Hanfblüten-Essenzen

Hanfblüten-Essenzen
Beim Schlagwort Cannabis-Extrakte zucken manche zusammen und vermuten dahinter höchst komplizierte Methoden, die meistenteils von Profis angewendet werden, um Hanfblüten ihre wertvollsten Inhaltsstoffe zu entlocken. Dabei ist vielen gar nicht klar, dass erstens Cannabis-Extraktionen gar nicht so aufwendig sein müssen und zweitens schon einfaches Haschisch ein Cannabis-Extrakt darstellt. Die Harzdrüsen (Trichomen) werden nämlich letztlich von den Hanfblüten getrennt – und damit extrahiert. In diesem Artikel wollen wir unterschiedliche Methoden der Cannabis-Extraktion vergleichen und deren Anwendbarkeit für den alltäglichen Gebrauch prüfen.

Fangen wir mit der Erklärung dessen an, was unter den Begriffen „Extrakt“ und „Extraktion“ verstanden wird. Das lateinische Wort extraho (extraxi, extractum) bedeutet so viel wie Herausziehen, ans Licht Bringen, Emporbringen. Im chemischen Sinne geht es also darum, bestimmte wirkstoffhaltige Komponenten aus einem Trägermaterial herauszulösen, z.B. Harze oder ätherische Öle.

Fettextrakte

Die begehrten Cannabinoide sind fettlöslich, fachsprachlich lipophil. Deshalb ist auch das Ausziehen von Schnittresten, Hanfkraut und -blüten sowie Hanfharz in Butter, Margarine oder Öl eine funktionable Methode der Cannabis-Extraktion. Damit lassen sich psychoaktive Cannabisbutter, Cannabismargarine oder Cannabisöle herstellen, die in der Küche der Zubereitung von Lebensmitteln dienen. Um eine Cannabisbutter herzustellen, braucht es nicht viel: Man lässt sein gemahlenes Cannabis für etwa 15 Minuten in der flüssigen Butter auf 85 Grad köcheln, seiht anschließend ab – und fertig ist die Cannabisbutter. Es gibt auch Varianten, bei denen das Cannabismaterial über zwölf Stunden im Fett belassen wird. Diese Methode ist aber nur dann nötig, wenn ein besonders schonender Auszug des Pflanzenmaterials gewünscht wird, z.B. wenn man es vornehmlich auf die Extraktion des Cannabinoids CBD (Cannabidiol) abgesehen hat. Will man einfach eine THC-haltige Butter, so genügen die 15 Minuten (manche Autoren empfehlen gar nur 5 bis 10 Minuten) bei 85 Grad. Nach dem Abfiltern des Pflanzenmaterials kann die Butter portioniert und eingefroren und künftig wie normale Butter in der Küche verwendet werden.

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Eine Tinktur ist leicht und gefahrlos zuhause herzustellen

Alkoholische Extrakte

Cannabis ist nicht nur fett-, sondern auch alkohollöslich. Mithilfe des Alkohols als Lösungsmittel werden die Cannabinoide und andere Wirkstoffe aus der Cannabispflanze ausgezogen, also extrahiert, und können in diesem Medium auch entsprechend lange gelagert werden, insbesondere, wenn der Alkoholextrakt in einer dunklen Flasche aufbewahrt wird (Braun- oder Grünglas). Die Herstellung von alkoholischen Cannabis-Extrakten wurde bis vor wenigen Jahrzehnten noch in Lehrbüchern für Pharmazeuten und Apothekerhandbüchern beschrieben. Wie im Ergänzungsbuch zum Deutschen Arzneibuch (Stuttgart, Deutscher Apotheker-Verlag) von 1953 vermerkt, gibt man zur Herstellung eines Cannabis-Extrakts einen Teil pulverisierten Hanfkrauts, also Blüten und gegebenenfalls Blätter, auf fünf Teile Weingeist. Das Gemisch wird bei Zimmertemperatur für sechs Tage an dunklem Ort gelagert, es empfiehlt sich, das Gefäß jeden Tag mehrmals zu schütteln, um möglichst alle Stoffe aus dem Pflanzenmaterial zu lösen. Anschließend das Pflanzenmaterial noch auspressen. Den nun verbleibenden Rückstand reichern wir wiederum mit fünf Teilen Weingeist an und ziehen das Ganze abermals drei Tage lang aus. Als maximale Einzeldosis wird 0,1 Gramm angegeben, als maximale Tagesdosis 0,3 Gramm und als mittlere Einzeldosis (innerlich) 0,03 Gramm.

Auch eine Tinktur ist leicht und gefahrlos zuhause herzustellen. Dazu benötigen wir nur hochprozentigen Alkohol (38 bis 40 % vol.), z.B. Doppelkorn oder Wodka, in den wir auf den halben Liter bis zu 80 Gramm Schnittreste bzw. ungefähr 25 bis 50 Gramm Marijuana oder 10 bis 20 Gramm Haschisch (je nach Potenz des Ausgangsmaterials) einlegen können. Das Ganze kommt in ein möglichst braunes und gut verschließbares Glasgefäß und wird für sieben bis zehn Tage im Kühlschrank aufbewahrt. Das Gefäß sollte mindestens dreimal täglich durchgeschüttelt werden. Nach Ablauf der Woche siebt man das Pflanzenmaterial aus dem Alkohol und hat die fertige Tinktur vorliegen, die nun in Pipettenfläschchen oder ähnliches abgefüllt werden kann.

Extrakte auf Lecithinbasis

Lecithin ist flächendeckend im Handel verfügbar und ermöglicht die Herstellung eines gut wirksamen Cannabis-Extrakts, indem die fett- und alkohollöslichen Cannabiswirkstoffe in eine wasserlösliche Form überführt werden. Mittels des Lecithins wird aus den Cannabiswirkstoffen eine Emulsion gebildet, die dann wasserlöslich ist und in Form von Speisen und Getränken verwendet werden kann. Zur kurzen Erklärung: Es gibt Stoffe, die – vereinfacht ausgedrückt – die Wasserlöslichkeit von lipophilen Verbindungen erhöhen. Lecithin ist so ein Stoff, und auch Polysorbat 80, ein Emulgator, der z.B. für die Herstellung von Speise-Eis verwendet wird, eignet sich dafür.

Zu Herstellung eines Lecithinextrakts benötigt man Lecithin (z.B. Sojalecithin-Granulat, Vita Buerlecithin oder flüssiges Lecithin aus Apotheke oder Reformhaus), eine hochprozentige Ansatz-Spirituose und das Cannabisprodukt der Wahl. Ein Esslöffel des Lecithins wird mit 50 Millilitern Alkohol vermischt. Am besten mindestens einen Tag lang warten, bis der hochprozentige Schnaps eine bernsteinfarbene Färbung angenommen hat. Dann etwa ein Gramm Gras in ungefähr 40 Milliliter der Lösung einlegen und das Ganze sieben bis zwölf Stunden stehen lassen. Anschließend das Cannabismaterial abfiltern, fertig ist der Extrakt.

Auszüge mit Extraktoren

Nur einen kurzen Blick werfen wir auf die professionellen bzw. semiprofessionellen Extraktoren, die mit Lösungsmitteln arbeiten (meist Butan, Dimethylether u.a.) und mit denen man BHO-Konzentrate, also Budder, Shatter, Wax etc., aus Cannabis herstellen kann. Insbesondere Schnittreste können mit solchen Lösungsmittelextraktoren veredelt werden. Die Gerätschaften sind, trotz ihrer praktischen Nutzbarkeit und der Möglichkeit, aus vermeintlichen Abfällen das Letzte herauszuholen, aber relativ teuer und eher etwas für Menschen mit einem gewissen Faible für diese Technologie. Die moderneren Geräte dieser Art sind allerdings so konzipiert, dass sie ein einfaches Handling gewährleisten sollen. Das Prinzip: Gib oben einfach deine Trimmreste und Blätter rein, dann kommt unten das flüssige Gold heraus. Aus Müll mach Öl – oder so ähnlich.

Allerdings birgt der Umgang mit diesen auf Lösungsmittelbasis arbeitenden Extraktoren auch einige reale Gefahren, Autorin Kathrin Gebhardt fasst die wichtigsten im Buch „CBD – Cannabidiol“ zusammen: „Die Extraktion mit Gas ist immer ein gefährlicher Prozess, daher ist es dringend notwendig, die Extraktion im Freien in einer gut belüfteten Umgebung, fern von Funken, Flammen und elektrischen Geräten durchzuführen. Dabei auf keinen Fall rauchen! Einige Pflanzen enthalten toxische Öle oder wurden evtl. mit Chemikalien besprüht, daher nur Kräuter aus sicheren Quellen verwenden, da sich im Öl sonst Verunreinigungen befinden könnten“ (Grotenhermen, Berger und Gebhardt 2015, Seite 60).

Überdies sollte bei diesen Extraktoren peinlichst genau auf die Angaben in der Gebrauchsanweisung geachtet werden. Kathrin Gebhardt gibt Tipps zur Sicherheit: „Da Funken entstehen können, dürfen während der Extraktion keine elektronischen Geräte, wie z.B. Handys, Tablets etc., in der Nähe sein. Schutzbrille und Atemschutz tragen. Dämpfe sollen nicht eingeatmet werden. Keine lockeren Pullover, nur eng anliegende Kleidung tragen. Nie in der Nähe von Kindern verwenden“. Übrigens wird nicht nur die moderne BHO-Variante, sondern auch das originäre Haschischöl meist mit Hilfe von Lösungsmitteln (Chloroform, Naphta, Isopropylalkohol etc.) hergestellt.

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Die Extraktion mit Gas ist immer ein gefährlicher Prozess

Rosin-Technik: Händische Extraktion ohne Lösungsmittel

Wer keine Lust auf Lösungsmittel hat – immerhin ist nicht wirklich klar, ob man mit allen derzeit erhältlichen Extraktionsgeräten auch tatsächlich komplett rückstandsfreie BHO produzieren kann – der kann auf eine Technik zurückgreifen, die vor einigen Jahren aus den USA bekannt geworden ist. Die Rede ist von der sogenannten „Rosin-Technik“, die mithilfe eines Bügeleisens das Cannabis bzw. dessen Harze extrahiert. Zwar ist über eine Methode, das Gras oder Haschisch mit dem konventionellen Bügeleisen für die Wäsche zu extrahieren, nichts bekannt, wohl aber über die Technologie, dies mit dem Glätteisen für Haare zu bewerkstelligen. Das Glätteisen, wie es viele Frauen verwenden, sollte eine Temperaturregelung aufweisen und auf 150 Grad Celsius eingestellt werden. Das zu extrahierende Marijuana wird mit den Fingern zu einem Kügelchen gepresst und zwischen ein zusammengefaltetes Backpapier gelegt. Dies wiederum kommt dann zwischen die Heizplatten des vorgeheizten Glätteisens. Schließlich drückt man das Glätteisen etwa vier bis sechs Sekunden fest zusammen – und fertig ist das Konzentrat. Wenn man nun das Backpapier aufklappt, kann man einen festen Gras-Chip entnehmen und sieht auf der Oberfläche des Backpapiers schon den öligen Extrakt, der regelrecht aus dem Marijuana „gemolken“ wurde. Dieser komplett lösungsmittelfreie Extrakt kann nun mit einer Rasierklinge oder Ähnlichem zusammengesammelt und bereits in der Dabbing-Pfeife verwendet werden. Das gleiche funktioniert auch mit Haschisch, nur dass dieses nicht einfach in Backpapier gelegt werden darf, bevor man es mit dem Glätteisen bearbeitet. Der Grund: Das Haschisch würde sich mit dem ausgepressten Öl vermengen und könnte anschließend nicht separiert werden. Daher legt man das Haschisch, bevor es in das gefaltete Backpapier kommt, in ein Tuch aus Polyamid- oder Polyester-Mikronstoff (25 Mikron). Das gesamte Konstrukt wird nun mit dem Glätteisen unter Aufbringung ausreichenden Drucks regelrecht ausgestrichen. Das Hasch verbleibt dabei im Mikrontuch, und der ölige Extrakt haftet am Backpapier. Wer über Gerätschaften wie eine T-Shirt- oder Olivenpresse verfügt, kann mit dieser Technik auch größere Mengen Cannabis extrahieren.

Cannabis im Ofen potenter machen

Wenn man sein Marijuana vor der Extraktion im Backofen aktiviert, ist es anschließend deutlich potenter. In frischem Cannabis, aber auch in gebrauchsfertigem Marijuana, liegen bestimmte Cannabinoidanteile in ihren Säureformen vor, die keine Rauschwirkung verursachen. Gibt man sein noch nicht komplett getrocknetes Gras jedoch für etwa fünf Minuten bei 190 Grad oder frisches Gras für 15 bis 20 Minuten bei 150 bis 160 Grad in den Backofen, werden durch die sogenannte Decarboxylierung einige Anteile der Säureformen in ihre wirksamen Formen überführt. Das Marijuana wirkt dann stärker.

Bei der Technik der Cannabis-Aktivierung kommt es darauf an, wie frisch bzw. wie trocken das Marijuana ist. Je frischer die Pflanzenteile, desto mehr Säureformen enthalten sie und desto länger dürfen sie im Ofen aktiviert werden. Je trockener das Gras also ist, desto kürzer sollte es im Ofen erhitzt werden. In trockenem Marijuana liegen weniger Cannabinoidanteile in Säureform vor, so dass man hier keine längere Aktivierung vornehmen muss. Im Zweifel gilt für gut getrocknetes Weed: Lieber auf die Behandlung im Ofen verzichten. Zu lange erhitztes Cannabis hat zur Folge, dass das THC in Cannabinol (CBN) überführt wird, was zu einem erheblichen Potenzverlust des Marijuanas führt.

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