Mozart, Bach und Cannabis

Die Gewohnheit, Cannabis zu genießen – ob geraucht, gegessen, getrunken, geschnupft, verdampft oder in welcher Konsumform auch immer – ist bei Weitem nichts neues. Nicht erst in modernen Zeiten kam die Sitte auf, Hanfpräparationen – Marijuana, Haschisch und/oder Haschöl – einzunehmen. Bereits vor Hunderten von Jahren waren es vornehmlich die Naturheilkundigen und Gelehrten, aber auch die Intellektuellen, die Künstler und Kulturschaffenden, die sich mit Cannabis berauschten, inspirierten und belustigten, aber auch Symptome und Erkrankungen heilten.

Die Gewohnheit, Cannabis zu genießen – ob geraucht, gegessen, getrunken, geschnupft, verdampft oder in welcher Konsumform auch immer – ist bei Weitem nichts neues. Nicht erst in modernen Zeiten kam die Sitte auf, Hanfpräparationen – Marijuana, Haschisch und/oder Haschöl – einzunehmen. Bereits vor Hunderten von Jahren waren es vornehmlich die Naturheilkundigen und Gelehrten, aber auch die Intellektuellen, die Künstler und Kulturschaffenden, die sich mit Cannabis berauschten, inspirierten und belustigten, aber auch Symptome und Erkrankungen heilten. 

Johann Sebastian Bach war ein Freund des sogenannten Arme-Leute-Krauts

Zum Beispiel und um nur einige zu nennen: Friedrich Nietzsche (1844-1900), Hermann Hesse (1877-1962) und Mark Twain (1835-1910), Victor Hugo (1802-1864), Honoré de Balzac (1799-1850) und Théophile Gautier (1811-1872) sowie Johann Sebastian Bach (1685-1750), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Werfen wir einen knappen Blick auf die Gewohnheiten einiger der genannten Persönlichkeiten – oder besser auf die wenigen und nur sehr verstreut erhaltenen Dokumentationen, die das Konsumverhalten jener Weltstars zu beleuchten trachten.

Der Komponist und Musiker Johann Sebastian Bach war seinerseits dem guten alten Knaster hingegeben. Auch wenn bis heute zahlreiche Quellen den von Bach verwendeten Knaster als Tabak zu bestimmen vorziehen, so ist damit doch der gute alte Hanf gemeint, denn der Terminus Knaster bezieht sich auf die während des Rauchvorgangs abbrennenden Hanfsamen, die beim Erhitzen aufplatzen und mitunter laute Knackgeräusche verursachen. Johann Sebastian schrieb zusammen mit seiner Frau im „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ von 1725: „So oft ich meine Tobacks-Pfeife, mit gutem Knaster angefüllt, zur Lust und Zeitvertreib ergreife, so gibt sie mir ein Trauerbild – und füget diese Lehre bei, daß ich derselben ähnlich sei.“

Auch der französische Romancier und Schriftsteller Théophile Gautier genoss gern den blühenden Hanf, der vor seiner Haustür wuchs.

Der Philosoph Hegel soll eine Schnupf-tabakmischung mit Zusatz von Cannabis indica gebraucht haben, der Hegel-Forscher Heiner Höfener schrieb einst im Buch „Die Hegel-Spiele“ (München 1977, Rogner & Bernhard, Seite 58ff.) dazu: „Weniger bekannt (…) ist, daß zu jener Zeit der Schnupftabak, dem Hegel kräftig zusprach, mit Cannabis versetzt war und damit eine rauschhafte Wirkung hatte. Dadurch befand sich Hegel ständig in einem euphorisierten Zustand, der sichtbaren und hörbaren Einfluß auf seine Sprache gehabt haben muß. Während seiner Vorlesungen schnupfte er so kräftig, daß die Reste auf dem Katheder ausreichten, um seine Hörer zu erfrischen.“

Ob die Überlieferung stimmt, sei dahingestellt, immerhin hat es in den vergangenen Jahren so manche Ente in die deutschsprachigen und internationalen Medien geschafft – und auch das deutschsprachige Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hatte sich seinerzeit mit einer hanebüchenen Geschichte um Johann Wolfgang von Goethe und seinen Kollegen und Zeitgenossen Friedrich Schiller hinters Licht führen lassen. Nämlich von einem Journalisten, der die weiter unten zu lesende Story aus Mangel an kreativem Input einfach kurzerhand gefälscht, nämlich sich schlicht ausgedacht hatte. Hier der gesamte Originaltext, der weltweit für Aufsehen sorgte und sich bis zum heutigen Datum in manchem Archiv journalistischer Medien hat halten können:

„Beim Mittagsmahle erörterte ich mit Schillern die wunderliche Sitte, welche unter so seinen Studiosi Einzug erhalten, nämlich mittels einer Pfeife ein süßliches orientalisches Harz abzubrennen, über dessen erheiternde Kraft viel Lob zu hören sei. Nach einem angeregten Gespräch darüber, dass in jedem Menschen eine Dreiheit von Menschlichem, Tier- und Pflanzenhaftem walte, welches letztere mittels Einatmung von wieder Pflanzlichem geweckt werde, schlug ich gerne in Schillers Vorschlag ein, sich morgigen Tages an eine Örtlichkeit zu begeben, um in Geselligkeit jenes vielgerühmte Kraut zu rauchen, da hier, wie oftmals, nur naturhafte Anschauung hilft.

Wolfgang Amadeus Mozart war nicht nur ein musikalisches Wunderkind, sondern auch ein Freund von berauschendem Hanfkonfekt.

Daselbst traf ich nebst Schillern drei junge Leute an, geheissen von Spiess, Munster und Bierbichel. Ich wurde auf das herzlichste begrüsst, man schilderte mir, dass man die Pflanzen, eine Abart von Hanf, in liebevoller Kleingärtnerei selber gezogen, geerntet und getrocknet habe, und plauderte aufs angeregteste über Gartenkunst. Darüber ward schon die gekrümmte Pfeife gestopft und von Bierbichel mittels Fidibus in Gang gebracht. Sofort verbreitete sich ein starker Geruch, halb süsslich, halb streng, mit dem Anhauch von verschmorter Gummierung durchsetzt. Cand. iur. Bierbichel setzte das Werkzeug seufzend ab und reichte es von Spiess, welcher zwei Züge nahm und seufzte, worauf Schiller an der Reihe war. Er tat es ihnen nach, wonach ich die Pfeife in Empfang nahm und den Rauch einsog, welcher mich nun überaus parfümiert anmutete. Danach kreiste die Pfeife ein zweites Mal, während sich ein eigentümliches Gefühl, begleitet von einem tiefen Summen, in meinem Kopfe breitmachte.

Nun, hub von Spiess an, nachdem er sich die Lippen befeuchtet, ob es Wirkung zeige? Er jedenfalls spüre, wie das Poetische nur so aus ihm herausbreche. Gerade sei ihm der Satz «Mit dem Löffel muss man das Gleiche aus dem Wirklichen schöpfen» eingefallen. Schiller erwiderte, dass ihm nichts Derartiges in den Sinn getreten sei, allein, ihm sei etwas unpässlich. Darauf bemerkte Studiosus Munster, Unpässlichkeit sei ein Problem am Anfang, der stets schwer sei, und es gäbe sich, ihm, Munster, gehe es augenblicklich ungeheuer wohl. Er, meldete sich darauf cand. phil. von Spiess, fühle sich, als ob er mit dem Weltganzen in gemütlichste Verbindung trete. Man müsse nämlich wissen, dass schon die Altvorderen Hanf gekannt und genutzt hatten – die urdeutsche Gemütstiefe habe hier ihre bäuerlichen Wurzeln … Dito habe er aus sicherer Quelle, dass auch die griechischen Philosophen, Aristoteles allen voran, Hanf gekannt und genutzt hätten … Derlei Wunderlichkeiten brachte er darauf viele hervor, als er durch ein eigentümliches, krankhaftes Kichern Schillers unterbrochen wurde, in welches die anderen sofort einstimmten, ich unwillig mit inbegriffen.

Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel soll regelmäßig Schnupftabak mit Cannabis-Zusatz zu sich genommen haben.

Mein Zustand war der seltsamste: allerlei trübe Gedanken schwirrten um mich herum wie kalte Goldfische in einem Glase, allein ich erhaschte keinen und blieb gelangweilt, was sich mit immer stärkerem Unwillen mischte, als ich bemerkte, dass die drei, die mit Fleiss zu reden anhuben, was wunders sie fühlten und dächten, diese Reden schon oft gehalten hatten, also gleichsam mit der Stimme eines Mühlrades klapperten, wobei sie mir und dem armen Schiller, welchem der Schweiss auf der Stirne stand, mit grosser Wonnigkeit und beständigem Blinzeln Vorträge über die medizinische Wirksamkeit ihres Kräutleins hielten. Hierauf verteilten sie Papier, die aussergewöhnlichen poetischen Steigerungen der Kreatur unter Hanf festzuhalten: Ich schrieb ein, zwei magere Sonette, die wenig Wert hatten, Schiller eine Ballade, beginnend mit den Zeilen «Ein frommer Knecht war Fridolin / Ergeben der Gebieterin», welche noch weniger Wert hatte.

Nachdem von den Studiosi eine weitere Pfeife geraucht, und sie vollends in einen Zustand der stillen Einfalt verfallen, begaben sich Schiller und ich zur Wirtsstube des «Roten Rosses», um dort bei erstaunlichem Appetit zwei Wurstteller «Herzog August» einzunehmen. Über unser Abenteuer waren wir uns schnell handelseinig, es schien uns, nach einem Bonmot Schillers, dass die Wirkung weder besonders übel, dafür aber noch salzloser als die vereinigten Gedichte Klopstocks & Müllers gewesen sei, ferner bemerkte ich, dass jene Studiosi des Hanfs mir vorkämen wie jene lieben Kleinbürger, die auf die Philister schimpfen, dabei aber Gemüt und Gemütlichkeit hochleben lassen, und dass diejenigen, welche Gesundheit preisen, selten sie zu wahrer Tätigkeit nutzen, wohingegen eine umfassende Gesundheit … Aber da sah ich mitten im Explizieren nach Schillern hin und fand ihn schlummernd sitzen, den Kopf auf den geleerten Wurstteller gebettet.“

Ob Johann Wolfgang von Goethe tatsächlich hier und da an einer Hanfpfeife zog, entzieht sich der Kenntnis der Wissenschaft von heute.

Der Text, der Anfang der Neunzigerjahre in der Weihnachtsbeilage der Schweizer WochenZeitung WoZ erschienen war, machte in Windeseile weltweit Furore, verfasst war er vom Schweizer Journalisten Johann C. Seibt worden. Dass Goethe und Schiller sich zunächst einen Fressflash angeraucht und diesen dann mit Wursttellern befriedigt haben sollen, ist letztlich nichts weiter als Nonsens, der dem Kopf und der Feder des helvetischen Redakteurs entsprungen war. Merken wir uns also dringlichst: Wann immer diese Geschichte zum besten gegeben wird, vergessen wir sie einfach, weil sie pure Fiktion ist.

Es gibt allerdings auch Quellen, die eine tatsächliche Affinität klassischer Künstler von Weltrang zum Cannabis belegen. Zum Beispiel im Fall Wolfgang Amadeus Mozarts. Wie im Buch „Cannabis” von Mathias Bröckers vermerkt, genoss Wolfgang Amadeus Mozart in seinen jungen Jahren zusammen mit seinen Gespielinnen mit Cannabis versetzte Süßigkeiten. Kein Wunder: Zur Zeit Mozarts war beispielsweise Haschöl in sämtlichen europäischen Apotheken verfügbar. In Deutschland und Österreich wurde nach Einführung des damals gerade ultramodernen Nicotiana-Tabaks der Hanf abschätzig „Arme-Leute-Kraut“ genannt – bis dahin war schier überall Cannabis angebaut und von den ärmeren Landwirten als Rauchkraut genutzt worden.

Friedrich Schiller soll zusammen mit Goethe zuweilen am Cannabis genascht haben. Ob das stimmt, kann die Wissenschaft heute nicht mit Gewissheit sagen.

Die Lebenszeit Mozarts war geprägt von zahlreichen Leiden und Krankheiten. Schon als Kind hatten den Genius Gelenkrheumatismus, Ausschläge, Mandelentzündung, Pocken, Streptokok-keninfektionen, Erkältungen, Schmerzen, Polyarthritis und zahlreiche andere Zipperlein gequält. Zudem litt Wolfgang Amadeus regelmäßig unter starken Kopfschmerzen. Das könnte ein Grund sein, weshalb Mozart sich intensiv mit Cannabis befasste und die Pflanze bzw. deren Zubereitungen zur Behandlung seiner Leiden einsetzte.

Abschließend betrachten wir die Ausführungen des französischen Schriftstellers Théophile Gautier, der ein großer Fan des Haschischrauschs gewesen war und am 1. Februar 1846 in der Revue des deux mondes, Paris, über die Wirkung des Hanfharzes geschrieben hatte: „Ich befand mich in der glücklichsten Phase des Haschischrausches, die im Orient kif heißt. Jetzt spürte ich nicht mehr meinen Körper; die Bande zwischen Geist und Materie waren nur schwach, der bloße Wunsch brachte mich in eine Umgebung, die mir keinerlei Widerstand bot. So müssen sich, stelle ich mir vor, die Geister in jener duftigen Welt verhalten, in die wir nach unserem Tod reisen.“

Soweit die Einführung in unsere Betrachtung zum Kiff-Verhalten klassischer Weltstars aus Literatur, Musik und Philosophie. In der kommenden Ausgabe erläutern wir dann die signifikantesten Cannabis-Rauscherlebnisse der weltweiten Intellektuellen-Szene.

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