„Landesweites Gütezeichen für die Cannabis-Branche“

30 Aug 2020

Ein Gespräch mit Qualitätsmanager Fabian von Kaenel

 
Das Label „Swiss Certified Cannabis“ ist ein Qualitätssiegel der IG Hanf und in diesem Jahr lanciert worden. Schweizer Produzenten von Hanferzeugnissen, wie zum Beispiel von CBD-Cannabis, aber auch von medizinischen Cannabisprodukten, können sich mit dem Gütesiegel bescheinigen lassen, dass ihre Chargen einwandfrei produziert wurden und dass sie den hohen Qualitätsanforderungen, die Politik und Marktwirtschaft an Cannabis stellen, genügen. Wir haben mit dem Qualitätsmanager Fabian von Kaenel über das Label gesprochen, welches er konzeptioniert und entwickelt hat.
An wen richtet sich das Qualitätssiegel „Swiss Certified Cannabis“ in erster Linie?

Swiss Certified Cannabis“, kurz SCC, ist ein Qualitätssiegel für Schweizer Produzenten von Cannabis sowie für Labore, die entsprechende Qualitätssicherungen für Hanferzeugnisse anbieten. Ziel ist, ein landesweites Gütezeichen für die Cannabis-Branche zu installieren, welches als Garant für beste Produkte und Dienstleistungen im Hanfsektor fungiert.

Das Gütelabel ist eine Erfindung von dir. Wie kam es dazu?

Ich arbeite für Qualitätssicherungs-Labore, wo es einige Probleme mit Cannabis-Proben gab. So wird in solchen Laboren beispielsweise geprüft, ob die THC- und CBD-Werte der Hanferzeugnisse korrekt und ob sie Pestizid- und Mykotoxin-frei sind. Bei der Auswertung hat sich dann herausgestellt, dass viele Probleme von Kunden verursacht werden. Und da kam mir die Idee, die IG Hanf anzusprechen, um ein entsprechendes Siegel für die Qualitätssicherung zu etablieren.

Wie ist das zu verstehen? Inwiefern gingen die Probleme von den Kunden aus?

Die Kunden, das sind die produzierenden Unternehmen, haben zuweilen für eine Prüfung entweder zu wenig Material eingeschickt oder unterschiedliche Proben, sodass eine umfassende und normgerechte Kontrolle nicht möglich war. Auf Nachfrage konnte dann zum Teil nicht mehr festgestellt werden, aus welcher Produktions-Charge die Proben kamen – und so ist natürlich eine Qualitätssicherung nicht wirklich möglich. Das hat mir gezeigt, dass Schweizer Firmen zwar hochwertiges Cannabis produzieren und motiviert sind, beste Produkte zu erzeugen, aber dass es schlicht und ergreifend an einem Qualitätsmanagement mangelt. So kam die Idee vom „Swiss Certified Cannabis“ zustande.

Können nur Mitglieder der IG Hanf sich bei euch zertifizieren lassen?

Nein, unser Angebot bzw. das Label richtet sich an alle Produzenten, auch wenn sie nicht Mitglied in der IG Hanf sind. Solche Unternehmen bezahlen einen einmaligen Betrag von 540 Franken und können sich dann zertifizieren lassen.

Was bekommen diese Firmen von euch?

Wer als Nicht-Mitglied der IG Hanf die Gebühr bezahlt, erhält von mir den Leitfaden für die Zertifizierung sowie einen Zugang zu unserer Plattform für Qualitätsmanagement. Diese Unternehmen können das Qualitätssiegel dann nach eingehender und unabhängigen Prüfung erhalten.

[caption id="attachment_37418" align="alignnone" width="1920"]fabian-von-kaenel Qualitätsmanager Fabian von Kaenel[/caption]
Also richtet sich euer Angebot ausschließlich an Cannabis-Produzenten?

Nein, auch an Qualitätssicherungs-Labore. Das heißt, wenn du in der Schweiz für dieses Label Analysen anbieten möchtest, benötigst du zunächst unser Label fürs Labor. Auch das bieten wir an. Somit werden auch die Prüfer geprüft.

Du sprachst von einem Leitfaden, den eure Kunden bekommen. Was ist das?

Die IG Hanf hat zwei Qualitäts-Leitfäden für die Cannabis-Branche herausgegeben, einen für Produzenten von Cannabis-Produkten und einen für Qualitätssicherungs-Labore. Damit soll für Konsumenten und Kunden ein strenges Qualitätslabel etabliert werden.

Und ist das Label nur für Unternehmen aus der Schweiz?

 Bisher schon. Man könnte aber darüber nachdenken, das auch auf andere Länder auszuweiten. Zumindest in deutschsprachigen Raum gibt es bislang nichts Ähnliches. Aber gerade im Cannabis-Bereich ist das heutzutage sinnvoll und notwendig. Die Qualitätssicherungs-Labore können ihre Proben aus ganz Europa beziehen und unter dem Label messen, da die Dienstleistung in der Schweiz stattfindet.

Werden lediglich eingesandte Proben von Cannabis-Produkten getestet oder bekommen die Betriebe auch Besuch von euch?

Die Unternehmen werden auch von uns besucht, da gibt es ein richtiges Audit, wie man das nennt, also eine Zertifizierungs-Prüfung.

Wie läuft die genau ab?

Zunächst melden Produzenten und Hersteller eine Prüfung bei uns an. Dann wird geschaut, ob die Anmeldung des Unternehmens bzw. der Produkte vollständig und richtig durchgeführt wurde. In einem dritten Schritt wird der Antragsteller von mir ausgebildet, um als viertes das Zertifizierungs-Audit zu durchlaufen. Im fünften und letzten Schritt wird dann über die Vergabe des Zertifikats entschieden. So läuft das ab – alles ganz korrekt und mit ausführlicher Dokumentation. Käufer von Produkten mit dem SCC-Label können also sicher sein, nur beste Ware zu erhalten.

INFO: Swiss Certified Cannabis

Produkte und Dienstleistungen, die das „Swiss Certified Cannabis“-Label tragen, stehen für kontrollierte Qualität. Für Mitglieder der IG Hanf ist der Leitfaden kostenlos, sie können ihr Exemplar per E-Mail bestellen: contact@qpm-vonkaenel.com

Nichtmitglieder zahlen für den Leitfaden und den Zugang zur Plattform eine Gebühr von 540 Schweizer Franken.

WEBSITE: Swiss Certified Cannabis online

Auf der Website www.swiss-certified-cannabis.ch können sich interessierte Produzenten und Labors einen ersten Eindruck vom Label verschaffen. Auf der Internetseite gibt es einen internen Bereich für Mitglieder und einen offenen Bereich für alle.