CANNABIS meets STREET-ART

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Nicht nur im Hanf Museum Berlin hat das Street-Art-Kollektiv "Mesy & Friends" während des Corona-Lockdowns beeindruckende Spuren hinterlassen, überall in der Hauptstadt kann man kleine oder große Kunstwerke dieser Cannabis-affinen Truppe entdecken.

Mesy ist 35 Jahre, geborener Berliner und ein selbständiger Künstler, der in seiner Jugend sieben Jahre lang in Moskau lebte – es war eine Zeit, die ihn sehr prägte, schließlich erlebte er in Moskau den Zusammenbruch des vormals so mächtigen Ostblocks. Nun will Mesy mit seiner Straßenkunst dazu beitragen, dass hierzulande das Cannabisverbot zusammenbricht. Wie einst der Ostblock. Am besten von einen Tag auf den anderen. Ein Ansinnen, dass wir nur begrüßen und unterstützen können. Also sprachen wir mit Mesy über “seine” Kunstform Street-Art. Über den Corona-Einsatz im Hanf Museum Berlin. Und natürlich über Cannabis.

Was bedeutet dir Cannabis ganz persönlich?

Ich nutze Cannabis schon lange als Genussmittel – aber eben auch in dem Wissen, dass es eine gute Medizin ist. So habe ich zum Beispiel auch für meine Oma schon mal eine entsprechende Creme und Hanf-Tee besorgt, denn ich weiß ja, dass Cannabis auch anderen Menschen gut tut.

In welchem Alter hast du damit begonnen Cannabis zu rauchen?

Meine ersten Erfahrungen sammelte ich schon mit 11 Jahre – da war ich gerade aus Moskau zurückgekommen und kam in den wilden 90ern zurück nach Berlin, wo Cannabis mittlerweile auch im Ostteil sehr verbreitet war.

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Mit 11 ist aber doch schon recht früh – das wird ja nicht mal von ausgesprochenen Hanf-Befürwortern empfohlen. Hat dir das rückblickend vielleicht irgendwie geschadet?

Klar, wenn man in dem Alter schon mit Kiffen anfängt, dann bleibt das nicht ganz ohne Folgen. Irgendwann hab ich dann zum Beispiel lieber mit Weed gedealt, als fleißig zu lernen – daher war ich in meiner Berufsausbildung in theoretischen Fragen auch eher schwach. Und über die juristischen Folgen meines damaligen Hobbys will ich mich an dieser Stelle auch gar nicht weiter im Detail auslassen – aber es ist natürlich nicht schön, wenn man wegen Cannabis mehrfach vor Gericht gezerrt wird. Auf der anderen Seite hat mir Cannabis aber auch sehr dabei geholfen, auf Alkohol weitgehend zu verzichten – und das ist ja schon etwas Gutes. Inzwischen habe ich also doch irgendwie gelernt, mit dem Weed vernünftiger umzugehen.

Wie bist du zur Street-Art gekommen und was ist Street-Art für dich?

Ich mache ja schon seit über 20 Jahren Graffiti – und da kriegt man ja auch was von den staatlichen Repressalien mit, die man auch als Kiffer zu spüren bekommen kann. Aber ich wollte und will die Welt einfach für möglichst viele Menschen bunter machen, deshalb habe ich auch mit Graffiti angefangen – auch wenn das manchmal als Sachbeschädigung angesehen wird und daher ganz schön teuer werden kann. Daher habe ich schließlich angefangen auch Sticker, Paste-ups und Stencils zu machen, die man dann auch mal tagsüber ganz entspannt irgendwo anbringen kann und dafür nicht – wie beim Sprayen – immer mitten in der Nacht raus muss. Gute Sticker können auch Street-Art sein, da hierbei die Kunst direkt in den öffentlichen Raum gebracht wird, ohne mit ihm zwangsweise zu verschmelzen, wie das zum Beispiel bei einem Grafitti der Fall ist, welches man an eine bestimmte Wand sprüht, auf der es dann – für immer oder bis die Wand neu gestrichen oder abgerissen wird – auch bleibt. So ein Kunstwerk kann man also nicht einfach irgendwo anders mit hinnehmen, obwohl selbst das schon vorgekommen ist – da wurde über Nacht tatsächlich ein Stück Wand mit einem Grafitti drauf geklaut. Da hat man es mit Aufklebern schon einfacher – und natürlich ist man mit zahlreichen Stickern auch viel präsenter im Stadtbild als mit einigen Graffitis, von denen man eh nie weiß, wie lange sie an den Wänden überleben werden. Allerdings ist das bei Street-Art auch ein Problem, da wird auch viel geklaut, was mich immer ärgert, da Street-Art ja eigentlich für alle gedacht ist und – wie der Name schon sagt – auf die Straße gehört und nicht in irgendwelche Privatwohnungen.

Aber wovon lebt dann so ein Street-Artist, wenn er seine Kunst kostenlos auf der Straße präsentiert?

Manche machen halt – so wie ich – Sticker, andere Postkarten oder Kunstdrucke von ihren Graffitis, wieder andere gestalten Shirts oder Schallplatten-Cover und verdienen so ihr Geld. Aber klar – reich wird man damit kaum, wenn man nicht Banksy heißt oder einen anderen tollen Namen hat.

Wie hast du deine Mitstreiter von MESY & FRIENDS kennengelernt?

Die Street-Art-Szene ist ja so groß und international, dass die Graffiti-Szene dagegen schon fast familiär wirkt. Man trifft sich einfach auf verschiedenen Festivals oder besucht sich auch mal gegenseitig, um gemeinsam etwas zu sprayen. Dazu kommt das Internet mit seinen Möglichkeiten – ich tausche zum Beispiel weltweit Sticker mit befreundeten Künstlern. Dadurch kennt man dann im Laufe der Zeit schon eine ganze Menge guter und interessanter Leute, die dann auch gerne mal etwas zusammen gestalten oder gemeinsame Projekte angehen.

Hast du mit deinen Freunden auch schon vor der Koop im Hanf Museum ähnliche gemeinsame Projekte realisiert?

Ja, schön öfter. Direkt vor der Koop im Hanf Museum hatten wir zum Beispiel im Februar in der “Erstererster Galerie” eine Ausstellung mit sieben verschiedenen Street-Art-Künstlern, die in einer Auktion mündete, deren Erlös zur Hälfte an den Straßenkinder e.V. ging.

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Und wie kam es dazu, dass ihr auch den Keller des Hanf Museums so hochwertig veredelt habt?

Die Idee eines gemeinsamen Projekts mit dem Hanf Museum stand ja schon eine Weile im Raum, als die Corona-Krise dann durch den erzwungenen Shut-Down dafür sorgte, dass auch alle Museen für mehrere Wochen geschlossen bleiben mussten – so hatten wir plötzlich die Zeit, die es braucht, um so eine dauerhafte Kunst-Installation vernünftig umzusetzen.

Wie viele Künstler haben dafür wie lange gebraucht?

Puh – das waren schon eine ganze Menge. Da waren 13 verschiedene Künstler schon allein an der großen Collage im Keller-Café beteiligt – insgesamt waren es über 30 Künstler, die in den ca. vier Wochen der künstlerischen Umgestaltung im Museum vorbeikamen und sich hier beteiligten – manche mehr und mal weniger. Besonders hervorzuheben wären hierbei die folgenden Street-Artists: E-Schablone, Bibo, Nemo, Kietz Mietz, Lembo, Chill mal Berlin, Brainfart, Le Loup, Stek und Oxy.

Gibt es in der riesigen Keller-Collage eigentlich eine künstlerische Botschaft zu entschlüsseln oder ist das eher als eine aufwendige Street-Art-Deko zu verstehen?

Wir haben uns schon etwas dabei gedacht – wenn man direkt davor steht, dann kann man sich von links nach rechts durch die Geschichte Berlins nach 1945 bewegen. Daher kann man ganz links eine Art Auferstehung aus Ruinen erkennen – und ganz rechts einige Berlin-typische Neubauten. Und mittendrin und überall lassen sich viele kleine Details entdecken, die für sich sprechen sollen.

Und wie zufrieden bist du bzw. seid ihr mit dem Endergebnis?

Ich glaube schon, dass das ganz cool geworden ist. Zumal es ja auch das Ergebnis einer kleinen aber feinen Widerstandsaktion in Corona-Zeiten war. Wäre es nach unseren Behörden gegangen, hätten wir dieses Projekt gar nicht realisieren können, da ja zeitweise ein recht strenges Kontaktverbot verhängt war. Aber das hat uns nicht davon abgehalten, die Zeit des Shut-Downs kreativ zu nutzen und so verfügt das Hanf Museum nun über eine neue Attraktion, die hoffentlich viele Besucher anlocken wird.

Das hoffen wir natürlich auch und kommen schon fast zur letzten – aber obligatorischen – Frage: Wann wird Cannabis deiner Meinung nach hierzulande legal sein?

Hm, vernünftig wäre es natürlich, damit nicht mehr allzu lange zu warten, damit Deutschland nicht den Anschluss an die längst existente internationale Cannabiswirtschaft zu verpasst. Ich hoffe, dass es in den nächsten zwei-drei Jahren dazu kommt und Cannabis auch bei uns legalisiert wird – und wenn dann doch erstmal nur eine Entkriminalisierung kommt, dann ist das ja auch schon mal was. Ich selbst stand ja wegen Cannabis-Delikten auch schon ein paar mal vor Gericht – nur, weil ich mein schmales Einkommen als Street-Artist auch ein wenig durch Weed-Dealerei aufbessere. So kam es zum Beispiel auch mal zu der krassen Situation, dass die Polizei mit roher Gewalt in die Wohnung meiner 89jährigen Oma eindrang, da sie hier eine kleine Hanfplantage vermutete. Die fanden sie schließlich in meiner Wohnung, aber sie agierte so, als wären sie da gerade auf ein riesiges Opiumfeld gestoßen. Völlig bescheuert – aber so ist der Krieg gegen die Drogen nunmal.

Apropos – sollten neben Cannabis also auch alle anderen derzeit noch illegalisierten Drogen freigegeben werden?

Natürliche Drogen sollten auf jeden Fall wieder legal sein und selbst chemische Drogen können einem ja auch manchmal helfen – wie zum Beispiel beim Micro-Dosing. Aber wenn man dann die paar Junkies am Kotti (Kottbusser Tor in Berlin) sieht, kommt man schon wieder ins Zweifeln. Andererseits wäre selbst für diese Junkies eine Legalisierung von Vorteil, da bei legalen Abgabemodellen keine verunreinigten Drogen mehr konsumiert werden müssen, wodurch viele Todesfälle vermieden werden könnten. Letztendlich hängt es ja immer von dem einzelnen Menschen ab, wie vernünftig oder unvernünftig er mit den Drogen seiner Wahl umgeht – ganz unabhängig davon, ob diese nun legal oder illegal sind.

Das klingt nach einem guten Schlusswort. Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin mit deiner halblegalen Kunst. Und lass dich nicht erwischen!

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