 22 °C – hält die Wurzeln gesund und glücklich.

Eine elementare Tatsache sollte einen motivieren, sich um die Wurzeln zu kümmern: Unter Stress geben sie ein Hormon namens Ethylen ab; dieses Hormon wird von einigen Krankheitserregern als ein Zeichen von Schwäche wahrgenommen und provoziert den Angriff!

Die Bösewichte unter den Invasoren

Wurzeln bekommen Probleme, wenn sie von Krankheitserregern attackiert werden. Wie der Name schon sagt handelt es sich bei einem Krankheitserreger um einen Organismus, der in einer Pflanze eine Krankheit verursacht. Sie existieren überall um uns herum (in einigen Fällen auf uns!) und bleiben harmlos, solange die Pflanzen bei guter Gesundheit sind. Doch sobald die Pflanzen beschädigt oder gestresst werden, greifen die Erreger an.

Kenne deinen Feind! Hier ist eine kurze Beschreibung der zwei verbreitetsten Krankheitserreger im Wurzelbereich.

Rhizoctonia

Dieser bodenbürtige Pilz verursacht Wurzel- und Kragenfäule bei Sämlingen und jungen Pflanzen. Wenn eine Pflanze davon befallen ist, zeigen sich kleine weiße Fäden in der Erde und rötlich-braune Flecken kommen auf den Blättern und dem Stängel zum Vorschein.

Wenn Rhizoctonia Kragenfäule bewirkt, bildet sich auf dem Stängel ein Ring von Pilzen, der den Rest der Pflanze von der Versorgung mit Nährstoffen abschneidet. Falls der Hauptstamm eines Sämlings davon infiziert wird, stirbt die gesamte Pflanze ab.

Rhizoctonia gedeiht in feuchten und warmen Umgebungen. Bei Befall muss man dafür sorgen, dass Pflanzen nicht zu viel gegossen werden und die Temperaturen im Anbauraum nicht zu hoch sind; so lässt er sich unterdrücken (auch durch eine frühe Anwendung von Trichoderma).

Geht ein Bestand wegen Rhizoctonia verloren, muss alle Erde und sämtliches tote pflanzliche Material aus dem Anbauraum unbedingt entfernt werden – danach alles gründlich abschrubben und neu anfangen.

Pythium

Unter allen Krankheitserregern, die Pflanzen befallen, ist Pythium derjenige, der den Eigenanbauern das Fürchten lehrt – vor allem denen, die hydroponische Umlaufsysteme anwenden, wo die Wurzeln völlig freiliegen (wie beispielsweise bei NFT oder Aeroponik).

Pythium ist besser bekannt als Wurzelfäule oder “Umfallkrankheit”. Ihre Symptome sind einfach auszumachen: Das Wachstum der Pflanze wird gehemmt, Blätter verfärben sich gelb und sterben schließlich ab, die Wurzeln sehen braun aus, werden “matschig” und brechen leicht ab.

Es sind Sporen, die in der Luft und im Wasser leben und sie sind im Anbaubereich vorhanden – ganz gleich, wie hygienisch er ist. Um in den Raum hineinzukommen, gibt es viele Möglichkeiten: auf Schuhen, Kleidern, an den Händen usw., auch mit dem Wasser, vor allem wenn es aus Brunnen, Bächen und Flüssen stammt. Daher ist es wichtig, das Anbaumilieu möglichst reinlich zu halten und darauf zu achten, für die Versorgung der Pflanzen sauberes Wasser zu nehmen.

Wenn aber Pythium sowieso überall um die Pflanzen herum ist, warum gehen sie nicht alle an Wurzelfäule ein? Hier sollte man nicht vergessen, dass es sich bei Pythium um eine “sekundäre Infektion” handelt – die Pflanzen werden nur davon befallen, wenn sie bereits krank oder geschädigt sind, oder falls es mit den Anbaubedingungen nicht zum Besten steht. Er nutzt krankes oder verletztes Gewebe, um die Wurzeln zu besiedeln und verursacht Umfallkrankheit bzw. Wurzelfäule.

In der Natur kommt Pythium häufig in Ackererde, Sand, Teichen, Fließgewässern und den abgestorbenen Wurzeln vorheriger Kulturpflanzen vor. Er findet sich manchmal auch in handelsüblichen erdelosen Substraten und wird durch den Gebrauch von schmutzigen Geräten, Töpfen oder durch allgemein schlechte hygienische Bedingungen leicht in den Anbauraum eingeschleust. Man glaubt auch, dass Trauermücken und Algenfliegen beteiligt sein könnten, wenn Pythium sich von einem Ort zum anderen bewegt.

Pythium kann schlimme Wurzelfäule auslösen, da es nur wenige Rivalen gibt, die seine Aktivitäten eindämmen. Wenn ein Pflanzung mit Setzlingen von Pythium befallen oder bei der Anzucht verseuchtes Wasser verwendet wird, sind schwere Verluste die Folge. Die Wurzelspitzen – sehr wichtig für die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser – werden angegriffen und sterben zuerst ab. Anschließend übernehmen die Pythiumsporen die Wurzelzone und können sich sogar nach oben auf dem Hauptstängel einer sich bereits fest etablierten Pflanze ausbreiten.

Umgang mit Krankheitserregern

Es mag ein Klischee sein, aber der beste Weg, Krankheitserreger im Wurzelbereich zu bekämpfen, besteht in der Prävention. Wir halten unsere Pflanzen in einem gesunden Zustand, dann sind sie sehr viel weniger anfällig gegen Befall.

 

  1. Die Dinge von Anfang an sauber halten – Sämlinge und Stecklinge sind am meisten gefährdet, weil sie jung und noch im Entwicklungsstadium sind. Achten Sie auf einen hygienischen Anbaubereich und wählen Sie das Anzuchtmedium sorgfältig aus.
  2. Sterile Schneidewerkzeuge gebrauchen – das Beschneiden einer Pflanze bietet Krankheitserregern eine Gelegenheit einzudringen, daher diese Werkzeuge sauber halten.
  3. Die Mutterpflanze regelmäßig auswechseln – eine gesunde Mutter kann dennoch pathogene Sporen tragen, die von ihr genommene Stecklinge attackieren. Wenn Sie ständig Probleme mit den Stecklingen haben, kann es durchaus an der Mutterpflanze liegen.
  4. Vorsichtig umpflanzen – eine beschädigte Wurzel ermöglicht die Invasion von Krankheitserregern, gehen Sie daher mit jungen Pflanzen während des Umpflanzens und Eintopfens behutsam um.
  5. Für gute Be-/Entlüftung und Luftbewegung sorgen – Austausch der Luft im Anbauraum gewährleistet, dass die Pflanzen gesund bleiben; Luftaustausch ist wichtig, weil er hilft, Blattschimmel zu vermeiden, der die Pflanzen schwächen kann.

 

Natürliche Helfer – Die Guten

Also, der Anbauraum wurde geschrubbt, die Gesundheit der Mutterpflanzen überprüft, bei der Umpflanzung größte Vorsicht an den Tag gelegt, damit die Wurzeln der jungen Pflanzen nicht beschädigt werden – alles wichtige organisatorische Dinge, um die Pflanzenwurzeln gesund zu halten. Falls Sie darüber hinaus ein wenig Hilfe suchen, hat Mutter Natur einige Tricks auf Lager, aber sie könnten etwas befremdlich wirken…

Man höre nur das Wort “Schimmelpilz” und was kommt einem gleich in den Sinn? Schimmlige Badezimmer und Essensreste? Legen wir mal den Joint weg und putzen lieber das Haus! Einige Arten von Schimmel sind zweifellos eine schlimme Sache, aber Mutter Natur hat noch einige Trümpfe im Ärmel, um dem Eigenanbauer beizuspringen.

Mycorrhizen

Das Wort “Mykorriza” bedeutet wortwörtlich “Pilzwurzel”. Mycorrhiza-Pilze dringen in die Wurzelzone einer Pflanze ein, um Nahrung zu erhalten. Dabei fördern diese Pilze die Aufnahme von Mineralien durch die Wurzeln aus dem Pflanzmedium. Diese zusätzliche Nährstoffaufnahme führt zu einer beschleunigten Entwicklung und einem schnelleren Wachstum.

Werden Erde oder Kokos Mycorrhiza-Pilze hinzugefügt, richten sie sich schnell ein und bauen eine symbiotische Beziehung mit den Wurzeln auf, wobei sie Elemente aufspalten und für die Pflanze verfügbar machen, während sie selbst sich von den Kohlehydraten ernähren, die die Pflanze produziert. Man kann sie sich als eine Verlängerung der Wurzeln vorstellen, die eine Erhöhung der Nährstoffaufnahme und der Entwicklungsgeschwindigkeit bewirkt.

Mycorrhiza-Pilze steigern die Aufnahme von Nährstoffen, weil sie ein feines Geflecht fadenähnlicher Stränge ausbilden, sogenannte Hyphen, die als Erweiterung des pflanzlichen Wurzelsystems dienen. Aus jedem halben Inch (ca. 1,3 cm) einer Wurzel, die von Mycorrhiza infiziert ist, können bis zu 3 Meter lange Hyphen herauswachsen. Der Durchmesser dieser Pilzfäden kann ein Fünftel selbst des kleinsten Wurzelhaares betragen und dabei um ein Vielfaches länger sein, was ihnen ermöglicht, Bereiche des Pflanzmediums zu erkunden, die für die Pflanzenwurzeln selbst unerreichbar wären. Indem die Fäden zu den bisher nicht angezapften Nährstoffvorkommen gelangen, erhält die gesamte Pflanze eine bessere Ernährung und eher die Möglichkeit, ihr Potential voll auszuschöpfen d.h. höhere Erträge zu liefern.

Mycorrhiza-Pilze sind in der Hinsicht besonders nützlich, dass sie der Pflanze dabei helfen, an Nährstoffe zu gelangen, die im Pflanzmedium nicht sehr beweglich sind, wie beispielsweise Phosphor und Kalium – erforderliche Schlüsselelemente für kompakte Blütenstände!

Produkte, die Mycorrhiza-Pilze enthalten, können gekauft und dazu genutzt werden, die Pilze künstlich in Erden oder Kokos einzuführen. An den Einsatz dieser Produkte knüpft sich die Hoffnung, dass die Mycorrhiza-Pilze nicht nur das Wachstum und die Vitalität der Pflanze verbessern, sondern sie widerstandsfähiger gegen Stress (z.B. Temperaturschwankungen, zu wenig oder zu viel Wasser, Befall mit Krankheitserregern) machen. Diese Stresssituationen und Probleme sind allen Indoor-Growern – sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Growern – vertraut!

Trichoderma

Trichoderma sind Pilze, die in fast allen Böden und verschiedenen anderen Lebensräumen vorkommen. In natürlichem Boden sind sie normalerweise die am häufigsten vorkommende Pilzart. In den meisten Kompost-Pflanzmedien des lokalen Growshops sind Trichoderma vorhanden – und das aus gutem Grund…

Trichoderma ist ein aggressiver Pilz, der mit Vorliebe die Wurzeln der Pflanze besiedelt. Die kompetentesten Stämme kann man dem Pflanzmedium dazugeben – oder sogar zu Samen – und sie können während sich die Wurzeln entwickeln auf ihnen wachsen. Deshalb entscheiden sich viele Grower, ihre Stecklinge in Trichoderma einzutauchen, weil diese Pilze während des gesamten Lebenszyklus der Pflanze auf ihren Wurzeln bleiben (obwohl es eine gute Idee ist, die Anwendung alle 30 Tage zu wiederholen, damit sie wirksam bleiben).

Wie man weiß kontrollieren die im lokalen Growshop erhältlichen Trichoderma-Stämme alle pathogene Pilze, deren Kontrolle man sich wünscht. Sie arbeiten auf zwei Ebenen:

Trichoderma ist ein parasitärer Pilz, der aktiv einen Wurzelbereich übernimmt und es schädlichen Krankheitserregern wie Pythium und Rhizoctonia schwer macht, um Raum auf den Wurzeln und um Nährstoffe erfolgreich zu konkurrieren. Hat er sich erst einmal auf den Wurzeln einer Pflanze festgesetzt, spürt Trichoderma andere Organismen in der Nachbarschaft auf und wächst ihnen entgegen. Die Trichoderma winden sich dann um den Organismus, setzen Enzyme frei, die deren Zellwände aufbrechen. Auf diese Weise wird der angreifende Organismus paralysiert und inaktiviert.

Wenn sie mit Wurzeln in Kontakt kommen, besiedeln Trichoderma deren Oberflächen und dringen in einige Schichten der Wurzel selbst ein. Dadurch werden die Pflanzen veranlasst, ihre natürlichen Verteidigungsmechanismen in Gang zu setzen, was sie stärkt und weniger anfällig gegen Attacken macht. Lässt man sich vor einer Reise ins Ausland impfen, produziert der Körper im Falle eines Angriffs Antikörper, um den Erreger zu bekämpfen – Vergleichbares geschieht auch hier. Indem die Pflanze gegen die attackierenden Trichoderma ankämpft, rüstet sie ihre Verteidigungskräfte auf und erschwert es dadurch Krankheitserregern in sie einzudringen.

Nun, es sind die Mycorrhiza, die eine schnellere Entwicklung und eine höhere Wachstumsgeschwindigkeit bewirken, während die Trichoderma sich um die Verteidigung gegen bzw. Bekämpfung von Krankheitserregern kümmern. Einen Augenblick mal – der aufmerksame Leser wird sich fragen: Ich will von beidem das Beste, aber wenn die Trichoderma so aggressiv sind, greifen sie nicht die Mycorrhiza an, die ich der Wurzelzone hinzufüge?

Es sind zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt worden, um die Wirkungen zu beobachten, wenn beide Pilze der Wurzelzone zugeführt werden, und es besteht ein Konsens darin, dass beide unterschiedliche Aufgaben ausführen und auch zusammenarbeiten können statt sich gegenseitig zu neutralisieren.

Schließlich sollte man daran denken, dass die nützliche Aktivität der Pilze im Wurzelbereich auch ihre Grenzen hat – das ist abhängig von der Menge an Nahrung, die den Pilzen zur Verfügung steht. Sorgen Sie also dafür, dass günstige Bedingungen aufrecht erhalten bleiben, die nützlichen Pilze wenigstens ein Mal in 30 Tagen ergänzt werden, der Wurzelbereich gut versorgt ist, und lassen Sie Mutter Natur ihre Arbeit machen. Happy growing!

 

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