Piraten hochwertiger Markensamen

Heute sind es nicht nur Chanel, Prada und Zigarettenmarken, die nachgemacht und raubkopiert werden.

Das Internet ist wirklich ein Segen für Grower in der ganzen Welt, besonders für jene, die nicht in der Lage sind, sich in real existierenden Läden für ihren Grow-Bedarf unverbindlich umzusehen. Die Tage, als man mal schnell nach Amsterdam fuhr oder einen Freund bat, was zu schicken oder mitzubringen, sind vorbei. Doch die Saatgutbranche ist – wie andere Branchen – durch das Internetz zu einem Opfer der Leichtigkeit geworden, mit welcher Ideen geklaut und kopiert werden können. Das Netz ist – wie es scheint – eine Zufluchtsstätte für windige Geschäftemacher, Cybersquatter (Domänenbesetzer) und Produktpiraten geworden. Heute sind es nicht nur Chanel, Prada und Zigarettenmarken, die nachgemacht und raubkopiert werden. Auch die Namen berühmter hochwertiger Cannabiszüchtungen und das geistige Eigentum daran werden immer häufiger geraubt, denn im Gegensatz zu legitimen Geschäften gibt es dagegen keinen rechtlichen Schutz.

Die Namen berühmter hochwertiger Cannabiszüchtungen und das geistige Eigentum daran werden immer häufiger geraubt

Soft Secrets sprach mit Simon, dem Eigentümer von Serious Seeds und ein herausragender Saatgutzücher der alten Schule, dessen allgemein bekannte Markennamen wie Bubblegum und AK-47 zu den Leidtragenden gehören, die am schwersten von diesen niederträchtigen Aktivitäten betroffen sind.

Soft Secrets: Du sprachst davon, wie die Namen von Züchtungen imitiert werden.

Simon: Ja; es hört sich vielleicht so an, als handle es sich um eine belanglose Sache, aber ich denke nicht, dass es so ist. Es ist weit verbreitet. Richtet man sich beim Kaufen von Samen im Internet nach dem Namen, stellt man sehr häufig fest: Was man bekommt, ist nicht das, was man erwartet hat. Viele Leute versuchen, aus der Popularität bestimmter Namen in parasitärer Weise Profit zu schlagen. Sie konstruieren Piraterie-Webseiten und dabei verkaufen sie manchmal überhaupt nichts. Leute „kaufen” etwas per Kreditkarte und bekommen gar nichts geliefert. Wenn sie Glück haben, bekommen sie unechten Samen, und nur wenn sie sehr viel Glück haben, erhalten sie das echte Produkt. Es ist wirklich weit verbreitet – in Foren usw. wird darüber geschrieben und schließlich sickert es bis zu mir durch.

Wann wurde dir dieses Problem mit der Marken-/ Produktpiraterie zum ersten Mal bewusst?

Bevor ich mein eigenes Unternehmen gegründet hatte. Ich war damals ein Grower, als es Skunk und Northern Lights bereits gab und in Amsterdam existierten Läden, die Samen mit diesen Namen führten und viel billiger als das Original anboten. Markenproduktpiraten gab es also von Anfang an – weil es lukrativ ist und wir in einer Welt operieren, in der es keinen Schutz wie für gewöhnliche Unternehmen gibt. Sie können Klagen anstrengen und alles, was dazugehört, doch in unserer Branche sind wir in unseren Möglichkeiten sehr eingeschränkt, gerade weil wir auf internationaler Ebene operieren. Die Leute wissen das. Grower sind im Grunde genommen Opfer. Sie zahlen an all diese Leute, die sich ihnen gegenüber im Prinzip wie Parasiten verhalten. Ich bekomme auch regelmäßig E-Mails wie diese: “Ich habe diese AK-Samen in diesem oder jenem Laden gekauft – sind sie wirklich echt?” Manchmal sind sie es, und manchmal nicht. Serious Seeds hat eine Liste seriöser Shops auf seiner Webseite, die das echte Produkt verkaufen. Wir garantieren dafür. Es kann auch gefragt werden, ob Shops, die sich nicht auf der Liste befinden, wirklich existieren oder nicht.

Grower sind im Grunde genommen Opfer. Sie zahlen an all diese Leute, die sich ihnen gegenüber im Prinzip wie Parasiten verhalten

Es kommt auch vor, dass Unternehmen Verpackungen bis ins kleinste Detail kopieren und die Samen verkaufen, als ob es sich um das Originalprodukt handelte. Soweit ich weiß, ist Serious Seeds das einzige Unternehmen, das jede einzelne Samenpackung nummeriert, registriert und für diesen Zweck eigens eine Datenbank unterhält. Das machen wir nur wegen dieses Problems.

Wir sind auch das einzige Unternehmen, das auf das eigene Saatgut Garantie gibt – um den Kunden zu schützen. Wenn sie unsere Samen kaufen und schlechte Erfahrungen damit gemacht haben, geben wir ihnen – sogar wenn sie es selber vermasselt haben – neue Samen. Wir wollen, dass sie mit unserem Saatgut angenehme Erfahrungen sammeln und deshalb kommen wir ihnen mit unserem Kundenservice sehr weit entgegen. Und die Liste der seriösen Webseiten, die wir haben, damit sie aufgerufen und näher angeschaut werden können – “ist es eine gute Seite oder nicht?” Das tun wir alles, um den Endkunden zu schützen.

Wieviel Profit erzielen Markenpiraten gewöhnlich mit unechtem Saatgut? Wieviel billiger sind Nachahmerprodukte verglichen mit eurem AK-47 Markensamen?

AK-47 ist nicht der teuerste Samen, aber er ist sicherlich auch nicht billig. Er ist so etwas wie, sagen wir, “obere Mittelklasse”. Ungefähr 80 Euro für 11 Samen. Für Markenpiraten interessant und Anreiz genug für Imitate.

Und es gibt tatsächlich keine Möglichkeiten, sie ranzukriegen.

So gut wie keine, ja.

Würdest du es begrüßen oder anderen Firmen raten, ebenso sorgfältig wie Serious Seeds ihre Varietäten zu dokumentieren und zu kennzeichnen – so zu verfahren wie ihr?

Wie man sieht, besteht das hauptsächliche Interesse sich etablierender Firmen immer noch darin, Geld zu machen. Schon die Tatsache, dass es niemand so macht, zeigt in diese Richtung. Niemand sonst macht es und ich bin auch nicht dazu da, anderen Firmen Ratschläge zu erteilen. Aber wir haben es vom ersten Tag an so gehalten. Ich begann damit, Samen in Röhrchen zu verkaufen und jetzt macht es fast jeder auch, vor allem die spanischen Firmen. Es ist also zu sehen, wie sie gute Ideen übernehmen, aber nicht die umfassende, lückenlose Kennzeichnung. Es würde ja auch eine Menge Ärger mit sich bringen, Nummern zu überprüfen, auf Reklamationen einzugehen. Das Konzept besteht normalerweise darin, einfach nur verkaufen und sich die Hände in Unschuld waschen. Ich weiß nicht genau, wie andere Firmen mit Beschwerden umgehen.

Gibt es unabhängige Webseiten, wo Grower unter sich diskutieren können, welche Samen echt, welche Verkäufer seriös sind und welchen Webseiten man nicht trauen kann?

Ich habe solche Seiten gesehen, obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, wo ich sie gesehen habe. Es gibt auch schwarze Listen, aber ich besuche Foren nicht so häufig, so dass ich nicht mit Sicherheit sagen kann, wo sie waren.

Ich gebe dir ein Beispiel für einen Fall – Ontario Seed Bank (OSB) – ein Shop in Kanada. Es gibt ihn seit einigen Jahren und die Werbeanzeige belegt die gesamte Rückseite der “High Times”. Er pflegte Serious Seeds-Samen von uns zu kaufen. Doch irgendwann gingen bei uns kurz hintereinander einige Beschwerden ihrer Kunden ein und aus dem Inhalt der Beschwerden ließ sich klar ersehen, dass es keine Serious Seeds Samen waren, die sie erhielten. Die Verpackung sah irgendwie aus wie meine, aber nicht ganz. Daher rief ich den Shop an, sprach mit dem Eigentümer, sagte “Hey, ich bekomme hier Beschwerden und die Kunden bekommen keine Serious Seeds von Ihnen; Sie verkaufen offensichtlich Samen, als seien sie von Serious” – und er gab sich nicht einmal Mühe, es abzustreiten.

Seiner Meinung nach tat er nichts Unrechtes. Er hatte unsere Samen eine Zeitlang verkauft und jetzt verkaufte er seine eigenen Samen, als seien sie von Serious. Die erste Argumentation ging, er sei es, der sich wegen möglicher Reklamationen kümmern müsse, und blah blah blah. Also: „Was geht Sie das an? Wenn die Kunden sich beschweren, bin es schließlich ich, der sich damit befassen muss.” Ich sagte: “Sie machen Geld und bringen uns in Verruf. Sie kommen, um unsere Samen zu kaufen, nicht ihre Kopien.” Er glaubte, seine Handlungsweise sei völlig in Ordnung und er macht immer noch so weiter. Von Kunden weiß ich, dass er es mit anderen Firmen genauso macht. Zu derartigen Auswüchsen kann es kommen.

Ich nehme an, solange das Geschäft mit den Samen hauptsächlich auf Amsterdam oder Holland beschränkt war, konntest du Erkundigungen einziehen, vielleicht durch dein Netzwerk persönlicher Beziehungen herausfinden, was im Gange ist, etwas mehr Kontrolle haben, doch mit dem Internet ist es so gut wie unmöglich.

Vor einigen Monaten fand ich heraus, dass heute… Dieses Geschäft begann mit kleinen Saatgutfirmen, Sensi Seeds usw. Nun dreht sich alles um große Unternehmen in Spanien, die gewaltige Mengen an Saatgut erzeugen und an jeden verkaufen. So gibt es heute Coffeeshops oder Growshops und Kneipen oder was auch immer, die sie unter eigenem Namen verkaufen. Mehrere Coffeeshops in Amsterdam haben damit begonnen, Samen unter eigenem Namen zu verkaufen, sie werden alle von einem großen Hersteller gekauft und nun, rate mal. Sie hatten damit angefangen, Samen zu verkaufen, die ursprünglich Serious-Namen sind: Bubblegum, Chronic – populäre Namen.

Also einfach deine Namen klauen und für die eigenen Samen verwenden?

Ja. Die Coffeeshops, die sie kaufen, wissen nicht genug über diese Sache; sie gehören nicht zur Branche und wissen es nicht besser. Es werden ihnen Samen unter diesen Namen angeboten und sie kaufen und verkaufen sie. Glücklicherweise kam ich gleich dahinter und da es keine vorsätzliche, gegen Serious Seeds gerichtete Handlung war, stimmten sie zu, meine Namen nicht mehr zu verwenden. Selbst hier in Amsterdam muss man also auf der Hut sein. Es passiert in Holland – und was international passiert, davon will ich erst gar nicht reden.

Ein Unternehmen in Amsterdam – Spliff – hat eben damit angefangen, Bubblegum, AK-47 zu verkaufen, als sei das völlig normal. Nirvana hatte damit begonnen, AK-47 zu verkaufen, bis ich es vor einigen Jahren bei einem Cannabis-Cup herausfand und fragte: “Was verdammt geht hier vor? Ihr verwendet meinen Namen. Ihr müsst sofort damit aufhören.” Schließlich zeigten sie Verständnis für meine Sicht der Dinge.

Ein schwieriges Problem: Leute, die keinen Finger rühren, um selber Samen zu züchten, haben keine Ahnung, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt. Sie verkaufen einfach Samen mit dem Namen eines anderen und nehmen das Problem überhaupt nicht wahr. Nirvana versprach, den Namen zu ändern, was sie auch taten – in AK-48!

Als eine Variante; Namensvarianten sind in der gesamten Industrie häufig anzutreffen.

AK-47 ist wahrscheinlich der am meisten imitierte Markenname in der Branche d.h. wenn ich für eine Anzeige in einer Broschüre, einem Sortenratgeber oder was auch immer bezahle, dann erscheinen direkt neben meinem Eintrag ein AK-48, ein Jack 47, Kaya 47, Oké 47, Olé 47, AK 74, um nur einige zu nennen. Alles Kopien des originalen AK-47. Sie erscheinen in der Broschüre wie Gleichgestellte, aber ich betrachte sie als Imitate, die meiner Meinung nach dem Original nicht gerecht werden. Doch sieht man sie alle nebeneinander gedruckt, sieht es so aus, als spielten sie alle in der gleichen Liga. Vor allem dann, wenn nur der Name und die Dauer der Blüteperiode gedruckt werden kann und nicht all die Preise erwähnt werden dürfen, die die Züchtung gewonnen hat. Unter solchen Bedingungen mitzumachen ist geradezu herabwürdigend für das Original und für meine Firma.

Was sollten Grower tun, um bei der Wahl ihres Saatguts sicherzugehen?

Am besten überprüfen, welches Unternehmen den Samen hergestellt hat. Namen von Firmen werden im Gegensatz zu Namen von Samen selten kopiert. Wie ich bereits sagte, ich einigte mich bezüglich der Namensänderungen von Samen durch Nirvana, White Label und anderen, aber es gibt immer noch zahlreiche Unternehmen, die irgendwann AK-47 verkaufen. Nach meiner Intervention ändern sie den Namen in etwas, was eine mehr oder weniger deutliche Anlehnung an AK-47 erkennen lässt, und das geht in Ordnung. Aber meine Befürchtung ist: Raucht ein Kunde allein oder zusammen mit Freunden AK-47 und entscheidet irgendwann “Das ist genau das, was ich möchte”, geht zum Shop, fragt nach AK-47 – dann sollte er nicht irregeführt werden durch die gleichen oder ähnlichen Bezeichnungen – und schließlich bekommt er nicht, was er eigentlich will. Das ist meine Hauptsorge. Wenn etwas nur irgendwie an AK-47 erinnert, dann ist es für mich okay. Es gibt Samen mit den Bezeichnungen OK-57, Armageddon 47 und Jack 47. So ist klar, dass sie von AK-47 abgeleitet wurden, ohne dass eine Gefahr der Verwechslung mit dem Original besteht. Hoffe ich jedenfalls.

Ich könnte mir denken, eine Antwort wäre, etwas wie in Amerika zu machen, wo sie jetzt damit beginnen, die Marihuana-Branche wie jede andere Agrarbranche zu behandeln, mit lückenloser Dokumentation von der Saat bis zum Verbraucher.

Ja, das ist eine Möglichkeit, aber solch ein Schutz ist sehr kostspielig. In den Benelux-Staaten sind meine Namen geschützt. Es hat bereits Fälle und Rechtsstreitigkeiten wegen Namen gegeben, doch in europäischen Gerichten fällt es ihnen schwer, nicht in Gelächter auszubrechen, weil sie glauben, es sei komisch. Aber was ist der Unterschied zu Herrn Heinecken oder einem Zigarettenprodzenten? Ich kann dir den Unterschied sagen: Wir handeln mit einem sehr entspannenden, ungiftigen Produkt, während sie wirklich gefährliche Drogen verkaufen – nur dass deren Produkte legal sind und unsere nicht. Es dreht sich alles ums Geld. Alles, was wir tun können ist zu versuchen, unsere Interessen und unseren Namen zu schützen so gut es nur geht.

Man kann auch sehen, wie Leute eine neue Webseite erstellen, beginnen Samen zu verkaufen und nach drei Monaten den ganzen Laden dichtmachen und wieder etwas Neues anfangen. Die sind noch schwerer aufzuspüren.

Eine andere Sache … Paradise Seeds wandte sich an mich – nein, ich wandte mich vor einigen Jahren an sie. Ihre Webseite heißt paradiseseeds.com und jemand startete eine Seite mit der Bezeichnung paradiseseeds.nl. Sie sehen einander sehr ähnlich, sind es aber nicht, und die schurkische Webseite zieht das Interesse von der originalen Webseite ab. Natürlich verkaufen sie Samen und sind in Kanada registriert. Aber es ist sehr schwer, herauszufinden, wer dahintersteckt.

Daher muss ein Kunde nicht nur auf den Namen achten, sondern auch auf den Hersteller. Wenn beides zusammenpasst und man herausfindet, wie die Verpackung aussieht, dann sind die Erfolgschancen besser. Schau dir auch die Webseite des Unternehmens an, um zu sehen, ob der Laden okay ist. All diese Dinge müssen geprüft werden, um die Chancen auf Erfolg zu erhöhen; verlass dich nicht allein auf den Namen.

Wow, zu diesem Thema gibt es wirklich viel zu sagen.

Stimmt. Ich meine, man sollte deswegen nicht die ganze Zeit lamentieren, aber es ist auch von Vorteil für den Endverbraucher, der den Preis zu zahlen hat. Ich denke, wir tragen eine Verantwortung und müssen sie warnen, um ihnen bewusst zu machen, was vorgeht. Bevor sie ihre Samen kaufen.

So, jetzt habt ihr's; letztendlich läuft es auf den alten Caveat Emptor hinaus – Käufer nimm dich in Acht.

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