Chlor im Giesswasser

Mercedes.Frank
15 Apr 2026

Sauberes Leitungswasser ist für uns lebenswichtig, doch für Cannabis-Pflanzen kann es eine unsichtbare Gefahr bereithalten: Chlor. Während es Keime im Rohrnetz abtötet, bedroht es gleichzeitig das wertvolle Bodenleben im Grow-Medium.


Chlor im Gießwasser: Gefahr für die Cannabis-Pflanzen?

Wer sein Cannabis im Eigenanbau kultiviert, greift meist zum bequemsten Mittel: Leitungswasser. Doch was für uns Menschen trinkbar ist, kann für die empfindlichen Wurzeln und die Mikrobiologie im Boden wegen des Clors problematisch sein. 

Warum Chlor ein Problem für Grower ist

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird Chlor dem Trinkwasser zugesetzt, um Krankheitserreger abzutöten. Was im Rohrsystem sinnvoll ist, wirkt im Blumentopf wie ein Breitbandantibiotikum. Chlor unterscheidet nicht zwischen „bösen“ Bakterien und den nützlichen Mikroorganismen (wie Mykorrhiza oder Rhizobakterien), die deine Pflanzen für die Nährstoffaufnahme benötigen.

Ein hoher Chlorgehalt kann das Wurzelwachstum hemmen und bei empfindlichen Strains zu verbrannten Blattspitzen führen – ein Effekt, der besonders an warmen Tagen auftritt, wenn die Transpiration der Pflanze am höchsten ist.

Wie man Chlor sicher entfernt

Viele Grower glauben, einfaches Abstehenlassen reiche immer aus. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit:

  • Abstehen lassen (24h): Dies funktioniert hervorragend bei herkömmlichem, gasförmigem Chlor. Das Wasser in einen Eimer füllen und es 24 Stunden offen stehen lassen; das Chlor verflüchtigt sich in die Luft.
  • Chloramin-Falle: In einigen Regionen wird stabileres Chloramin verwendet, das sich nicht verflüchtigt. Hier hilft nur Chemie oder Filterung.
  • Vitamin C (Ascorbinsäure): Der effektivste Profi-Hack. Etwa 1,5 mg bis 2 mg Ascorbinsäure pro Liter neutralisieren Chlor und Chloramin fast augenblicklich. Für ein 80-Liter-Fass entspricht das etwa einer Messerspitze (nicht einem ganzen Esslöffel, um den pH-Wert nicht zu stark zu senken).
  • Aktivkohlefilter: Ein hochwertiger Wasserfilter (z.B. Umkehrosmose oder einfache Aktivkohlekartuschen) entfernt Chlor zuverlässig.

Vorsicht vor destilliertem Wasser

Ein häufiger Fehler ist der komplette Umstieg auf destilliertes Wasser. Da dieses einen EC-Wert von 0 hat, fehlen ihm lebenswichtige Mineralien wie Calcium und Magnesium. Dies führt ohne gezielte Supplementierung schnell zu Mangelerscheinungen.

Man sollte immer das lokale Wasserprofil kontrollieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt die 24-Stunden-Methode oder eine Prise Vitamin C, um das Bodenleben seiner Pflanzen zu schützen.

Siehe uch

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