Pflanzen krankheiten bei Cannabis

Soft Secrets
18 Feb 2017

Wie Menschen und Tiere können auch Pflanzen krank werden. Diejenigen Erkrankungen, die nicht von Schädlingen verursacht werden können, unterteilen wir grob in zwei Gruppen: in die pilzlichen und die bakteriell bedingten Krankheiten.


Sporen und Bakterien, die Krankheiten an Pflanzen herbeiführen, sind allgegenwärtig. Die Empfindlichkeit einer Pflanze gegenüber Erkrankungen hängt von diversen Faktoren ab, zum Beispiel von der Temperatur, der Feuchtigkeit, der Luftzufuhr, dem pH-Wert und den Nährstoffen. Schauen wir uns im Folgenden einige verheerende Krankheiten an, die Cannabis betreffen können, und sehen, was dann im Sinne einer biologischen Behandlung zu tun ist.

Blattfäule, Braun- und Grauschimmel (Botrytis cinerea)

Grauschimmel ist nahezu überall verbreitet und kann an allen möglichen Pflanzen großen Schaden anrichten. Er ist ein Pilz, der in kühleren Klimaten vorkommt, und an Gewächshaus- und Gartenpflanzen zutage tritt.

Schadbild

Eine Infektion mit Botrytis macht sich zuerst in durchweichten, braun gewordenen Regionen an der Pflanze bemerkbar – egal, welche Pflanzengewebe betroffen sind. Schließlich macht sich rasch ein silbrig-grauer, flaumiger Belag auf der Pflanze breit, der aus Tausenden von beerenähnlichen Sporen besteht. Blätter und Blüten verfärben sich gelb und drohen unter der Schimmelschicht zu ersticken. Bei hoher Luftfeuchtigkeit neigen die Blätter dazu, eine braune und schleimige Substanz aus dem erkrankten Pflanzengewebe abzusondern.

Generell bewirkt Botrytis eine Fäulnis von Blüten, Blättern und Sämlingen. Knospen verrotten. Stengel werden von Krebsgeschwüren befallen. Stengel und Krone faulen. Schließlich resultiert eine Stengelfäule. Grauschimmel befällt vor allem zartes Gewebe von Blüten, Knospen und Sämlingen, aber er kann ebensogut über Schnittwunden und älteres geschwächtes Gewebe die ganze Pflanze befallen.

Die betroffenen Pflanzenteile sind von der entsprechenden Botrytis-Art abhängig. Stellen, die nur wenig Licht abbekommen, sind in aller Regel zuerst betroffen. Über Sporen breitet sich die Erkrankung dann rasch auf der gesamten Pflanze aus. Grauschimmel betrifft viele Herbstblüher und zerstört deren feuchte Blüten, die die Feuchtigkeit von Tau, Regen oder über die Bewässerung erhalten.

 

Maßnahmen

Ätherische Öle (Koriander, Nelken, Oregano und Thymian), Kompost-Tee, Kupfer, Neem-Öl, pH-Wert erhöhen, Kaliumbikarbonat, Sesamöl und UVC-Licht. Die Nützlingsorganismen Bacillus subtilis, Streptomyces lydicus (Bakterien) oder Trichoderma harzianum (nützlicher Pilz) können dem Substrat beigegeben werden. Sie reinigen die Erde, wirken aber auch in Form von Blattsprays.

 

Vorsorge

• Vermeide indoors und draußen eine Überwässerung.

• Vermeide pilzfreundliche Bedingungen und halte im Zimmer und im Gewächshaus die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent und die Temperatur über 21 Grad Celsius.

• Sorge für eine adäquate Luftzirkulation bei Indoor- und Gewächshauspflanzungen. Pflanze Gewächse nicht zu dicht beieinander, damit Feuchtigkeit und Temperatur möglichst optimal kontrolliert werden können.

Echter Mehltau

Echter Mehltau ist eine Pilzerkrankung, die eine Vielzahl von Pflanzen befällt. Jede Mehltau-Art hat zwar ihr eigenes Wirtsspektrum, allen gemein ist jedoch der leicht erkennbare puderartige, weiße oder graue Schimmelüberzug. Mehltau kann im Grunde überall gefunden werden. Er ist, wann immer die Bedingungen für Pilzorganismen günstig sind, ein häufiges Problem bei Zimmer- und Gartenpflanzen.

 

Ursache

Mehltausporen halten sich in der Luft auf und sind überall zu finden. Bei ungünstigem Klima ruhen sie, bis die Konditionen wieder ihren Bedürfnissen entsprechen. Infektionen werden meist von Wind verursacht, der die Sporen von Pflanze zu Pflanze trägt. Myzelien und Sporen überwintern in Pflanzenresten oder in befallenen Gewächsen.

Haustiere, Kleidung und neue Pflanzen sind ebenfalls Überträger von Echtem Mehltau. Die Krankheit entwickelt sich am besten bei mäßig saurer Erdoberfläche, mäßiger bis hoher Luftfeuchtigkeit und Feuchtigkeit (jedoch nicht bei Nässe), bei Temperaturen von 15 bis 30 Grad Celsius (abhängig von Art und Rasse des Pilzes) und bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

 

Schadbild

Zuerst erscheint der Pilz eher unscheinbar und in Form von unregelmäßigen Kreismustern auf einem Blatt. Er wächst rasch und befällt schnell das ganze Blatt, das dann aussieht, als wäre es mit Puderzucker bestäubt. Im weiteren Verlauf verkümmern die Blätter, verfärben sich gelb oder braun und fallen schließlich ab. Weil der Pilz der befallenen Pflanze die Nährstoffe nimmt, büßt diese nach und nach ihre Gesundheit ein und stirbt. Echter Mehltau ist eine der am leichtesten erkennbaren Krankheiten bei Pflanzen.

 

Maßnahmen

Ätherische Öle (Koriander, Nelke, Oregano und Thymian), D-Limonen, insektizide Öle (z. B. Jojoba- oder Baumwollsamenöl), Kaliumbikarbonat, Knoblauch, Kompost-Tee und Kompost, Kupfer, Natriumbikarbonat, Neem-Öl, pH-Wert erhöhen, Quarantäne für neue Pflanzen, Schwefel, Sesamöl, UVC-Licht, Wasserstoffperoxid, Ampelomyces quisqualis (Pilz), Bacillus pumilus, Bacillus subtilis, Streptomyces lydicus (Bakterium).

 

Vorsorge

Von Wassermangel gestresste Pflanzen sind gegenüber Mehltau anfälliger als gut bewässerte Exemplare. • Pflanze deine Gewächse nicht zu dicht beieinander, um eine adäquate Luftzirkulation zu ermöglichen. • Entferne befallene Blätter vorsichtig und ohne die Sporen aufzuwirbeln. Stülpe eine Tüte über befallene Pflanzenteile und binde sie zu – dann erst schneide den Zweig ab. • Pilze sterben in alkalischer Umgebung ab. Passe den pH-Wert der Blattoberflächen deshalb auf einen Wert oberhalb 8 an. 

Fusarium-Fäule

Der Fusarium-Pilz kommt in warmen Gebieten weltweit und häufig vor. Fusarium ist im Substrat zu finden und infiziert Pflanzen über das Wurzelsystem. Dann wandert der Pilz die Pflanze empor, bis schließlich vielleicht das gesamte Gewächs befallen ist. Fusarium kann auch Samen befallen. Schadbild Die Symptome äußern sich gewöhnlich zunächst in den unteren und äußeren Blättern. Als erstes erscheinen kleine, dunkle und unregelmäßige Flecken auf den Blättern. Dann beginnen sie zu welken und sich gelb zu verfärben. Die Blattspitzen rollen sich nach oben, während die Blätter matt herabhängen, aber nicht abfallen. Normalerweise erscheinen die Symptome nur an einer Seite der Pflanze. Schneide diejenigen Zweige ab, die eine braune Verfärbung im Inneren aufweisen. Fusarium-Arten können verschiedene Krankheiten induzieren.

Die verursachen zwar leicht unterschiedliche Symptome, lassen sich aber mit den selben Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen behandeln. Die Fusarium-Wurzelfäulnis beginnt unterhalb der Erdoberfläche, lässt die Wurzeln verfaulen und nekrotisieren – die Wurzelfasern sind dann charakteristisch rötlich gefärbt. Das erste sichtbare Symptom ist die sich am Stamm nach oben fortsetzende Fäulnis, die mit einer rot-bräunlichen Verfärbung einhergeht. Möglicherweise schwillt der Stengel an und platzt auf. Die betroffene Pflanze wird bald welken, rasch kollabieren und absterben.

 

Maßnahmen 

Es gibt keine wirklichen Maßnahmen gegen den Fusarium-Pilz, wenn er eine Pflanzung erst befallen hat. Das einzige, was wirklich hilft, ist, befallene Pflanzen auszusondern und zu vernichten und alles Werkzeug und sämtliche Töpfe, Oberflächen usw. gründlich zu reinigen bzw. zu sterilisieren.

 

Vorsorge

Arbeite guten Kompost oder Kompost-Tee in dein Substrat ein, um deine Pflanzen zu schützen. Die Mikroben im Kompost-Tee vernichten den Fusarium-Pilz und reduzieren Infektionen deutlich. Entkeime benutzte Töpfe, Unterlagen und Substrate. Das gilt insbesondere, wenn diese für Pflanzen im Innenbereich benutzt werden, wo mildes Klima eine Infektion begünstigt. Stelle sicher, dass der pH-Wert nicht zu niedrig ist. Alkalische Bedingungen beeinträchtigen das Pilzwachstum oder unterbinden es gar. Neutralisiere saure Substrate mit Dolomitkalk oder Grünsand. Dünger mit Kalium- oder Kalziumzusatz bieten einen guten Schutz vor Fusarium. Hohe Stickstoffwerte hingegen beschleunigen das Pilzwachstum.

Pythium-Pilz

Pythium ist ein zerstörerischer, parasitärer Wurzelpilz. Unter günstigen Bedingungen vermehrt er sich recht schnell und sondert mikroskopische Sporen ab, die das gesamte Wurzelsystem schädigen und der Pflanze damit ihre Nährstoffe abspenstig machen. Pythium befällt hauptsächlich Samen und Sämlinge, die nur wenig Widerstandsfähigkeit aufweisen. Der Pilz lässt ältere befallene Pflanzen regelrecht verkümmern.

 

Ursache

Pythium entwickelt sich am besten bei hoher Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen 22 und 30 Grad Celsius. Sauerstoffmangel in hydroponischen Anlagen fördert die Entwicklung des Pilzes. Pythium schädigt die gesamte Pflanze, auch wenn er sich an den Wurzeln zeigt. Sämlinge und Jungpflanzen sind besonders anfällig gegenüber der Erkrankung.

 

Schadbild

Befallene Pflanzen welken, verfärben sich gelb oder verkrüppeln. Manchmal färben sich die Blattränder braun. Auch die Wurzeln werden fahl, weich und wässerig und enthalten der Pflanze die Nährstoffe vor. Bei voranschreitender Infektion schält sich die äußere Gewebeschicht der Wurzeln ab und gibt den inneren Kern derselben frei. Der Pythium-Pilz kann sich bis zur Krone fortsetzen und dort für die gleiche Verfärbung und Verweichlichung sorgen wie am Wurzelsystem. Pythium bewegt sich durchs Wasser oder Substrat bis zu den Pflanzenwurzeln und keimt, bevor er die Wurzelfasern besetzt. Hat der Pilz sich erst auf einer Pflanze etabliert, breitet er sich über deren gesamtes Gewebe aus und verursacht Welke.

 

Maßnahmen

Ätherische Öle (Koriander, Nelken, Oregano und Thymian), Kompost-Tee, Kupfer, UVC-Licht, Streptomyces griseoviridis (Bakterium), Streptomyces lydicus (Bakterium), Trichoderma (Pilz).

 

Vorsorge

Besonders bei hydroponischen Systemen ist eine adäquate Vorsorge unerlässlich, weil ein einmal eingedrungener Pythium-Pilz sich rasend ausbreitet. Achte auf sauberes Wasser – behandele es zum Beispiel mit Wasserstoffperoxid (H2O2) oder nutze UVC-Licht, um Sporen in der Luft abzutöten. Nachteil der beiden Methoden ist, dass sie auch die nützlichen Organismen töten.

• Sterilisiere Töpfe und Werkzeuge vor und nach jeder Benutzung.

• Nutze gut dränierte Substrate und Substratmischungen.

• Vermeide jede Art von Überwässerung und Überdüngung. Achte besonders auf Trauermücken, denn sie sind Überträger des Phytium-Pilzes.

Umfallkrankheit/Stengelfäule

Die Umfallkrankheit oder Stengelfäule ist ein erworbenes Leiden und wird von diversen Pilzorganismen verursacht. Stengelfäule ist eine gängige Erkrankung bei Zimmer- und Gartenpflanzen und kommt weltweit vor.

 

Ursache

Die Umfallkrankheit/Stengelfäule kommt in warmen, stickstoffreichen Gärten vor, die über einen längeren Zeitraum feuchtem Klima ausgesetzt sind. Hydroponische Systeme können zum Beispiel die Ursache für Stengelfäule sein, wenn das Medium übersättigt wird. Stengelfäule tritt vor allem dann auf, wenn Pflanzen in ein bereits mit den pilzlichen Erregern kontaminiertes Substrat gesetzt werden. Die Krankheit geht auch an gesunde und kräftige Sämlinge, ohne, dass diese geschwächt oder verwundet sein müssen. Ist der Pilz erst in die Pflanze eingedrungen, sondert er bestimmte Enzyme ab, die die Zellstruktur des Pflanzengewebes auflösen.

Dann absorbiert er die Nährstoffe, die sich in den Pflanzenzellen befinden. Der Pilz breitet sich immer mehr über der Pflanze aus, bis diese schließlich abstirbt. Bevor der Pilz, der für die Stengelfäule verantwortlich ist, an der Oberfläche erscheint, schädigt er schon die Samen im Boden. Sie verrotten dann schlichtweg. Aber selbst, wenn die Samen es geschafft haben zu keimen, kann der Pilz sie immer noch befallen. Die Infektion beginnt dann an der Erdoberfläche oder kurz darunter. Je nachdem, welcher Pilz die Stengelfäule verursacht, sind Blätter, Wurzeln oder Stengel betroffen.

 

Schadbild

Die Umfallkrankheit/Stengelfäule wird von mehreren Pilzorganismen verursacht, und die Symptome können variieren. Generell verrotten betroffene Samen im Boden, und Sämlinge fallen einfach um. An den Sämlingen erkennt man eine Stengelfäule zuerst an einer rötlichen, gelblichen bis bräunlichen Verfärbung, die oberhalb der Substratoberfläche beginnt. Im weiteren Verlauf des Befalls werden schwächere Stengelteile weich, matschig und braun. Eventuell wird ein derart befallener Stengelteil den oberen, schwereren Teil der Pflanze nicht länger tragen können.

Die Welke kann im Anfangsstadium einer Wurzelfäulnis ähneln, nämlich dann, wenn die Blätter sich gelb verfärben, ein „Stengelkrebs'' jedoch noch nicht in Erscheinung getreten ist. Stengelfäule schädigt übrigens die Wurzel nicht. In späteren Stadien hängen die Blätter der Pflanze welk herunter und verfärben sich gelb. Wenn die Pflanze Läsionen aufweist, beginnt sie, aufgrund des erworbenen Gefäßschadens zu welken. Stengelfäule wird manchmal mit den Schadbildern verwechselt, die durch kaltes bzw. trockenes oder salziges Substrat, Nährstoffstoffüberschuss oder große Hitze verursacht werden. Die Schlüsselmerkmale der Stengelfäule sind die Läsionen und Geschwulste am Stengel, die braune Verfärbung und das weiche Pflanzengewebe.

Maßnahmen

Ätherische Öle (Koriander, Nelke, Oregano), Kaliumbikarbonat, Kompost-Tee, Natriumbikarbonat, Sesamöl, Tang, UVC-Licht, Bacillus subtilis und/oder Streptomyces griseoviridis.

 

Vorsorge

Arbeite gut genährten Kompost und Kompost-Tee in deine Substratmischung ein, um deine Pflanzen vor Stengelfäule zu schützen. Weiche Samen für einen Tag lang in Kompost-Tee ein, bevor du sie in Erde pflanzt.

• Stickstoffreiches Substrat behindert das Wurzelwachstum und verschlimmert Stengelfäule.

• Verwende im Gewächshaus oder drinnen stets nur sterile Substrate oder pasteurisierte Erde.

• Professionelle Erde ist teurer als gewöhnliche, dafür aber keimfrei.

• Benutze für die Sämlingsproduktion nur keimarmes Zubehör. Vermeide eine Überwässerung. Wässere nur, wenn die Erdoberfläche trocken ist. Benutze einen Feuchtigkeitsmesser oder deine Finger, um zu prüfen, wie feucht das Substrat ist. Teste die Feuchtigkeit immer am inneren Topfrand, um die Wurzelzone nicht zu beeinträchtigen. Halte den Abstand zwischen deinen Pflanzen groß genug, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten. Damit bleibt das Klima trocken und Stengelfäule hat keine Chance.

Pflanze junge Gewächse erst im Freien, wenn sie schon einige Blätter ausgebildet haben. Jüngere Pflanzen sind gegenüber diversen Pathogenen anfällig. Vermeide Überdüngungen, weil Stickstoffüberschuss Pilzwachstum begünstigt. Vermeide, Sämlinge von oben her zu gießen. Stattdessen stelle sie in mit Wasser gefüllte Töpfe und nimm sie wieder heraus, wenn das Substrat durchfeuchtet ist.

Text: Markus Berger

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