Wieso entscheiden sich immer mehr Menschen für den Eigenanbau? Wir waren zu Besuch bei Nils, einem Hobbygrower, der vor Kurzem erst begonnen hat, sein eigenes Cannabis anzubauen. Vielleicht erfahren wir hier mehr.

Wieso entscheiden sich immer mehr Menschen für den Eigenanbau? Wir waren zu Besuch bei Nils, einem Hobbygrower, der vor Kurzem erst begonnen hat, sein eigenes Cannabis anzubauen. Vielleicht erfahren wir hier mehr.

Hallo Nils, danke das wir dich mal besuchen durften.

Hallo! (grinst) Warum auch nicht. Aber das stimmt schon, seitdem ich growe, lasse ich nur noch wenige Personen zu mir in die Wohnung. Wie ihr seht, ist die Wohnung auch nicht gerade groß, ein Wohn-Schlafraum mit einer kleinen Kochnische und ein Badezimmer. Ich lebe mit meiner Lebensgefährtin und einer Katze hier. Viele Möglichkeiten, ein Grow-Zelt aufzustellen, ohne dass es jemand sehen kann, gibt es hier leider nicht.

Nein, das stimmt. Wer aber diese Art von Zelt nicht kennt, würde es vielleicht als Schrank durchgehen lassen. Wie kommt es denn, dass du dich entschieden hast, selber Gras anzubauen?

Das kam daher, dass ich die letzten zwei bis drei Jahre nur noch gestrecktes Gras bekommen habe. Egal wen man fragte, alle hatten nur noch Haze. Hat man dann dieses angeblich supergeile Haze probiert, war es irgendeine gestreckte Kacke, aber kein Haze. Die Asche war oftmals schwarz und knochenhart, zerdrückte man sie zwischen zwei Fingern, blieb ein schwarzer öliger Streifen. Das war reines Gift, extrem selten fand ich etwas sauberes Gras. Mal bekam ich Magenschmerzen, ein anderes mal waren es Halsschmerzen, die über Tage anhielten.

Ja, das ist in den letzten Jahren immer schlimmer geworden. Das Schlimmste ist, dass viele sogar wissen, dass ihr Dealer gestrecktes Gras verkauft, und es trotzdem weiterhin kaufen. 

Ja, so ging es mir auch. Obwohl ich mehrmals bei der selben Person Mist bekommen habe, ging ich wenige Tage wieder hin. Mit der Hoffnung, dass sich etwas geändert hat. Man hofft einfach.  Mein Glück war, dass ich Anfang 2012 per Zufall den Patrick kennengelernt habe, denn er kannte sich mit dem Thema Cannabis und Eigenanbau sehr gut aus. Wir unterhielten uns über Hasch und Gras, per Zufall hatte ich einen fertig gedrehten Joint in der Tasche, den ich anzündete und ihm weiterreichen wollte. Er aber wollte nicht einmal daran ziehen. Er fragte nur „Homegrowing?“, was ich nicht verstand. Ich antwortete „Nein, Gras“. Man, das ist mir heute noch peinlich (lacht). Er erklärte mir, was er meinte, und gab mir eine Probe von seinem Home-Gras. Das war der Hammer,  ich habe zum erstenmal einen richtig leckeren, fruchtigen Geschmack schmecken können, ganz zu schweigen vom Turn. Ohne kratzen oder brennen im Hals. Ich war hin und weg. Sofort fragte ich ihn, ob er mir jeden Monat 50 Gramm von diesem edlen Gras verkaufen könne, aber das wollte er nicht. Ich begann ihn zu löchern, auszufragen und entschied anschließend, selbst etwas Gras anzubauen. So entwickelte sich dann langsam alles.

Das muss ja echt ein einschlägiges Erlebnis für dich gewesen sein, wenn du sofort selbst anbauen wolltest. Oder hast du schon vorher mal mit dem Gedanken gespielt?

Nein, nicht im geringsten. Dieser Typ hat mir ein wenig die Augen geöffnet. Warum soll ich weiterhin meinen Körper mit Streckmitteln vergiften und mein Geld so aus dem Fenster schmeißen. Ich denke auch, die Gefahr erwischt zu werden, ist beim Einkauf auf der Straße größer, als ein kleines Zelt in der Wohnung zu haben. Außer, man prahlt damit überall herum, was ich auch schon oft erlebt habe. Außerdem deale ich nicht mit meinem Gras.

Das ist vernünftig. Hattest du denn bisher schon mal mit der Polizei zu tun?

Nein, zum Glück nicht, das sollte auch so bleiben.

Wie ging es dann mit deinem Anbau weiter? Hat es sofort auf Anhieb geklappt, so wie du es dir vorgestellt hast?

Ja, auf jeden Fall. Okay, mit etwas Hilfe, aber ich hatte, was ich wollte. Ich erkläre euch das mal kurz. Ich bat diesen neuen Bekannten, Patrick, mir beim ersten Durchgang zu helfen, was er nach längerem Zureden dann zum Glück auch tat. Wir einigten uns, dass er mir bei dem ersten Growversuch hilft, dafür bekam er alles, was über 200 Gramm Ertrag lag. Was natürlich okay war, alleine hätte ich bestimmt weniger Ertrag gehabt. Er listete mir alles auf, was ich brauchte. Angefangen vom Grow-Zelt 1 mal 1 mal 2 Meter. Hinzu kam ein dimmbares 400-W-Vorschaltgerät, einen Adjust-A-Wing-Reflektor, eine 400-W-HPS-Dual-Spectrum (Leuchtmittel), zwei kleine Clip-Ventilatoren, einen Dimmbaren 280m³/h-Lüfter mit einem 300m³/h-Kohlefilter, 25 6-Liter-Töpfe und drei Säcke Erde Light-mix.

Wieviel hast du den für alles zahlen müssen?

Das waren so etwa 800 Euro ohne Pflanzen.

Für welche Genetik hast du dich denn entschieden?

Das erstemal hatte ich 10 Jorges Diamond und 15 OG-Kush im Zelt stehen. Patrick hatte die Möglichkeit, mir Stecklinge für 10 Euro das Stück zu besorgen, also habe ich sie mir über ihn zukommen lassen.

In diesem Schrank versuchte Nils, oben eine Mutterpflanze und unten Stecklinge zu halten.

Entschuldige Nils, nur um es besser zu verstehen. Hast du dich denn anderweitig auch informiert, oder vertrautest du ganz auf die Fähigkeiten deines Bekannten?

Nein, ich habe mir natürlich Bücher zum Thema Indoor-Anbau gekauft und mich auch im Internet schlau gemacht. Es ist ja auch nicht so, dass er jeden Tag zum Gießen kam, aber egal, welche Probleme es gab, ein Anruf genügte, und er hatte immer die richtige Antwort oder Hilfe parat. Das gab mir anfangs Sicherheit. 

Das ist nachvollziehbar. Gab es denn öfters Probleme das er kommen musste?

Nein, das erstemal, als er Stecklinge brachte. Wir pflanzten sie erstmal für eine Woche in 10 mal 10 Zentimeter kleine Töpfchen. Am zweiten Tag ließen zwei von ihnen ihre Blätter so schlaff nach unten hängen, dass ich vom Schlimmsten ausging. Ich rief ihn sofort an, aber es stellte sich heraus, dass die Erde in diesen zwei Töpfen etwas trocken war. Die jungen Stecklinge hatten noch zu kleine Wurzeln, um sich die Feuchtigkeit von weiter unten zu holen, ein wenig Wasser und alles war okay. Ich goss jetzt immer jeden zweiten Tag mit genügend Wasser, und die Pflanzen wuchsen prächtig. Danach topfte ich sie in 6-Liter-Pötte um und ließ sie für weitere zwei Wochen in der Wachstumsphase, unter 18 Stunden Licht und sechs Stunden Dunkelheit. Etwas Wachstums-Dünger bekamen sie erst in der dritten Woche, vorher hatten sie genug Nährstoffe in der leicht vorgedüngten Erde. Ende der dritten Woche stellte ich das Licht von 18/6 auf 12/12, um die Blüte einzuleiten. Patrick kam ein zweitesmal, ungefähr eine Woche nach Umstellung der Zeit, um mit mir die unteren Äste zu entfernen. Er erklärte mir, dass die unteren Blüten nur wenig Licht bekommen und dass somit nur kleine fluffige Blüten entstehen würden. Nach dem Entfernen dieser unteren Zweige steckt die Pflanze ihre ganze Power in die oberen Blüten. Nach zwei Wochen in der Blüte sah man die ersten Blütenansätze. Ab diesem Zeitpunkt sollte ich nur noch Blütendünger verwenden, mit halber Dosierung bei jedem Gießen. Ab der vierten Woche kam noch ein Blütenbooster hinzu, bis zwei Wochen vor der Ernte. Das drittemal kam Patrick ungefähr eine Woche vor der Ernte, um den genauen Erntezeitpunkt auszumachen. Er erklärte mir, dass, wenn zwei Drittel der Blütengriffel sich bräunlich verfärbt haben, die Blüten geerntet werden können. Besser aber wäre ein Taschen-Mikroskop, um den genaueren Erntezeitpunkt auszumachen, da dieser anhand der Trichome besser zu erkennen wäre. Aber da musste ich mich nochmal schlau lesen, soviel wie er mir erklärt hatte, konnte ich nicht auf einmal behalten. Nach insgesamt 13Wochen war es dann soweit, er besuchte mich das viertemal, um mir das Maniküren von Blüten zu zeigen. Zum fünften und letztenmal dieser Session holte er sein Gras ab.

Hier ist schön zu erkennen, dass der Grower die unteren Äste entfernt hat.

Probleme gab es groß keine?

Nein, das erstemal nicht. Nur am Tag der Ernte sah Patrick, dass sich unter den Töpfen ein weißer Pilz gebildet hatte. Ich habe es wohl mit dem Gießen ein wenig zu gut gemeint. Vermutlich waren 25 Töpfe aber auch zu viel für ein kleines Zelt wie dieses. Die Luft kann dann meiner Meinung nach nicht mehr richtig zirkulieren. Sonst gab es anfänglich keine Probleme.

Darf man fragen wieviel du geerntet hast?

Klar, es waren genau 287 Gramm feinstes Gras und 22 Gramm Skuff, welches ich mit einem Pollenshaker von den Schnittresten abgeschüttelt habe. Ich war mehr als happy, kann ich euch sagen.

Das glauben wir dir gerne. Patrick muss sich bestimmt auch gefreut haben, oder?

Oh ja, er nahm sich aber nur 70 Gramm Blüten mit. Vermutlich, weil er selbst nicht mit soviel gerechnet hat.

Wie lange kamst du damit aus, und wie ging es weiter?

Es hat ungefähr für drei Monate gereicht. Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass meine Freundin auch ganz gut beim Verbrauch mithilft. Anfangs wollte sie, dass dieser große schwarze Klotz (Grow-Zelt) hier nur einmal im Jahr, für einen Durchgang, aufgebaut wird. Das hat sich aber jetzt, wo sie das Endergebnis getestet hat, erledigt. Wir beide haben uns mittlerweile regelrecht in die Pflanze Hanf verliebt, es ist ehrlich ein schönes Hobby. Patrick legte mir ans Herz, ich solle mir eine kleine Ecke suchen, wo ich eine kleine Mutterpflanze halten kann, damit ich ihn irgendwann nicht mehr brauche. Das versuchte ich natürlich, aber ohne Erfolg. Ich habe es in einem kleinem Schrank versucht, oben die Mutti und unten die Stecklinge. Aber das war einfach zu klein für eine Mutterpflanze. Ich habe mir ein paar Stecklinge von meinen Pflanzen geschnitten, bevor ich sie in Blüte geschickt habe. Mal sehen, wenn es gut klappt, werde ich das in Zukunft alleine weiter versuchen. Einen Platz für eine Mutterpflanze werde ich wohl erst in unserer neuen Wohnung haben. Ich bemerkte auch beim meinem zweiten Grow, dass es nicht immer so problemlos geht, wie ich mir das anfangs vorgestellt habe. Der Sommer kam, und die Hitze stieg immer weiter an. Tagsüber waren es oftmals über 35° C und nachts noch immer 28° C im Zimmer. Die Luftfeuchtigkeit für die Wachstumsphase war mit 45 % zu gering, ich erhöhte sie auf 65 %,  indem ich zweimal am Tag ein nasses Handtuch ins Zelt hing. Das sollte es aber noch nicht gewesen sein, denn die Pflanzen hatten noch einen Thrips-Befall. Patrick riet mir, die Pflanzen dreimal in Abständen von drei Tagen mit Neemöl abzuspritzen. Dazu sollte ich mit diesem Insektizid auch das komplette Zelt und die Töpfe abwischen. Gesagt getan, nach zwei Wochen war der Befall weg.

Unter den Töpfen bildete sich aber wieder in der Blütezeit so ein weißer Flaum, ich beschloss eine Schicht Perlite unter den Töpfen auszulegen, so dass die Dränage sofort aufgesogen wurde. Seitdem habe ich dieses Problem nicht mehr. Naja, aber die zweite Ernte war leider auch dementsprechend schlechter, nur 178 Gramm Gras plus 15 Gramm Skuff. Ich bemerkte schnell, dass die Probleme erst mit der Zeit kommen und dass man die Pflanzen täglich etwas länger beobachten sollte. Denn nur so kann man Probleme schnell beheben oder sie erst gar nicht aufkommen lassen.

Alle Blätter sind schön nach oben gestreckt, ein Zeichen, dass es den Pflanzen gut geht.

Misst du auch den pH- oder EC-Wert?

Nein, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Wie gesagt, ich habe keine große Ahnung vom Anbau gehabt und wollte es so einfach wie möglich haben. Aber ich denke, dass ich das wohl in Zukunft lernen sollte, denn bisher lag der Ertrag maximal bei 290 Gramm.

Viele sträuben sich vor den hohen Stromkosten und dass sie dadurch erwischt werden könnten, wie gehst du mit diesem Problem um?

Ja, das war anfangs auch meine Sorge, aber ich habe den Strom einfach um 70 Euro monatlich erhöht, mit der Begründung, dass ich ein Terrarium gekauft habe. Als der Heizungsableser kam, habe ich vorher alles ausgeschaltet und Kleidungsstücke ans Zelt gehangen, und alles verlief einwandfrei.

Dann wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt und du noch sehr lange Spaß mit deinen Pflanzen hast. Danke für das tolle Gespräch.

Danke, das hoffe ich doch stark. 

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